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DEUTSCHLAND/WELT

 

05.04.2009

05.04.2009 | Tokio/Seoul (dpa)

Nordkorea versucht Raketenstart - Scharfer Protest

 

Allen internationalen Protesten zum Trotz hat Nordkorea wie angekündigt am Sonntag eine Rakete mit größerer Reichweite gestartet und damit scharfe Kritik weltweit ausgelöst. US-Präsident Barack Obama sprach von einem «provokativem Akt».

Entgegen ersten Behauptungen aus Pjöngjang scheiterte das kommunistische Regime jedoch offenbar mit dem Versuch, einen Satelliten ins Weltall zu bringen. Unabhängig davon verstößt der Raketenstart nach Auffassung der USA und seiner Bündnispartner gegen UN-Resolutionen. Während auch Südkorea, Japan und die EU den Raketenabschuss scharf verurteilten, mahnten Russland und China alle Parteien zur Zurückhaltung. «Wir hoffen, dass alle Beteiligten ruhig bleiben und Zurückhaltung üben», sagte am Sonntag die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Jiang Yu.

Der Weltsicherheitsrat wollte noch am Sonntagnachmittag (Ortszeit) in New York zusammenkommen, berichtete der US-Sender CNN. Japan hatte wegen des Raketenstarts den Weltsicherheitsrat unverzüglich zu einer Dringlichkeitssitzung aufgefordert. Nordkorea hatte zuvor mit dem sofortigen Ausstieg aus den Verhandlungen über ein Ende seines Atomwaffenprogramms gedroht, sollte der Weltsicherheitsrat den erneuten Raketenstart kritisieren. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Nordkorea auf, sich an alle Resolutionen des Rates zu halten.

Das kommunistische Regime hatte vor mehr als drei Wochen angekündigt, einen «experimentellen Fernmeldesatelliten» in den Weltraum zu schießen. Aus der Sicht der USA sowie Südkoreas und Japans wollte Nordkorea jedoch unter dem Deckmantel eines Satellitenstarts die Technologie für eine militärische Langstreckenrakete erproben.

Es sei nach dem Raketenstart kein Objekt in die Erdumlaufbahn eingetreten, teilte die nördliche Kommandostelle der US-Streitkräfte auf ihrer Internetseite mit. Die erste Stufe der Taepodong-2-Rakete sei ins japanische Meer und die restlichen Stufen mit der Traglast in den Pazifik gestürzt. Nordkoreas Staatsagentur KCNA indes berichtete, eine um 11.20 Uhr Ortszeit - nach US-Angaben 11.30 Uhr (04.30 Uhr MESZ) - gestartete Rakete vom Typ Unha-2 habe den Satelliten erfolgreich ins Orbit gebracht, wo er derzeit neben Messdaten Melodien revolutionärer Lieder über Ex-Staatschef Kim Il Sung und seinen Sohn und jetzigen Machthaber Kim Jong Il zur Erde sende.

Nach Expertenangaben ähnelt der Raketentyp Unha-2 der militärischen Langstreckenrakete Taepodong-2, die theoretisch US- Gebiet erreichen könnte. Nach einer Reihe von Raketentests im Juli 2006 und dann noch einmal nach einem Atomtest im selben Jahr in Nordkorea hatte der Weltsicherheitsrat das Regime in Pjöngjang in zwei Resolutionen aufgerufen, sein ballistisches Raketenprogramm einzustellen.

Großbritanniens Premier Gordon Brown kritisierte den erneuten Raketenstart vom Sonntag als «absolut inakzeptabel». Es handele sich um einen Bruch internationaler Verpflichtungen, sagte Brown. Zuvor hatte schon der britische Außenminister David Miliband von einem Akt «feindseliger Politik» gesprochen. In einer Erklärung des Weißen Hauses heißt es: «Mit diesem provokativen Akt hat Nordkorea seine internationalen Verpflichtungen missachtet und unmissverständliche Aufrufe zur Zurückhaltung ignoriert und sich weiter von der Gemeinschaft der Völker isoliert».

Diese Aktion schaffe zusätzliche Belastungen für die Stabilität in der Region, hieß es auch in einer von der tschechischen EU- Präsidentschaft veröffentlichten EU-Erklärung in Prag. Japans Außenminister Hirofumi Nakasone einigte sich mit seiner US-Kollegin Hillary Clinton, dass der UN-Sicherheitsrat eine starke Botschaft abgeben müsse, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete.

Der Sonderbeauftragte der USA für die Nordkorea-Politik, Stephen Bosworth, hatte allerdings am Freitag in Washington noch betont, dass die USA die Tür zum Dialog mit Pjöngjang offenhalten wollten. Sobald sich «der Wirbel um die Rakete etwas gelegt hat», müssten die Sechs- Parteien-Gespräche über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms fortgesetzt werden. Diese Gespräche unter Teilnahme Nord- und Südkoreas, der USA, Chinas, Russlands und Japans hätten «langfristig Priorität».

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