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01.07.2011 | Paderborn

800 Menschen zum EHEC-Massentest in Paderborn

Während die EHEC-Welle weiter abflaut, ist im Kreis Paderborn der Kampf gegen den Durchfallerreger noch voll im Gange. Nach den EHEC-Erkrankungen an einer Grundschule in Altenbeken haben die Kreisbehörden einen Massentest angesetzt. In den nächsten Tagen sollen alle 800 Kunden eines Caterers auf den Erreger untersucht werden. Unterdessen stellte sich heraus, dass ägyptischer Bockshornkleesamen auch an den gesperrten Sprossen-Hof im niedersächsischen Bienenbüttel geliefert worden ist. Der Samen gilt als möglicher Auslöser für die EHEC-Ausbrüche.

Quelle: dpa
18.06.2011 | Berlin/Wiesbaden

EHEC-Keim von Mensch auf Essen übertragen

Der gefährliche EHEC-Keim ist in Hessen tatsächlich von einer Catering-Mitarbeiterin auf Lebensmittel übergesprungen und hat so 20 weitere Menschen krank gemacht.

Seit Freitag liegen die Ergebnisse von Labortests vor und bestätigten bisherige Vermutungen, wie Sozial- und Verbraucherministerium in Wiesbaden mitteilten. Wie genau der Keim auf die Lebensmittel gelangte und ob es ein Hygieneproblem in dem Betrieb gibt, werde nun untersucht, sagte der Sprecher des Kreises Kassel, Harald Kühlborn. Möglich sei, dass ein infizierter Gebrauchsgegenstand des Betriebs eine Rolle spielte, sagte Kühlborn.

Auch in einem Bach in Frankfurt wurde unterdessen der aggressive EHEC-Erreger O104:H4 nachgewiesen. Der Erlenbach liegt wenige hundert Meter entfernt von dem Hof, bei dem jüngst der EHEC-Erreger auf Salatproben entdeckt wurde, wie ein Sprecher des hessischen Umweltministeriums sagte.

Eine Verbindung des Baches zur Trinkwasserversorgung bestehe aber nicht. Zwei an das Gewässer angrenzende Höfe nutzen das Wasser jedoch für die Bewässerung von Kartoffeln, Zuckerrüben und Stärkekartoffeln. Das wurde den Höfen nun untersagt. Wie die Keime in den Bach gelangt sind, ist laut Ministerium noch unklar. Das Ergebnis der Proben soll in zwei bis drei Tagen vorliegen.

Die Mitarbeiterin des Partyservices war den Testergebnissen zufolge mit dem lebensbedrohlichen Keim infiziert, als sie Speisen für eine Feier in Niedersachsen zubereitete. Sie hatte aber noch keine Symptome. Den Erkenntnissen zufolge übertrug sie den Keim auf mehrere Lebensmittel. Später erkrankte sie an der durch EHEC verursachten Komplikation HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom). Nach der Feier erkrankten auch 20 von 65 Gästen. Bei HUS können unter anderem Nierenschäden und neurologische Störungen auftreten.

Der wegen EHEC-Sprossen gesperrte Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel bleibt geschlossen. «Bevor wir ihn wieder freigeben, müssen alle Proben ausgewertet werden», sagte ein Sprecher des Agrarministeriums in Hannover. Dies werde «mindestens einige Tage bis einige Wochen» dauern. Noch ist unklar, wie der lebensbedrohliche Erreger auf die Sprossen des Biohofs gelangt ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät weiter vom Verzehr roher Sprossen ab, ebenso von selbstgezogenen rohen Sprossen und Keimlingen.

Dass der Erreger ausgerechnet auf einem Bio-Bauernhof gefunden wurde, bedeutet nach Ansicht von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) keinen Rückschlag für die Bio-Landwirtschaft. «Aber es war schon immer klar: Bio-Lebensmittel sind nicht per se gesünder oder sicherer», sagte Aigner der «Berliner Zeitung» (Freitag).

Bundesweit gehe die Zahl der Neuinfektionen seit geraumer Zeit zurück, sagte eine Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI). Seit dem Ausbruch des aggressiven Darmkeims sind in Deutschland mindestens 38 Menschen gestorben, mehr als zwei Drittel davon in den nördlichen Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen. Laut RKI sind seit Anfang Mai bundesweit bisher 2610 EHEC-Fälle bekannt und 798 mit dem schweren HUS-Verlauf.

Russland erhob am Freitag schwere Vorwürfe: Die deutschen Behörden seien gescheitert beim Versuch, «die Quelle des hochansteckenden E.coli in der menschlichen Nahrungskette nachzuweisen». Das teilte die staatliche Veterinäraufsicht nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau mit. Wegen des gefährlichen Darmkeims EHEC hatte Russland Anfang Juni ein Importverbot für Gemüse aus allen 27 EU-Staaten beschlossen. Die Veterinäraufsicht zeigte sich «ernsthaft besorgt» und will deutsche Tierärzte zu Gesprächen über die Gründe für die Seuche nach Moskau bitten. Ein möglicher Termin für die Gespräche seien der 27. und 28. Juni in Moskau, hieß es.

Quelle: dpa
14.06.2011 | Hannover

Zweijähriger Junge stirbt an EHEC-Folgen

Zum ersten ersten Mal ist in Deutschland ein Kind an dem gefährlichen Darmkeim EHEC gestorben.

Ein zweijähriger Junge aus dem niedersächsischen Celle sei am Dienstag an den Folgen des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) gestorben, sagte ein Sprecher des Landkreises der Nachrichtenagentur dpa. Bislang war das jüngste vom Robert Koch-Institut (RKI) registrierte Opfer in Deutschland 20 Jahre alt. Damit steigt die Zahl der Toten in Niedersachsen auf zwölf - bundesweit wurden bis Pfingstmontag 36 Tote gemeldet.

Wie der Celler Amtsarzt Carsten Bauer der «Celleschen Zeitung» bestätigte, starb das Kleinkind am frühen Morgen infolge von Nierenversagen und einer Auflösung von roten Blutkörperchen. In der Familie seien zudem der zehnjährige Bruder und der Vater an EHEC erkrankt. Diese sind inzwischen aber nach Angaben des Amtsarztes bereits wieder auf dem Weg der Besserung. Wie sich die Familie angesteckt hat, war zunächst noch unklar.

Quelle: dpa
13.06.2011 | Berlin/Bienenbüttel

EHEC: Rohe Sprossen tabu auf deutschen Tellern

 

In Deutschland sollten derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden - auch keine selbst gezogenen. Diesen Schluss ziehen die Behörden aus der Suche nach der Infektionsquelle für die EHEC-Erkrankungen. Sprossen von dem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel sind inzwischen zweifelsfrei als EHEC-Träger identifiziert.

Nicht geklärt ist jedoch, ob Mitarbeiter den Keim eingeschleppt haben oder er durch Saatgut oder andere Quellen in den Betrieb gelangte. Auch die Infektionswege der Mitarbeiter sind unklar.

Bis zum Pfingstmontag starben 36 Menschen an den Folgen der EHEC-Erkrankung, darunter ein Mensch in Schweden. Zuletzt meldete Hamburg den Tod einer älteren Frau.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) sagte am Montag, es seien inzwischen drei Sprossen-Arten auf dem Biohof eingegrenzt worden. Demnach haben fünf erkrankte oder positiv getestete Mitarbeiterinnen des Betriebes bevorzugt Sprossen von Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn gegessen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vermutet, dass das Saatgut für Sprossen mit dem EHEC-Keim belastet sein könnte. Daher warnt die Behörde auch vor selbst gezogenen rohen Sprossen und Keimlingen. Auf deren Spur brachte die Fahnder eine erkrankte Familie in Niedersachsen. Bei diesem Fall konnte der Erreger zunächst aber nicht in den Samen nachgewiesen werden.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) nimmt die Zahl der EHEC-Neuerkrankungen ab. Seit einigen Tagen werden «auf deutlich niedrigerem Niveau» Fälle übermittelt, teilte die Behörde mit. Ob der Rückgang auf ein verändertes Essverhalten oder auf ein Versiegen der Infektionsquelle zurückzuführen ist, konnte das RKI nicht sagen.

Bis zum Pfingstsonntag registrierte das Institut insgesamt 3228 Erkrankungen. Davon litten 781 Menschen unter der besonders schweren Verlaufsform HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom. 69 Prozent davon seien Frauen. Bei HUS können Nierenversagen und neurologische Schäden auftreten.

«Die Situation scheint unter Kontrolle zu sein», sagte EU-Verbraucherkommissar John Dalli am Montag beim einem Treffen auf Malta. «Das heißt nicht, dass wir in den nächsten Wochen keine neuen Fälle registrieren werden, da es eine Inkubationszeit gibt.»

Das BfR hatte am Samstag bestätigt, dass der EHEC-Erreger an den Sprossen des Biohofs aus Niedersachsen exakt vom selben Typ ist wie die Bakterien, an denen die Menschen in Deutschland starben. Am Wochenende war zudem bei zwei weiteren Mitarbeiterinnen des Sprossenerzeugers der aggressive Darmkeim nachgewiesen worden. «Damit können wir einen weiteren wichtigen Teil einer Indizienkette vorlegen», sagte Özkan. Bereits im Mai waren drei Mitarbeiterinnen des Betriebes mit EHEC-Symptomen erkrankt.

Bis zum Pfingstsonntag registrierte das Institut insgesamt 3228 Erkrankungen. Davon litten 781 Menschen unter der besonders schweren Verlaufsform HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom. 69 Prozent davon seien Frauen. Bei HUS können Nierenversagen und neurologische Schäden auftreten.

«Die Situation scheint unter Kontrolle zu sein», sagte EU-Verbraucherkommissar John Dalli am Montag beim einem Treffen auf Malta. «Das heißt nicht, dass wir in den nächsten Wochen keine neuen Fälle registrieren werden, da es eine Inkubationszeit gibt.»

Das BfR hatte am Samstag bestätigt, dass der EHEC-Erreger an den Sprossen des Biohofs aus Niedersachsen exakt vom selben Typ ist wie die Bakterien, an denen die Menschen in Deutschland starben. Am Wochenende war zudem bei zwei weiteren Mitarbeiterinnen des Sprossenerzeugers der aggressive Darmkeim nachgewiesen worden. «Damit können wir einen weiteren wichtigen Teil einer Indizienkette vorlegen», sagte Özkan. Bereits im Mai waren drei Mitarbeiterinnen des Betriebes mit EHEC-Symptomen erkrankt.

Quelle: dpa
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