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DEUTSCHLAND/WELT

 

27.03.2009

Die Rennwagen in der Formel-1-Saison 2009
Fotos
29.03.2009 | Melbourne (dpa)

WM-Auftakt mit Dramatik pur - Triumph von Brawn GP

 

Triumphaler Doppelsieg von B&B, sensationelle Aufholjagd von Silberpfeil-Star Lewis Hamilton, Crash von Sebastian Vettel kurz vor Schluss und schwarzer Tag für die «Roten» von Ferrari: Die Formel 1 hat einen furiosen Start in die Saison hingelegt.

 

Aus deutscher Sicht mit einem dramatischen Finale. Auf Podestkurs liegend kollidierte Sebastian Vettel drei Runden vor dem Ende beim Großen Preis von Australien mit dem BMW-Sauber-Piloten Robert Kubica und schied aus. «Ich bin ein Idiot, es tut mir sehr, sehr leid», gab Vettel via Teamfunk zu. «Ich kenne den Sebastian von früher und habe gedacht, der macht keine dummen Sachen - und schon war es passiert», meinte BMW-Motorsportdiektor Mario Theissen, der sogar auf einen Sieg von Kubica spekuliert hatte.

 

Nach seinem Unfall ist Vettel von den Rennkommissaren doppelt bestraft worden. Der Heppenheimer muss 50 000 Dollar Strafe zahlen, weil er mit seinem defekten Red Bull weitergefahren war. Die Stewards, die zu dem Ergebnis kamen, dass Vettel an der Karambolage Schuld hatte, entschieden zudem: In der Startaufstellung für den Grand Prix in Malaysia rückt Vettel automatisch zehn Plätze zurück.

 

Vom Unfall des 21-Jährigen im Red Bull profitierte hinter dem siegreichen Pole-Mann Jenson Button und dessen Teamkollegen Rubens Barrichello im neuen BrawnGP vor allem Hamilton. Der Vorjahressieger raste von Startrang 18 auf den vierten Platz vor. «Das war eines der härtesten Rennen meiner Karriere», meinte der englische McLaren-Mercedes-Mann, der nachträglich durch eine Zeitstrafe für Jarno Trulli auf Platz drei rutschte.

Trulli ist wegen Überholens in der Safety-Car-Phase mit einer 25-Sekunden-Zeitstrafe belegt worden und hat dadurch den dritten Platz beim Großen Preis von Australien verloren, entschieden die Rennkommissare des Internationalen Automobilverbandes FIA. Der Toyota-Pilot aus Italien hatte Lewis Hamilton unter Safety-Car-Bedingungen unerlaubterweise passiert.

Als Vierter wurde Trullis Teamkollege Timo Glock aus Wersau gewertet. Nico Rosberg verbesserte sich auf Platz sechs, Adrian Sutil auf Neun und Nick Heidfeld auf zehn. «Renault mit Fernando (Alonso) und McLaren mit Lewis sind vor mir, aber die werde ich in den kommenden Rennen schlagen - hoffe ich», kündigte Rosberg an. Gelegenheit hat er beim nächsten Rennen in Malaysia.

 

Vorne aber waren B&B im bärenstarken Brawn-Boliden, über dessen umstrittenen Diffusor allerdings am 14. April erst noch das Berufungsgericht des Weltverbands entscheiden muss, das Maß aller Dinge. «Es ist schwer zu beschreiben, es ist unglaublich», meinte Teamchef und Mitbesitzer Ross Brawn, der den Rennstall in letzter Minute nach dem Honda-Ausstieg gerettet hatte. Und zu den WM- Anwärtern machte. «Die Konkurrenten werden auch nachlegen», prophezeite Brawn aber, ehe sich der sichtbar gerührte Brite ein paar Gläser Champagner genehmigen wollte. «Man kann es ihnen gönnen», meinte Rekordweltmeister und Ferrari-Berater Michael Schumacher, den Brawn bei allen sieben WM-Titeln begleitet hatte, zum triumphalen Debüt. Wenig Erfreuliches boten Schumacher dagegen die beiden Piloten der «Roten»: Felipe Massa und Kimi Räikkönen schieden vorzeitig aus.

 

Um 17.02 Uhr Ortszeit in Melbourne erloschen die roten Ampeln: Button zog vorneweg und fuhr binnen kürzester Zeit einen Vorsprung herausfuhr, Barrichello kam indes nicht in die Gänge. Das nutzte Vettel, der Heppenheimer zog vorbei und schob sich auf Rang zwei. Zum Glück, denn dahinter wurde es durch Blockade- Barrichello vor und in der ersten Kurve eng. Er kollidierte mit Vettels Teamkollege Mark Webber, dessen Bolide wurde wiederum in den BMW-Sauber Heidfelds geschoben. Der von Rang neun gestartete Mönchengladbacher mit Titelambitionen musste nach Runde 1 schon in die Box, konnte aber weiterfahren. McLaren-Mercedes verlor indes seinen zweiten Fahrer nach der zweiten Runde: Heikki Kovalainnen stellte seinen Silberpfeil in der Box ab. Große Veränderungen brachte auch der erste Boxenstoppreigen nicht.

 

Als dann Rosbergs Teamkollege Kazuki Nakajima seinen Williams demolierte, kam es zur ersten Safety-Car-Phase der neuen Saison und alle Vorsprünge waren dahin. Nach dem Restart passierte an der Spitze des Feldes erstmal nicht viel, ehe Vettel und Kubica in dem ansonsten auch dank Boost-Button und KERS (82 PS werden für 6,6 zusätzlich freigegeben) sowie der Aerodynamik-Reform von Positionskämpfen und Überholmanövern geprägten Grand Prix auf dem Asphalt aneinandergerieten. Mit weichen Reifen sei er am Ende «nur noch rumgerutscht», meinte Vettel, der Unfall so gut wie unvermeidlich gewesen: «Ich konnte nicht mehr nach rechts ziehen.» Kubica nahm es sportlich: «Es ist schwer zu sagen, wer da Schuld ist. Er war da vielleicht ein bisschen optimistisch.»

 

Mit seinem weißen Boliden kam Button indes nach 58 Runden auf dem 5,303 Kilometer langen Kurs und einer Gesamtdistanz von 307,574 Kilometern in 1:34:15,784 Stunden ins Ziel. Zuletzt war dem einstigen Wolf-Team (Besitzer damals der Austro-Kanadier Walter Wolf) am 9. Januar 1977 in Argentinien mit Jody Scheckter (Südafrika) ein Sieg gleich bei der Rennpremiere gelungen. Für Button war es erst der zweite nach dem Erfolg am 6. August 2006 in Ungarn.


Die wichtigsten Regeländerungen in der Formel 1

 

Mit der umfassendsten Regelreform in ihrer Geschichte geht die Formel 1 in die Saison 2009. Zwei Absichten standen hinter den zahlreichen Änderungen: Zum einen soll das Überholen erleichtert und mehr Spannung auf der Strecke geboten werden. Zum anderen wollen der Automobil-Weltverband FIA und die Teamvereinigung FOTA mit einigen Maßnahmen die in den vergangenen Jahren aus dem Ruder gelaufenen Kosten wieder senken. Angesichts der Weltwirtschaftskrise bekommen diese Beschlüsse noch eine besondere Bedeutung.

Aerodynamik: Der Frontflügel wurde von 140 auf 180 Zentimeter verbreitert. Der Abstand zur Straße von 15 auf 7,5 Zentimeter verringert. Der Heckflügel schrumpfte von 100 auf 75 Zentimeter. Die Höhe wurde auf 90 Zentimeter statt bisher 80 Zentimeter festgelegt.

Motor: Die Drehzahl der Motoren wurde von 19.000 auf 18.000 Umdrehungen pro Minute beschränkt. Pro Saison darf ein Fahrer nur acht Motoren benutzen. Wer mehr braucht, wird in der Startaufstellung um zehn Plätze nach hinten versetzt. Ihm steht es offen, wann er sie einsetzt. Bisher durfte jeder Pilot nur alle zwei Rennen ein neues Aggregat im Auto haben. Die durchschnittliche Laufleistung steigert sich durch die Regel von zwei auf drei Renn-Wochenenden. Kundenteams wie Williams (Toyota), Brawn GP und Force India (Mercedes), Toro Rosso (Ferrari) und Red Bull (Renault) bekommen 20 Motoren für die Hälfte des Preises von 2008.

Getriebe:
Ein Getriebe muss vier Renn-Wochenenden halten, sonst droht eine Strafversetzung in der Startaufstellung.

Reifen: Die profillosen Slickreifen ersetzen die Rillenreifen.

KERS (Kinetic Energy Recovery System): Jedem Team steht es frei, den Hybridantrieb einzusetzen. Das Auto muss mit einem Starkstrom-Symbol versehen sein. Beim Bremsen wird Energie gespeichert. Pro Runde darf der Fahrer für 6,666 Sekunden per Knopfdruck zusätzlich 82 PS abrufen. Die Kosten für die Entwicklung lagen bei geschätzten 40 Millionen Euro.

Testfahrten:
Während der Saison sind Testfahrten verboten. Ausnahme sind acht Aerodynamik-Tests auf Flugplätzen. Vor der Saison waren 20 Testtage und maximal 15 000 Kilometer erlaubt.

Windkanal: Die Windkanäle der Teams dürfen nur noch 40 Stunden pro Woche betrieben werden.

Arbeitszeiten:
Die Fabriken werden für je zwei Wochen im August und im Dezember geschlossen.

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