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  • Neuer-Wechsel perfekt

DEUTSCHLAND/WELT

 

01.06.2011 | Gelsenkirchen

Neuer zum Wechsel nach Bayern: «Ich freue mich»

 

Der FC Schalke 04 verliert seine Identifikationsfigur, Bayern München kann mit Nationaltorhüter Manuel Neuer einen neuen Angriff auf Europas Fußball-Thron starten. Nach langem Tauziehen ist der Wechsel des Keepers zum deutschen Rekordmeister zur neuen Saison perfekt.

 

«Dieser Entschluss ist uns allen im Verein schwer gefallen, denn wir verlieren in Manuel Neuer einen herausragenden Spieler», sagte Schalkes Manager Horst Heldt der Nachrichtenagentur dpa. «Aber das Angebot der Bayern war stattlich. Es war eine Abwägungssache.»

 

Wie die Münchner am Abend erklärten, erhält Neuer einen Fünfjahresvertrag bis zum 30. Juni 2016. «Ich freue mich riesig auf die große und spannende Herausforderung beim FC Bayern», wurde der 25 Jahre alte Neuer auf der Bayern-Homepage zitiert. «Viele Kollegen aus der Nationalmannschaft werden jetzt meine Mitspieler in München. Daher werde ich kein Neuland betreten und mich sicherlich schnell eingewöhnen.»

Laut Heldt war der grundsätzliche Beschluss bereits am Montag in der Aufsichtsratssitzung gefallen. «Wir haben dort das Angebot der Bayern vorgestellt. Heute haben wir im kleinen Kreis noch einmal beraten», erklärte der 41-Jährige. Eilausschuss, Vorstand und der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies segneten den Millionen-Deal schließlich ab. «Unter den gegebenen Umständen war es das beste Lösung für Schalke 04», betonte Heldt. Man habe damit auch dem Wunsch Neuers entsprochen, sich schon in diesem Sommer zu verändern. Im kommenden Jahr hätte der hoch verschuldete Club keinen Cent mehr kassiert. Heldt: «Natürlich spielte auch die Ablösesumme eine Rolle.»

 

Noch in der vergangenen Woche hatte Schalke-Chef Tönnies die Muskeln spielen lassen und angekündigt «Manuel den Bayern noch aus dem Rachen reißen» zu wollen. Doch auch eine Offerte von angeblich sieben Millionen Euro Jahresgehalt konnte Neuer nicht umstimmen. Die Schalker Fans dürfen sich zumindest damit trösten, dass ihr Idol sich dank des Pokalsiegs gegen den MSV Duisburg mit seinem ersten Titel im letzten Pflichtspiel aus der Heimat verabschiedete.

Heldt würdigte angesichts der 20-Jährigen Clubzugehörigkeit die großen Verdienste der Identifikationsfigur. «Manuel Neuer hat einen riesengroßen Anteil an den Erfolgen in den vergangenen fünf Jahren, in dieser Saison am Gewinn des DFB-Pokals und am erstmaligen Einzug des Vereins ins Halbfinale der Champions League.» Für die Knappen bestritt Neuer insgesamt 202 Pflichtspiele, darunter 156 Bundesligapartien und 26 Europapokalspiele.

 

Seine Nachfolge ist schon geregelt. Der 22 Jahre alte Ralf Fährmann kehrt nach dem Bundesliga-Abstieg von Eintracht Frankfurt ablösefrei zurück und erhält einen Vierjahresvertrag bis 2015. «Er ist ein sehr talentierter Schlussmann, dessen sportliche Entwicklung längst noch nicht abgeschlossen ist. Zudem kennt er den Verein», sagte Heldt über Fährmann, der bereits von 2003 bis 2009 bei Schalke unter Vertrag stand und drei Bundesligaspiele für den Revierclub bestritt.

 

Im Sommer 2009 wechselte er zu den Hessen (18 Bundesligaspiele), weil er an Neuer nicht vorbei kam. Nun will Fährmann seinen zweite Chance nutzen. «Ich möchte mich sportlich weiterentwickeln, um künftig wieder gute Leistungen für Schalke 04 zeigen zu können», sagte er.

Der spektakuläre Transfer von Neuer ein Jahr vor Ablauf seines Vertrags 2012 hatte sich lange angebahnt. Vor Wochen hatten sich die Clubführungen über die Transfermodalitäten geeinigt. Dem Vernehmen nach bekommt der Pokalsieger eine Ablösesumme von 18 Millionen Euro, die sich durch erfolgsabhängige Zuschläge auf bis zu 25 Millionen erhöhen kann. Damit wäre Neuer der zweitteuerste Spieler, der innerhalb der Bundesliga wechselte. 2009 hatten die Bayern Mario Gomez für 35 Millionen Euro vom VfB Stuttgart verpflichtet. Verhandlungspartner der Münchner war damals wie heute: Horst Heldt.

 

Die Bayern selbst sind froh, dass die lange Hängepartie vorüber ist. In Neuer habe der Club «nicht nur die Nummer eins der deutschen Nationalmannschaft, sondern auch einen der weltbesten Torhüter langfristig verpflichtet», sagte der Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Neuer ist ein wichtiger Baustein für einen neuen Angriff in der «Königsklasse». Schließlich findet das Champions-League-Finale 2012 in München statt.

Quelle: dpa

www.manuel-neuer.de

Neuer verlässt Schalke
Fotos
20.04.2011 | Gelsenkirchen

Trauer auf Schalke: Manuel Neuer geht mit Tränen

 

Das Gesicht ernst, die Stimme leise, den Blick gesenkt: Mit Tränen in den Augen hat Fußball-Nationaltorwart Manuel Neuer seinen Abschied vom FC Schalke 04 bekanntgegeben.

 

«Ich will weiterkommen und den nächsten großen Schritt machen. Ich will dauerhaft auf höchstem Niveau spielen. Das ist die Champions League», sagte der 25-Jährige in Gelsenkirchen. «Ich war jetzt 20 Jahre bei Schalke und habe diesem Verein alles zu verdanken.» Wann Neuer zum einzigen offiziellen Interessenten, dem FC Bayern München, wechselt, ist noch unklar. «Die Möglichkeit, dass ich früher wechsele, besteht», sagte Neuer, dessen Vertrag auf Schalke im Juni 2012 ausläuft.

 

«Es gab in den letzten Tagen Kontakt zu Karl-Heinz Rummenigge, der um ein Treffen gebeten hat», sagte Schalke-Sportdirektor Horst Heldt. «Ich habe gesagt, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht für Gespräche bereit stehen. Wir haben wichtige Spiele vor der Tür, darauf liegt der Fokus.» Dass es zu Gesprächen kommen werde, daran bestehe aber kein Zweifel. Außer der Anfrage des Rekordmeisters liegen Schalke keine offiziellen Angebote für Manuel Neuer vor.

«Wir haben in den letzten Tagen alles Menschenmögliche dafür getan, Manuel vom Gegenteil zu überzeugen. Aber es war jedem in Deutschland klar, dass Manuel vielleicht den Verein wechseln möchte. Seine Entscheidung müssen wir mit großer Trauer akzeptieren und respektieren», sagte Ralf Rangnick, der einer Vertragsverlängerung Neuers bei seinem Amtsantritt als Trainer auf Schalke vor wenigen Wochen oberste Priorität zugesprochen hatte. «Mir wäre natürlich am liebsten, dass er seinen Vertrag erfüllt und noch ein Jahr bei uns bleibt. Man muss aber auch die wirtschaftlichen Aspekte betrachten.»

 

Eine Bestätigung, dass Neuer an die Isar wechseln wird, wollte am Mittwoch keiner der Verantwortlichen in München abgeben «Dazu müssen Neuer und Schalke 04 etwas sagen, nicht der FC Bayern», sagte Bayern-Chef Rummenigge.

 

Für die Bundesliga-Konkurrenz ist der Deal derweil beschlossene Sache und auch nachvollziehbar. Felix Magath, bis Mitte März selbst Neuers Trainer auf Schalke, sagte: «Manuel Neuer wird sich diese Entscheidung reiflich überlegt haben. Ein Wechsel zum FC Bayern hat sich ja abgezeichnet. Das stärkt die Münchener in Zukunft. Es wird für alle Vereine jetzt noch schwerer werden, gegen den FC Bayern zu bestehen. Denn Neuer ist der beste Torwart der Bundesliga.» Von seiner ganzen Art her «muss er einfach beim FC Bayern spielen», betonte der Münchner Nationalspieler Miroslav Klose.

Über einen Nachfolger im Tor der «Königsblauen» hat sich Heldt noch keine Gedanken gemacht. «Wir wissen, dass wir den weltbesten Torhüter haben und der Vertrag noch bis 2012 läuft. Jetzt kümmern wir uns erst mal um die großen Ziele in dieser Saison.» Schalke steht im DFB-Pokal-Finale und im Halbfinale der Champions League.

 

Der Abschied aus Gelsenkirchen fällt Neuer nach 20 Jahren im Verein nicht leicht. «Es war kein schöner Moment, den Fans meine Entscheidung zu sagen. Ich weiß, dass sie enttäuscht und traurig sind. Als 10-Jähriger in der Kurve hätte ich die Entscheidung auch nicht verstanden. Aber ich bin jetzt Profi und habe eine andere Sicht«, sagte der sichtlich bewegte Nationalspieler.

 

Bereits am Vortag der Bekanntgabe hatte der Schalker Junge einigen Fan-Vertretern seinen Entschluss mitgeteilt. Vor der Pressekonferenz am Mittwoch postete Neuer die Neuigkeit auch auf seinem Profil beim sozialen Netzwerk «Facebook». Die Reaktionen reichten dort von Verständnis und Glückwünschen bis hin zu tiefer Verachtung und Beschimpfungen. «Ich kann nur sagen, dass ich Jens Lehmann damals auch nicht ausgepfiffen habe. Er war mein Idol», sagte Neuer.

Für Unmutsäußerungen der Fans rund um das Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am Samstag hätte Rangnick kein Verständnis. «Ich gehe davon aus, dass die Fans Manuel und die Mannschaft unterstützen werden. Einen Spieler, der 20 Jahre bei einem Verein war, gibt es in der Bundesliga vielleicht zehn Mal und in Europa nur ganz selten.»

 

Sollte die Stimmung in der Gelsenkirchener WM-Arena trotz aller Appelle Neuer gegenüber ähnlich feindselig ausfallen wie zuletzt beim Schalker Pokalauftritt in München, säße der Stachel tief. «Es ist schlimmer, wenn man von der eigenen Familie ausgepfiffen wird, als von noch Fremden», sagte Neuer. Und musste schlucken.

Quelle: dpa

www.manuel-neuer.de

www.schalke04.de

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