DEUTSCHLAND/WELT

06.05.2011 | Kiel
Schulschiff der Marine wieder zu Hause
Die «Gorch Fock» hat es endlich geschafft. Nach einer Südamerika-Reise voller Negativschlagzeilen ist das Schulschiff der Marine wieder zu Hause. Heute gibt es einen Riesenempfang in Kiel. Die Anzeichen, dass der Dreimaster Ausbildungsschiff bleibt, mehren sich.
Nach einer achteinhalbmonatigen Südamerika-Fahrt, die vom Unfalltod einer Kadettin und Schlagzeilen über angebliche Schikane und unwürdige Rituale an Bord überschattet wurde, macht der Dreimaster im Heimathafen Kiel fest. Es wird ein Riesenandrang erwartet: 1500 Angehörige, Freunde und Kollegen wollen kommen, 80 Journalisten haben sich akkreditiert.
Am Donnerstag ging die Bark in der Strander Bucht vor Anker, den Heimathafen fast in Sichtweite. «Die Stimmung ist ausgesprochen gut und gelöst», sagte Fregattenkapitän Achim Winkler.

An Bord war Marine-Inspekteur Axel Schimpf, der am Vortag in der dänischen Hafenstadt Frederikshavn zugestiegen war. Der Vizeadmiral sprach mit allen 181 Mitgliedern der Stammbesatzung und der Segelcrew zum Teil sehr persönlich. Offiziersanwärter sind nicht mehr dabei, nachdem ihre Ausbildung wegen des Todes der 25 Jahre alten Offiziersanwärterin abgebrochen worden war.
Der Marine-Inspekteur überbrachte Grüße von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU): «Nach über 23 000 Seemeilen und 250 Abwesenheitstagen hat die Besatzung im Verlauf der Reise seemännische Herausforderungen angenommen, auf die sie zu Recht stolz sein kann», lobte der Minister.
Eine Stellungnahme des Ministeriums zu den Vorkommnissen steht noch aus. Er wolle so zeitgerecht Stellung nehmen, «dass eine Beratung im Verteidigungsausschuss in der ersten Sitzung im Juni vorgesehen werden könnte», heißt es in einem Schreiben de Maizières an den Verteidigungsausschuss des Bundestages, das der dpa vorliegt und über das auch die «Financial Times Deutschland» berichtete.

Ermittlungen der Kieler Staatsanwaltschaft zum tödlichen Sturz der Kadettin aus der Takelage in Brasilien im November sollen noch diesen Monat abgeschlossen werden. Eine Havarieverhandlung ist am 24./25. Mai.
Eine Marine-Kommission hat in einem 98-seitigen Bericht Angaben über angebliche Schikane und Ekel-Rituale an Bord weitgehend entkräftet. Allerdings hat sich das Ministerium von dem Bericht distanziert. Es ging um Vorwürfe, die Schlagzeilen machten: Von sexueller Nötigung, überzogenem Drill, Alkoholexzessen, Führungsdefiziten, einer Karnevalsfeier kurz nach dem Tod der Kadettin oder auch von einer Wanne voller angeblich verdorbener Lebensmittel bei einer Äquatortaufe war die Rede. Die Marine zog das Fazit, die Vorwürfe hätten sich zum Großteil als nicht haltbar erwiesen oder seien überzogen dargestellt worden.
Nachdem die Zukunft der «Gorch Fock» als Ausbildungsschiff offen infrage gestellt worden war, nehmen Anzeichen zu, dass es weitergehen könnte. FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff erklärte am Donnerstag, es gebe in den Fraktionen eine Tendenz zum Erhalt der Institution «Gorch Fock». «Voraussetzung ist aber, dass alles dafür getan wird, dass das Schiff aus den Schlagzeilen kommt», sagte Hoff der «Leipziger Volkszeitung» (Freitag).

Im Verteidigungsausschuss gibt es eine klare Mehrheit zugunsten der «Gorch Fock». Zuletzt äußerte sich auch der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) positiv: Er habe sich überzeugen lassen, dass bei der Segelausbildung besondere seemännische Fähigkeiten vermittelt werden und eine Charakterformung stattfindet, die anders gar nicht oder nur schwer zu erreichen wäre. Eine Kommission soll von nächster Woche an die Ausbildung bewerten und Verbesserungen vorschlagen.
Auf dem Gelände der Marineschule in Flensburg-Mürwik soll möglichst noch in diesem Jahr eine knapp 30 Meter hohe Mastanlage gebaut werden, an der die Offiziersanwärter das Aufentern in die Takelage üben können. Der Kommandeur der Schule, Flottillenadmiral Thomas Ernst, sagte der Zeitung «Die Welt» (Freitag) außerdem, die Bark werde nicht vor 2012 wieder zu einer Ausbildungsreise ablegen.
Die «Gorch Fock» kommt unter dem Kommando von Michael Brühn zurück, nachdem der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Kapitän Norbert Schatz während der Reise abgelöst hatte. Diese Entscheidung stieß in der Marine ebenso auf Kritik wie der Abbruch der Ausbildung. Welche Aufgabe der zum Marineamt in Rostock abkommandierte Schatz künftig übernehmen wird, ist offen.
Marine zur «Gorch Fock»




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