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DEUTSCHLAND/WELT

 

06.04.2009

Erdbeben in Italien
Fotos
07.04.2009 | Rom (dpa)

Zahl der Erdbebenopfer steigt auf 207

 

Verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit: Nach dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien suchen mehr als 5000 Helfer im verwüsteten L'Aquila und der Umgebung nach Überlebenden der Naturkatastrophe. Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben vom Montag stieg auf 207.

15 Menschen würden nach dem Beben der Stärke 5,8 bis 6,2 noch vermisst, sagte Regierungschef Silvio Berlusconi am Dienstag. Die Sucharbeiten sollten noch 48 Stunden fortgesetzt werden, «bis zur Gewissheit, niemanden mehr lebend bergen zu können».

Angesichts der Gefahr neuer Beben warnte Berlusconi die Bewohner evakuierter Stadtteile vor einer Rückkehr. Die bergige Gegend in den Abruzzen erschwert die Arbeit der Bagger und Kräne. Zahlreiche Nachbeben, darunter ein kräftiges der Stärke 4,3 kurz vor Mittag, lösten immer wieder Panik in der Bevölkerung aus und verursachten neue Schäden.

Berlusconi reiste am zweiten Tag hintereinander in die Abruzzen- Hauptstadt, um einen raschen Wiederaufbau zuzusagen. Italien könne das Notwendige allein leisten, sagte er und lehnte die Hilfe anderer Staaten dankend ab.

Erdbeben in Italien
Fotos

Die meisten der 17 000 Obdachlosen sind in Zelten untergebracht oder bereits in Unterkünfte an der nahen Adria-Küste gefahren worden. Erste Satellitenbilder zeigen das ganze Ausmaß der Verwüstung in dem 100 Kilometer nordöstlich von Rom gelegenen L'Aquila. Seit dem Erdstoß am Montag wurden mehr als 280 Nachbeben bis zur Stärke von 4,8 gezählt. Das starke Beben am Montag war das folgenschwerste in Italien seit 1980.

In die Diskussion über eine offensichtlich nicht erdbebensichere Bauweise in Mittelitalien hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf eingeschaltet. Das Beben vom Montag habe das Hospital San Salvatore in L'Aquila zu 90 Prozent zerstört, unterstrich eine WHO-Sprecherin die Notwendigkeit katastrophensicherer Krankenhäuser. Auch in Italien kritisierten Fachleute von neuem die unzureichende Bauqualität, zumal auch zahlreiche jüngere Gebäude eingestürzt seien.

Auch am Tag nach dem Erdstoß hatten die Helfer manchmal Glücksmomente. So bargen sie knapp 24 Stunden nach dem Beben in der Nacht in L'Aquila eine 24-jährige Studentin lebend aus den Trümmern ihres Hauses. In dem Ort Onna vor den Toren von L'Aquila stieg die Zahl der Opfer stark an, 39 der etwa 250 Einwohner kamen ums Leben.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat der italienischen Regierung am Dienstag sein «tief empfundenes Mitgefühl» ausgedrückt. Er sprach von bedrückenden Stunden für das italienische Volk und wünschte den etwa 1000 Verletzten baldige Genesung. Auch die britische Königin Elizabeth II. kondolierte.

Die Deutsche Task Force Erdbeben ist mit Geräten zur Messung von Nachbeben im Gepäck in das Krisengebiet gereist. Die drei Mitarbeiter des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) in Potsdam wollen mit hochgenauen Lokalisierungen von Nachbeben ein detailgenaues Bild der Erdkruste im Bereich der Bruchzone liefern.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Hilfsorganisation humedica haben zu Spenden für die Opfer aufgerufen. «Kompliment an die italienischen Kollegen. Sie haben Experten aus dem ganzen Land zusammengezogen und die Lage wirklich im Griff», sagte Markus Köhler von der Hilfsorganisation humedica der Deutschen Presse-Agentur dpa in einem Telefongespräch. Köhler ist mit zwei Ärzten vom Deutschen Institut für Katastrophenmedizin nach Italien gereist. Seit Dienstagvormittag sind sie in der am stärksten betroffenen Stadt L'Aquila.

Nachdem die nationale Hilfe aus allen Landesteilen am Vortag rasch angelaufen war, hat Innenminister Roberto Maroni am Dienstag 130 Millionen Euro für den Einsatz von Polizei und Feuerwehr in den Abruzzen in den nächsten sechs Monaten angekündigt. Mehr Mittel werde der nächste Ministerrat freigeben, sagte er: «Für diesen nationalen Notstand werden wir alle benötigten Gelder auftreiben.» Mehr als 10 000 Betten seien für die Obdachlosen an der Küste verfügbar. 200 Beamte werden in L'Aquila und Umgebung eingesetzt, um Plünderungen zu verhindern. «Das Kontingent verstärken wir heute noch», sagte er.

 

 

Sie können den Opfern helfen:

http://www.drk.de/tops_2009/0406_italien_beben/bericht.html

 


Erdbebenstärken

 

Die Stärke von Erbeben wird mit einer Ziffer angegeben. Dabei kennzeichnet der Wert, die Magnitude, die Stärke der Bodenbewegung. Jeder Punkt bedeutet etwa eine Verzehnfachung der Bebenstärke. Ein Erdbeben der Magnitude 5,0 ist also zehn Mal so stark wie eines der Magnitude 4,0. Es gelten folgende Kriterien:

- Stärke 1-2: nur durch Instrumente nachweisbar
- Stärke 3: nur selten nahe dem Epizentrum zu spüren
- Stärke 4-5: 30 Kilometer um das Zentrum spürbar, leichte

  Schäden
- Stärke 6: mittelschweres Beben, Tote und schwere

  Schäden in dicht besiedelten Regionen
- Stärke 7: starkes Beben, das zu Katastrophen führen kann
- Stärke 8: Groß-Beben

Weltweit ereignen sich jährlich etwa 50 000 Beben der Stärke drei bis vier, 800 der Stärke fünf oder sechs und durchschnittlich ein Groß-Beben. Das stärkste auf der Erde gemessene Beben hatte eine Magnitude von 9,5 und ereignete sich 1960 in Chile.


Hintergrund: Die Stadt L''Aquila

 

Die mittelitalienische Stadt L'Aquila liegt umgeben von einem Gebirgskranz aus bis zu 2912 Meter hohen Gipfeln im Tal des Aterno. Das Industrie- und Verwaltungszentrum mit rund 70 000 Einwohnern ist die Hauptstadt der Region Abruzzen.

Der Ort wurde im 13. Jahrhundert vom Stauferkaiser Friedrich II. gegründet. Touristen schätzen besonders den historischen Stadtkern mit Palazzi, Springbrunnen und Kirchen.

Dazu zählen Santa Maria di Collemaggio aus dem 13. und die monumentale Basilika des heiligen Bernhardin von Siena aus dem 15. Jahrhundert. L'Aquila erlitt in der vergangenen Jahren schwere Schäden durch mehrere Erbbeben.

 

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