DEUTSCHLAND/WELT
06.04.2009

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist zu einem überraschenden Besuch nach Afghanistan geflogen. Als erstes sprach sie in Kundus im Norden des Landes mit Soldaten der Bundeswehr. Unmittelbar nach ihrer Abreise wurde das Feldlager mit Raketen beschossen.
Die beiden Raketen schlugen außerhalb des Lagers ein. Es gab weder Verletzte noch Sachschäden. In Begleitung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung war Merkel am Morgen unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in Kundus im Norden des Landes gelandet. Dort sind 700 deutsche Soldaten stationiert. Es ist der zweite Besuch der Kanzlerin in dem Land nach 2007.
Merkel wolle mit der zweitägigen Reise die Leistungen der Soldaten würdigen, sich aber auch ein Bild von den Bemühungen um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Afghanen machen, hieß es. Die Tour war aus Sicherheitsgründen bis zuletzt streng geheim gehalten worden. Vor einem Jahr waren drei Bundeswehrsoldaten in Kundus getötet worden. Am Sonntag war auf eine Patrouille außerhalb des Lagers ein Sprengstoffanschlag verübt worden, bei dem aber niemand verletzt wurde. Danach gab es auch zwei Angriffe auf deutsche Soldaten, bei dem aber niemand verletzt wurde.

«Es gibt Hoffnung», sagte sie nach dem Besuch des Feldlagers. Die Sicherheitslage müsse aber weiter verbessert werden. Dabei komme dem Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte große Bedeutung zu. Sie würdigte die Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und den Nichtregierungsorganisationen, die sich in der Region Kundus im Norden Afghanistans um den Wiederaufbau des Landes bemühten. Sie erinnerte daran, dass die Soldaten auch in dieser Gegend des umkämpften Landes eine gefährliche Mission zu erledigen hätten.
In Kundus erhielt Merkel zunächst einen Vortrag über die Sicherheitslage und ließ sich auch von Vertretern von Nichtregierungsorganisationen über die Bemühungen Deutschlands zur Verbesserung der Lebensverhältnisse in der Stadt und Umgebung berichten. Anschließend besuchte Merkel den Ehrenhain, wo an acht deutsche getötete Soldaten erinnert wird, die bei ihrem Einsatz in Kundus ums Leben gekommen waren.
Der Besuch erfolgte nur kurz nach dem NATO-Gipfel in Deutschland und Frankreich, auf dem am Samstag das Bündnis seine Strategie für Afghanistan neu ausgerichtet hatte. Das Bündnis bekennt sich nach der Kurskorrektur der neuen US-Regierung von Präsident Barack Obama stärker als bisher zum Wiederaufbau des Landes neben der Bekämpfung der Taliban.

Die Bundesregierung hatte die neue Strategie begrüßt, weil sie dem Ansatz entspricht, den Deutschland in seinem Einsatzgebiet im Norden des Landes versucht umzusetzen. In Kundus ist auch ein Wiederaufbauteam beheimatet, das sich um den zivilen Aufbau rund um die Provinzhauptstadt kümmert. Die Kanzlerin wollte im Laufe des Tages in das Bundeswehr-Hauptquartier in Masar-i-Scharif weiterfliegen.
Obama hatte auch eine Aufstockung der US-Streitkräfte um 21 000 Soldaten angekündigt, um die Taliban zu besiegen. Auch Deutschland wird die Zahl seiner Soldaten in den nächsten Monaten von jetzt 3800 auf 4400 erhöhen, was allerdings wegen der afghanischen Präsidentenwahl schon vorher beschlossen worden war.
Anders als bei ihrem ersten Aufenthalt wird die Kanzlerin diesmal nicht den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Kabul treffen. Die Kanzlerin hatte aber in den vergangenen Tagen mit Karsai telefoniert. Karsai ist im Westen längst nicht unumstritten, weil er nach Meinung Vieler nicht genug gegen die Korruption unternimmt. Falls Karsai die Wahl im Sommer gewinnen sollte, werde die Bundesregierung dies auf alle Fälle akzeptieren und mit ihm weiter zusammenarbeiten, hieß es aus der Delegation.
Merkel war erst am Sonntagnachmittag vom eintägigen EU-USA-Gipfel aus Prag nach Berlin zurückgekehrt. Rund fünf Stunden später startete sie dann wieder Richtung Afghanistan. Neben dem NATO-Gipfel hatte sie in der vergangenen Woche auch das Treffen der G20-Treffen zur Weltfinanzkrise in London besucht.




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