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DEUTSCHLAND/WELT

 

03.03.2011 | Karlsruhe/Wiesbaden

Frankfurt-Attentäter hat islamistischen Hintergrund

 

Der Anschlag auf US-Soldaten am Frankfurter Flughafen mit zwei Toten ist vermutlich die Tat eines radikalisierten islamischen Einzeltäters. Der 21 Jahre alte Kosovare habe US-Soldaten töten wollen.

 

Das berichtete der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden aus den ersten Vernehmungen des Mannes durch die Landespolizei. Hinter ihm sei bislang kein terroristisches Netzwerk erkennbar. Der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hält eine Anhebung der bundesweiten Sicherheitsstufe nicht für notwendig.

 

Den deutschen Sicherheitsbehörden war der Täter, der Kosovo-Albaner Arid U., nicht als potenziell gefährlicher Islamist bekannt; auch in seiner Heimat war er es nicht. Nach Polizeiangaben hat sich der in Frankfurt lebende junge Mann innerhalb weniger Wochen radikalisiert. Der Attentäter hatte am Mittwoch in einem Militärbus zwei US-Soldaten erschossen und zwei weitere verletzt.

Die Bundesanwaltschaft hat inzwischen die Vermittlungen an sich gezogen. «Aufgrund der Tatumstände besteht der Verdacht, dass es sich bei dem Attentat um eine islamistisch motivierte Tat handelt», hieß es in einer Mitteilung der Behörde. Sie ermittelt wegen des Verdachts des Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in mehreren Fällen. Zu Einzelheiten will sie sich am Freitag in Karlsruhe äußern.

 

Der Täter hat den Anschlag nach Angaben des hessischen Innenministers inzwischen gestanden. Er war gleich nach dem Anschlag festgenommen worden. Er sollte noch im Laufe des Donnerstags dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes vorgeführt werden.

 

Der Attentäter hatte in der Nähe des Tatorts einen Aushilfsjob. Er war seit Januar im Internationalen Postzentrum am Flughafen beschäftigt, bestätigte ein Postsprecher. Seine Aufgabe war es, Post zu verteilen. Der Vertrag sollte Ende März auslaufen.

Schießerei Frankfurter Flughafen
Fotos

Arid. U hatte nach Angaben des Ministers erst vor wenigen Tagen den Kampfnamen «Abu Reyyan» angenommen und zumindest über das Netzwerk «Facebook» Kontakt zu dem marokkanischen Hassprediger Sheik Abdellatif gehabt. Dieser wird schon länger von der Polizei beobachtet und predigte zuletzt in einer Frankfurter Moschee. Die Polizei kannte den Attentäter zuvor nicht, erklärte ein ranghoher Beamter. Er sei seiner Arbeit bei der Post nicht in einem Sicherheitsbereich nachgegangen und daher auch nicht überprüft worden.

 

Nach Rheins Angaben erschoss der Täter am Mittwoch einen Soldaten bereits vor dem Bus und stürmte dann in den Wagen, wo er als nächstes den Busfahrer tötete. Es fielen weitere Schüsse, die noch zwei Soldaten verletzten. Einer davon schwebte am Donnerstag noch in Lebensgefahr. Erst eine Ladehemmung in der Pistole beendete das Blutbad. Der Täter wurde auf seiner Flucht von Bundespolizisten im Flughafenterminal festgenommen. Die Soldaten hätten zum Teil Uniform getragen und nicht durchgeladene Waffen im Gepäck mit sich geführt.

Am größten deutschen Airport wurden unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen wieder verschärft: Die Bundespolizei ging in den Terminals erneut mit Schutzwesten und Maschinenpistolen Streife und setzte verdeckte Ermittler ein. Im Frankfurter Stadtteil Sossenheim wurde die Wohnung des Todesschützen durchsucht. Er soll bei seinen Eltern gewohnt haben und sich seit 1991 in Deutschland aufhalten.

 

Arid U. soll nach Medienberichten aus Pristina am 8. Februar 1990 in einem Dorf am Stadtrand von Mitrovica im Norden Kosovos geboren worden sei. Große Teile seiner Familie seien «schon vor vielen Jahren» nach Deutschland ausgewandert. Sie könnten daher nicht als Flüchtlinge bezeichnet werden.

 

Nach einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» soll er seinen Anschlag auf den US-Militärbus präzise vorbereitet haben. Spekulationen, nach denen Arid U. vor dem Blutbad auf Arabisch «Gott ist groß» (Allahu Akbar) gerufen haben soll, bestätigten die Ermittler zunächst nicht.

Bei den Opfern handelt es sich um Angehörige der Militärpolizei der US-Luftwaffe. Die etwa ein Dutzend Männer waren in England stationiert und sollten nach Ramstein gebracht werden. Von dort aus sollten sie in Kürze zu einem Einsatz nach Afghanistan oder in den Irak aufbrechen.

 

Bundesinnenminister Friedrich verurteilte in Berlin den Anschlag. Die Behörden würden in Zusammenarbeit mit US-Dienststellen alles dafür tun, die Tat aufzuklären.  Außenminister Guido Westerwelle sagte seiner US-Amtskollegin Hillary Clinton nach Angaben des Auswärtigen Amtes in einem Telefongespräch eine rasche und vollständige Aufklärung des Anschlags zu. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dies bereits zugesichert.

Quelle: dpa

www.frankfurt-airport.de

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