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DEUTSCHLAND/WELT

 

06.04.2009

07.04.2009 | Lübeck/Istanbul (dpa)

Giftschnaps-Tod: Drei Festnahmen in der Türkei

Im Fall der tödlichen Methanolvergiftung dreier Lübecker Schüler hat es in der Türkei eine dritte Festnahme gegeben. Das berichtete der Lübecker Anwalt der Eltern eines der Schüler, Frank-Eckard Brand, am Dienstag unter Berufung auf eine türkische Anwältin.

Bei dem Festgenommenen soll es sich um den Getränkelieferanten des Hotels in Kemer handeln, in dem die Schüler nach Aussagen von Mitschülern den tödlichen Schnaps gekauft hatten. Bereits am Montag waren zwei leitende Hotel-Angestellte festgenommen worden, nachdem dort in mehreren Alkoholproben hohe Methanolwerte gefunden worden waren.

Nach dem Getränkelieferanten war in der Türkei mit Haftbefehl gesucht worden, nachdem er zu einer Vernehmung nicht erschienen war und auch an seinem Wohnort nicht angetroffen wurde. Für Mittwoch wurde nach Angaben Brands eine Pressekonferenz der zuständigen türkischen Staatsanwaltschaft erwartet. Bisher hatten sich die Ermittlungsbehörden in der Türkei mit Informationen zurückgehalten und darauf verwiesen, dass nicht öffentlich ermittelt werde.

Drei Schüler eines privaten Lübecker Bildungszentrums im Alter von 21, 19 und 18 Jahren waren gestorben, nachdem sie auf einer Klassenreise in Kemer giftigen Alkohol in der Annahme getrunken hatten, es sei Wodka. Den Schnaps hatten sie nach Aussagen von Mitschülern für eine private Party in ihrem Hotel Anatolia Beach gekauft. Der 21-Jährige starb kurz darauf an einer Methanolvergiftung. Seine 19 und 18 Jahre alten Klassenkameraden lagen zwölf Tage lang im Koma. Am Wochenende stellten die Ärzte in der Lübecker Uniklinik schließlich ihren Hirntod fest.

Ihre Obduktion hat nach Angaben der Lübecker Staatsanwaltschaft bislang noch keine endgültige Todesursache ergeben. «Wir gehen davon aus, dass die beiden ebenfalls an einer Methanolvergiftung gestorben sind. Doch letzte Klarheit müssen die weiteren gerichtsmedizinischen Untersuchungen bringen», sagte Pressesprecher Klaus Dieter Schultz.

Vier weitere Mitglieder der Schülergruppe, die ebenfalls von dem giftigen Alkohol getrunken hatten, konnten das Krankenhaus nach einigen Tagen wieder verlassen. Einer der Jugendlichen berichtete am Dienstag in der «Bild»-Zeitung, die Ärzte im Krankenhaus hätten anhand der Symptome - Übelkeit, Schläfrigkeit, Sehstörungen - offenbar sofort auf eine Methanolvergiftung geschlossen. «Ich bekam einen Schlauch in die Nase, dann pumpten sie einen halben Liter Raki in mich rein», sagte der 18-Jährige. Der normale Alkohol führe dazu, dass das Methanol vom Körper einfach ausgeschieden werde, ohne dass giftige Abbauprodukte entstehen, zitierte «Bild» den Hamburger Gerichtsmediziner Klaus Püschel.

Am Bildungszentrum Mortzfeld in Lübeck, in dem die Schüler sich auf ihren Realschulabschluss vorbereiteten, wollte man die Ermittlungsergebnisse in der Türkei nicht kommentieren. Rechtsanwalt Brand dagegen sagte: «Ich habe erwartet, dass sich in der Türkei etwas tut. Schließlich ist eine schnelle Aufklärung des Falls im Interesse des Landes, um einen Imageschaden zu vermeiden.»

Um Schadensbegrenzung ist auch der türkische Hotelier-Verband (AKTOB) bemüht. Dessen Vorsitzender Sururi Corabatir bedauerte den Tod der drei jungen Deutschen und forderte die Behörden seines Landes zu stärkeren Kontrollen gegen schwarzgebrannten Alkohol auf. «Niemand hat das Recht, wegen ein paar Cent mit der Gesundheit der Menschen zu spielen», sagte Corabatir der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Die türkische Tourismusbranche dürfe nicht an dem Ast sägen, auf dem sie sitze.


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