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  • G20-Gipfel in London

DEUTSCHLAND/WELT

 

02.04.2009

02.04.2009 | London (dpa)

Analyse: Merkel und Sarkozy geeint beim Gipfel

In der Vergangenheit hat der flinke Franzose immer den Antreiber in dem politischen Paar gegeben: Nicolas Sarkozy - der Mann für die große Geste.

Am Mittwochnachmittag - in einer Stunde gibt die britische Queen einen Empfang vor dem G20-Gipfel in London - ist es die Bundeskanzlerin, die zu dramatischen Worten greift. Für Angela Merkel ist das Treffen der mächtigsten Wirtschaftsnationen nicht mehr und nicht weniger als «ein entscheidender Gipfel für die Zukunft der Welt».

Es müsse gezeigt werden, dass die Staats- und Regierungschefs ihre Lektion gelernt hätten. «Was hier nicht verabredet wird, wird auch in fünf Jahren nicht verabredet werden.» Sarkozy, der von seiner Duzfreundin Angela solch große Worte nicht gewohnt ist, bleibt nur hinzufügen: «Das Ziel ist einfach - Wir fordern Ergebnisse.»

Es ist ein bemerkenswerter Auftritt der beiden in dem Nobel-Hotel nahe dem Hyde-Park. Mit solcher Vehemenz ist Merkel in ihrer Amtszeit noch nie in eine Konferenz gegangen. Das überrascht. Dass die Lage am Verhandlungstisch der Unterhändler so dramatisch ist, war eigentlich nicht zu hören gewesen. Sicher, die Briten waren wohl im Vorfeld auf dem Trip, grundlegende Reformen der Finanzmärkte zu verwässern. Das war aber von Anfang an das Hauptanliegen der Deutschen und Kontinentaleuropäer.

US-Präsident Barack Obama hatte sich zuletzt aber immer mehr auf deren Seite geschlagen. Finanzminister Peer Steinbrück, in London mit von der Partie, hatte die Briten am Mittag in Berlin schon isoliert gesehen. Zuletzt sollte die Verhandlungsmannschaft des britischen Premiers Gordon entgegenkommender gewesen sein.

Merkels Worte sind auch Worte an die Heimat. Die Arbeitslosenzahlen steigen und steigen. Die Krise kommt immer mehr bei den Menschen an. Es geht Merkel wohl auch darum zu zeigen, dass sie jene, die die Finanzkrise verursacht haben, nicht schonen mag, sondern wirklich an die Leine nehmen will. Die Leute sollen ihr nicht nachsagen können, sie sei gegenüber der Finanzwelt, die an der ganzen Misere schuld ist, nachsichtig. Ihr Gegenspieler in Berlin, SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, schon gar nicht.

Es hatte auch seine tiefere Bedeutung, dass sich die Deutsche und der Franzose so kurz vor dem Gipfel zu letzten Absprachen trafen. Merkel und Sarkozy galten lange als Paar, in dem es nicht nur knisterte, sondern auch die Fetzen flogen. Schon seit Wochen hatten sie ihrer Lebensabschnittsgemeinschaft jedoch neuen Sinn gegeben. Sie haben sich verbündet, weil sie wissen, dass sie im Konzert der Großen nur gemeinsam etwas erreichen können.

Schon in der EU gaben beide zuletzt den Ton an. Wenige Tage vor dem jüngsten EU-Gipfel Mitte März mahnten beide die europäischen Partner in einem Brief zur Einigkeit, um die «historische Chance» dieser Krise zu nutzen. In London machten sie nahtlos weiter und präsentierten nochmals ihren Forderungskatalog: Keine Verpflichtung zu neuen Konjunkturprogrammen, Regulierung der Hedge-Fonds, neue Regeln für die Managergehälter. Steueroasen wollen beide anprangern. Die Veröffentlichung von schwarzen Listen nannte Sarkozy nicht verhandelbar. Merkel nickte.

Sarkozy erzählte von vier bis fünf Texten für ein Abschlussdokument, die er in den vergangenen Tagen abgelehnt habe, weil sie zu dünn gewesen seien. «Die Zeit, wo Gipfel nutzlos waren, ist vorbei», rief der Franzose in den Raum. Er ist weiter temperamentvoll - in dem deutschen-französischen Paar war er an diesem Tag nicht mehr allein damit.


Ein Toter bei G20-Protesten in London

 

Bei Protesten vor dem Gipfeltreffen der 20 führenden Industriestaaten in London ist am Mittwochabend ein Demonstrant ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei war der Mann bewusstlos auf der Straße zusammengebrochen.

 

Der Notarzt habe lediglich den Tod des Mannes feststellen können, berichteten die Medien. Nähere Angaben lagen zunächst nicht vor. Bei Protesten gegen den G20-Gipfel war es am Abend in London erneut zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.

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