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DEUTSCHLAND/WELT

 

19.06.2011 | Wien

Bundesanwaltschaft: «Kein Anhaltspunkt» für Anschlag

Die Wiener Staatsanwaltschaft prüft noch, doch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ist bereits sicher: Nach der Festnahme eines zum Islam konvertierten Österreichers gibt es keine ernsthaften Hinweise auf einen geplanten Terrorangriff auf den Berliner Reichstag. Die Bundesanwaltschaft wies damit einen Verdacht der österreichischen Strafverfolger zurück. Nach einem Bericht der «Kronenzeitung» soll der zum Islam konvertierte Österreicher seit Monaten am Flugsimulator für ein Attentat nach dem Vorbild der Anschläge vom 11. September trainiert haben.

Quelle: dpa
18.06.2011 | Wien/Berlin

Österreicher soll Anschlag auf den Reichstag geplant haben.

Ein in Wien verhafteter 25-Jähriger steht im Verdacht, einen Anschlag auf den Berliner Reichstag geplant zu haben. Die Wiener Staatsanwaltschaft bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht der «Kronenzeitung».

Danach soll der zum Islam konvertierte Österreicher seit Monaten am Simulator dafür trainiert haben, einen voll besetzten Passagierjet in den Reichstag zu steuern.

Bisher habe sich dieser Verdacht jedoch noch nicht bestätigt, betonte die Chefin der Anklagebehörde, Marie-Louise Nittel, im ORF-Radiosender Ö1. Noch zurückhaltender äußerte sich die deutsche Bundesanwaltschaft. «Wir haben keine Anhaltspunkte auf die konkrete Vorbereitung eines Anschlags in Deutschland», sagte ein Sprecher der Karlsruher Behörde «Tagesspiegel Online». Das österreichische Innenministerium wollte die in dem Bericht geschilderten Anschlagspläne am Samstag auf dpa-Anfrage nicht kommentieren.

Zur Person des Festgenommenen sagte Ministeriumssprecher Rudolf Gollia, dieser stehe in Verbindung mit weiteren Verdächtigen, die ebenso wie der 25-Jährige der terroristischen Vereinigung «Deutsche Taliban Mudschahedin» (DTM) zugerechnet würden: Einem 26-jährigen Berliner Islamisten, der am 31. Mai in Wien festgenommen wurde, sowie einem 21-jährigen Österreicher, der am 16. Mai in Berlin gefasst wurde.

Der 26-jährige Berliner Deutsch-Türke hat laut «Berliner Morgenpost» 2009 in Propagandavideos mit Anschlägen in deutschen Großstädten gedroht. Der 21-Jährige soll nach Angaben der Bundesanwaltschaft Unterstützer für die DTM gesucht haben.

Der per Haftbefehl gesuchte 25-Jährige war bereits am Mittwoch in der österreichischen Hauptstadt festgenommen worden. Der zum Islam konvertierte Österreicher habe seit Monaten am Simulator dafür trainiert, einen voll besetzten Passagierjet in den Reichstag zu steuern, berichtete das Boulevardblatt «Kronenzeitung» (Samstag). Schaltzentrale der Aktion soll seine Altbau-Mietwohnung im Wiener Stadtteil Fünfhaus gewesen sein.

Zeitgleich mit dem 25-Jährigen waren am Mittwoch zwei Männer und eine Frau am Wiener Flughafen Schwechat gestoppt worden. Sie wollten nach Angaben der Behörden nach Pakistan reisen, um dort an einem Terrorausbildungscamp teilzunehmen. Der 25-jährige Hauptverdächtige soll das organisiert haben. Während die Reisegruppe inzwischen wieder freigelassen wurde, befindet sich der Hauptverdächtige weiter in Haft. Er wird der «finanziellen und persönlichen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland» verdächtigt.

Der mit einem deutschen Haftbefehl gesuchte 26-jährige Berliner Islamist war bereits am 31. Mai in Wien festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe und das Innenministerium in Wien bestätigten am Samstag einen entsprechenden Bericht der «Berliner Morgenpost». Gegen den 26-Jährigen werde wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der «Deutschen Taliban Mudschahedin» ermittelt, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Zu Einzelheiten wollte sich die Karlsruher Behörde nicht äußern, da das Auslieferungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.

Nach Informationen der «Berliner Morgenpost» (Samstag) trat der Deutsch-Türke Yusuf O. in mehreren Propagandavideos als vermummter Gotteskrieger auf. Im September 2009 habe er konkret mit Anschlägen in deutschen Großstädten gedroht, sollte die Bundeswehr den Afghanistan-Einsatz nicht beenden. Zuvor - im Frühjahr 2009 - sei er nach Pakistan gereist, wo er sich im Grenzgebiet zu Afghanistan der Terrorgruppe DTM angeschlossen habe, heißt es in dem Bericht. Das wollten weder das Innenministerium in Wien noch die Bundesanwaltschaft kommentieren.

Bereits im Mai hatte der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen den 21-jährigen Österreicher Maqsood L. erlassen, der ebenfalls der DTM zugerechnet wird. Er soll versucht haben, Mitstreiter für den militanten Dschihad zu gewinnen.

Die «Deutschen Taliban Mudschahedin» wollen in Afghanistan eine religiös-fundamentalistische Gesellschaftsordnung errichten. Sie verüben laut Bundesanwaltschaft Anschläge auf afghanische und pakistanische Regierungstruppen und auch auf Mitglieder der internationalen NATO-Schutztruppe ISAF. Wegen der Beteiligung der Bundeswehr an dem Militäreinsatz der Nato ist auch Deutschland ins Visier der Gruppe geraten.

Quelle: dpa

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