DEUTSCHLAND/WELT
30.03.2009

30.03.2009 | New York (dpa)
General Motors: Der Chef des US-Autobauers Wagoner muss abtreten
Der Chef des von der Pleite bedrohten US- Autobauers General Motors, Rick Wagoner, gibt auf Drängen des Weißen Hauses sein Amt ab. Mit dem Rücktritt macht Wagoner den Weg frei für die vom Opel-Mutterkonzern geforderten weiteren Milliardenhilfen der US- Regierung.
Das berichteten US-Medien am Sonntagabend (Ortszeit) übereinstimmend unter Berufung auf Konzern- und Regierungsvertreter. «Er hat zugestimmt und wird es machen», zitierte die «Washington Post» einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter. Nachfolger soll den Berichten zufolge bis auf weiteres der bisherige Konzernvize und frühere Europa-Chef Fritz Henderson werden.
Wie das «Wall Street Journal» berichtete, wurde Wagoner bereits am Freitag von Steven Rattner, dem Chefberater des von US-Präsident Barack Obama eingesetzten Arbeitsstabes zur Rettung der Autoindustrie, um den Rücktritt gebeten. Rattner habe die Bitte in einem persönlichen Gespräch mit Wagoner im Finanzministerium vorgetragen. Anschließend sei er mit Henderson zu einem Vier-Augen- Gespräch zusammengetroffen.

Neuer Rettungsplan von Obama
Der 56-jährige Wagoner hatte im Jahr 2000 das Steuer bei General Motors (GM) übernommen. In den vergangenen vier Jahren häufte der einst weltgrößte Autobauer Verluste von insgesamt mehr als 80 Milliarden Dollar (60 Mrd Euro) an. Eine offizielle Stellungnahme des Konzerns gab es zunächst nicht.
Obama will an diesem Montag einen neuen Rettungsplan für GM und den Wettbewerber Chrysler bekanntgeben. Es gilt als sicher, dass Obama bei einer für den späten Nachmittag deutscher Zeit (1700 MESZ) anberaumten Pressekonferenz zusätzliche kurzfristige Überlebenshilfen für die Autobauer gewähren wird, allerdings mit der strikten Auflage weiterer drastischer kostensparender Schritte.
Von einem endgültigen Sanierungskonzept für GM hat die deutsche Bundesregierung auch Hilfen für die Tochter Opel abhängig gemacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht an diesem Dienstag den Autobauer in Rüsselsheim.

Auswirkungen für Opel in Deutschland
Opel will sich von GM unabhängiger machen und sucht dafür Investoren. Merkel lehnt einen Staatseinstieg bisher ab, führende SPD-Politiker haben sich dafür ausgesprochen. Das Land Rheinland-Pfalz stellte bereits eine Beteiligung in Aussicht.
GM und Chrysler haben bisher insgesamt 17,4 Milliarden Dollar an Staatskrediten erhalten. Die Opel-Mutter will zusätzliche 16,6 Milliarden Dollar, Chrysler fünf Milliarden. Ohne neues Geld droht die rasche Pleite.
Wie vorab verlautete, soll die Gnadenfrist für die Unternehmen verlängert werden, Gläubigern und der Gewerkschaft der Auto-Arbeiter nötige Zugeständnisse zur Erfüllung der Regierungsauflagen abzuringen. Eigentlich würde für beide Firmen an diesem Dienstag die vom Weißen Haus gesetzte Frist für die Vorlage von neuen Plänen zur Sanierung ablaufen. US-Medien gehen von zusätzlichen bis zu 30 Tagen Aufschub aus.

Eine Pleite von GM will die US-Regierung möglichst vermeiden, schließt aber bislang eine geordnete Insolvenz als letzten Weg auch nicht völlig aus. Das machte Obama auch am Sonntag in einem Interview des Senders CBS klar. «Wir wollen eine erfolgreiche Autoindustrie», erklärte Obama. Das sei auch möglich, aber dazu müssten die Unternehmen «schlank, hart und konkurrenzfähig» werden.
Über einen Rücktritt Wagoners war immer wieder spekuliert worden. Der Konzernchef selbst hatte entsprechende Forderungen etwa von Aktionären aber immer wieder zurückgewiesen.
Der 50-jährige Henderson galt bei vielen bereits als ausgemachter Nachfolger. Als Chief Operating Officer war er seit einem Jahr für das laufende Geschäft zuständig. Als früherer Chef der Europa-Tochter kennt er auch die Lage bei Opel bestens.

30.03.2009 | Berlin (dpa)
Reaktionen aus Deutschland: Rüttgers sieht gute Chancen für Rettung von Opel
Der nordhrein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sieht die Chancen für eine Rettung des Automobilbauers Opel steigen. Vor einer CDU-Präsidiumssitzung sprach er am Montag in
Berlin davon, dass neue Bewegung in die Bemühungen zum Erhalt des angeschlagenen Autokonzerns gekommen sei. Mit Blick auf den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag in Rüsselsheim sagte Rüttgers: «Ich glaube, dass die Kanzlerin am Dienstag sagen kann, dass eine gute Chance besteht, Opel zu retten.»
Als Gründe für seinen Optimismus nannte Rüttgers den Rücktritt des Chefs von General Motors, Rick Wagoner. Er verwies auch auf das Gespräch von Merkel mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama am vergangenen Donnerstag. Rüttgers räumte aber ein, dass es noch viel Arbeit bedürfe. Es sei nicht so, dass die Sache bereits in trockenen Tüchern sei.
Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Baden-Württemberg, Christian Wulff und Günther Oettinger (beide CDU), sprachen sich grundsätzlich für Hilfen für Opel aus. Diese müssten aber in Form von Staatsbürgschaften gewährt werden. Wulff, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, betonte, dass der Wolfsburger Autobauer kein Interesse habe, Opel zu übernehmen.
(Foto dpa Archivbild: Jürgen Rüttgers)

30.03.2009 | Rüsselsheim (dpa)
Opel-Betriebsratschef begrüßt Wechsel an GM-Spitze
Der Opel-Betriebsrat hat den Abgang von Rick Wagoner an der Spitze der von der Pleite bedrohten US-Mutter General Motors (GM) begrüßt. «Ich habe mich immer gewundert, wie lange sich jemand halten kann, der den Unternehmenswert von GM um 90 Prozent gemindert hat», sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Frankfurt. Wagoner habe Milliarden verbrannt. Seine zentralistische Politik sei gescheitert. Gleichzeitig unterstrich Franz die Hoffnung der Opelaner auf eine bessere Geschäftspolitik unter dem Wagoner-Nachfolger Fritz Henderson. «Henderson kennt Europa sehr gut, wir arbeiten in einem offen und guten Dialog miteinander.»

30.03.2009 | Berlin (dpa)
Guttenberg lässt Zeitpunkt für Opel-Hilfe offen
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) lässt den Zeitpunkt zur Entscheidung über Staatshilfe für den Autobauer Opel weiter offen. «Das kann relativ schnell der Fall sein, es kann aber auch sein, dass die Frist ausgeschöpft wird», sagte Guttenberg am Montag am Rande einer Energiekonferenz in Berlin. Die US-Regierung hatte der Opel-Mutter General Motors (GM) zunächst Milliardenhilfen verweigert und ein Ultimatum für ein Sanierungsprogramm gestellt. Diese 60 Tage werde auch die Bundesregierung nutzen, um an Lösungen für Opel zu arbeiten, sagte Guttenberg. «Wir wollen helfen, wo man helfen kann.»
Am Montagmorgen trafen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Guttenberg und mehrere Ministerpräsidenten im Kanzleramt, um über Opel zu beraten. Merkel besucht an diesem Dienstag das Opel-Werk in Rüsselsheim. Der Wirtschaftsminister sieht die Forderung nach einem Zukunftskonzept noch nicht komplett erfüllt. «Ich glaube, dass die kommenden Wochen durchaus auch noch zur Optimierung der Klärung der Kriterien genutzt werden können.» Er nannte es einen «interessanten Gesichtspunkt», dass Opel dank der Abwrackprämie laut einem Bericht nicht unmittelbar vor der Zahlungsunfähigkeit stehe. Dies schrieb die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» am Montag.




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