DEUTSCHLAND/WELT
01.04.2009

02.04.2009 | Berlin (dpa)
Regierung schlägt Grube als neuen Bahn-Chef vor
Der bisherige Daimler-Manager Rüdiger Grube soll nach dem Willen der Bundesregierung neuer Bahn-Chef werden. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) werde den 57-Jährigen dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG vorschlagen, teilte das Ministerium am Donnerstag mit.
Grube soll auch Vorstandsvorsitzender der DB Mobility Logistics werden, «um so den integrierten Konzern auch in der Leitungsstruktur fest zu verankern».
Der Personalvorschlag sei mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) abgestimmt, teilte das Tiefensee-Ministerium weiter mit. Die Berufung Grubes war bereits am Mittwochabend nach einer kleinen Kabinettsrunde in Berlin durchgesickert. Der langjährige Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte wegen der Datenaffäre in dem bundeseigenen Konzern am Montag seinen Rücktritt angekündigt.

Der 57 Jahre alte Grube ist seit 2001 Vorstandsmitglied beim Autokonzern Daimler und leitet die Sparte Konzernentwicklung. Er ist außerdem Vorsitzender des Verwaltungsrates beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Tiefensee traf sich den Angaben zufolge am Mittwoch mit Grube und informierte den Aufsichtsrat der DB AG. Anschließend sprach der Minister mit den Spitzen der Bahngewerkschaften. Der Personalausschuss des Bahn-Aufsichtsrates werde sich noch am Donnerstag mit der Personalangelegenheit befassen.
Am Rande des G20-Gipfels in London sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) dem Sender hr-iNFO: «Ich weiß von vielen Daten, die wir erhoben haben, dass er ein glänzender Manager ist. Er steht nicht im Verdacht, die Bahn zu repolitisieren. Wichtig ist, dass sich beide Parteien auf eine klare Managerpersönlichkeit geeinigt haben.»
Anfang der 90er Jahre hatten sich die Wege Grubes und Mehdorns gekreuzt. Mehdorn war von 1989 bis 1992 Vorsitzender der Airbus- Geschäftsführung, Grube sein Büroleiter. 1992 wechselten beide zum Luft- und Raumfahrtunternehmen Dasa nach München - Mehdorn als Vorstandsmitglied und Grube als Standort-Leiter in Ottobrunn.
Nach Informationen der «Financial Times Deutschland» (Donnerstag) stammte der Personalvorschlag von Vizekanzler Steinmeier. Die «Bild»- Zeitung berichtete dagegen, Bundeskanzlerin Merkel habe Grube ins Gespräch gebracht. Unklar ist, wie lange Mehdorn noch im Amt bleiben wird. Der Vorstandschef muss mit mit dem Aufsichtsrat noch einen Auflösungsvertrag aushandeln.

Rüdiger Grube - ein alter Bekannter Mehdorns
Der voraussichtliche neue Bahnchef Rüdiger Grube (57) und sein Vorgänger Hartmut Mehdorn (66) sind alte Bekannte. Sie kennen sich aus einer gemeinsamen Zeit beim Flugzeugbauer Airbus in Hamburg - Mehdorn war von 1989 bis 1992 Vorsitzender der Geschäftsführung, Grube leitete sein Büro.
Begonnen hatte Grubes Karriere beim Luft- und Raumfahrtunternehmen Messerschmidt-Bölkow-Blohm MBB. Später wurde der gebürtige Hamburger vom Dasa- und späteren Daimler-Chef Jürgen Schrempp gefördert. Folgerichtig führte ihn sein Weg einige Jahre später zu Daimler-Benz nach Stuttgart. Nach einem Intermezzo Ende der 90er Jahre in der mittelständischen Wirtschaft wechselte Grube als Chef der Konzernstrategie wieder zum Autobauer.
Grube sieht sich selbst als «hanseatischer Kaufmann» - sprich, er bevorzugt Offenheit und Klarheit und diese Haltung dürfte ihm nach Ansicht von Beobachtern auch den Job als DaimlerChrysler-Vorstand gerettet haben. Als Unternehmensstratege musste Grube Schrempps letztlich nicht geglückten Pläne von der Chrysler-Fusion bis zum Einstieg in Japan in die Praxis umsetzen. Als Schrempp 2005 das Handtuch warf, galt Grube als «Schrempp-Mann» bei nicht wenigen Experten als erster Kandidat für eine Ablösung. Doch der neue Chef Dieter Zetsche erkannte Fachkenntnis, Fleiß und Geradlinigkeit Grubes an, dessen Vertrag als Vorstand bis 2010 vorzeitig verlängert wurde.
Der Manager, der sich noch gern an die ersten Udo-Lindenberg-Auftritte in seiner Hamburger Studentenzeit erinnert, konnte sich auch nach dem Platzen der Idee der «Welt AG» bei DaimlerChrysler über Mangel an Arbeit nicht beklagen. Zusätzlich zur Strategie und Unternehmensplanung kümmert er sich um die Ankurbelung des Geschäfts in China, leitet den IT-Bereich mit 6000 Mitarbeitern und setzte Zetsches Strategie der Konzentration aufs Autogeschäft mit dem Verkauf des Dieselmotorenbauers MTU um. Auch die Trennung von Chrysler wurde im wesentlichen von Grube operativ begleitet. Als 2007 beim Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, bei dem Daimler einer der Großaktionäre ist, die Doppelspitze abgeschafft wurde, ernannte ihn der Verwaltungsrat zum alleinigen Vorsitzenden.




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