DEUTSCHLAND/WELT

13.07.2011 | London/Dublin/Frankfurt
Neuer Schlag in Schuldenkrise: Irland auf «Ramschniveau»
Neue Hiobsbotschaft in der europäischen Schuldenkrise. Nach Griechenland und Portugal hat die mächtige Ratingagentur Moody's nun auch Irland auf «Ramschniveau» herabgestuft.
Damit zweifelt Moody's die Kreditwürdigkeit des Landes an - und warnt Investoren vor den Gefahren eines Investments. Für das hoch verschuldete Irland wird es damit erheblich schwieriger und teurer, an frisches Geld zu gelangen. Die Nachricht versetzte den ohnehin verunsicherten Finanzmärkten einen erneuten Schlag.

Ungeachtet der sich zuspitzenden Lage steht die Bundesregierung einem Sondergipfel zur europäischen Schuldenkrise aber weiter zurückhalten gegenüber. Finanzministeriums-Sprecher Martin Kotthaus sagte am Mittwoch in Berlin, die Euro-Finanzminister hätten am Vortag die nötigen Maßnahmen für ein neues Griechenlandpaket auf den Weg gebracht. Allerdings sei es aus «psychologischen Gründen» manchmal nötig, dies nochmals durch einen Gipfel der Staats- und Regierungschefs bestätigen zu lassen. Entsprechend hatte sich zuvor Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) geäußert.
Die stellvertretende Regierungssprecherin Sabine Heimbach sagte, letztendlich liege die Entscheidung über einen Sondergipfel beim Präsidenten des Europäischen Rates. Angesichts der drohenden Ausbreitung der Schuldenkrise auf große Länder wie Italien oder Spanien ist nach Angaben von Diplomaten in Brüssel für diesen Freitag (15.7.) ein Krisentreffen geplant.

In der Diskussion um Auswege kommen kritische Töne von Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Die von der Bundesregierung betriebene Beteiligung von Banken und Versicherungen an den Kosten der Rettung klammer Staaten wie Griechenland hält er für problematisch. In einem Interview der Wochenzeitung «Die Zeit» sprach sich Weidmann auch dagegen aus, die Zinsen auf die Rettungskredite zu senken oder den europäischen Rettungsfonds zu erlauben, Staatsanleihen der Krisenländer zu kaufen wie es Brüssel plant. «Das hätte hohe Kosten, einen geringen Nutzen und gefährliche Nebenwirkungen zur Folge.»
Irland reagierte mit Unverständnis auf die Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kritisierte die Entscheidung als «unverständlich». Die irische Regierung habe entschlossen gehandelt, die mit den internationalen Partnern vereinbarten Spar- und Reformmaßnahmen umzusetzen. «Jetzt ist Irland auf dem richtigen Weg.» Auch die Bundesregierung habe «großes Vertrauen» in das Reformprogramm der irischen Regierung, sagte Heimbach. Dessen Umsetzung mache gute Fortschritte.

Das von den Folgen einer schweren Bankenkrise erschütterte Irland hängt - wie Griechenland und Portugal - am Finanztropf der Euro-Partner und des IWF. Es bekam im vergangenen Jahr ein Hilfsprogramm von 85 Milliarden Euro.
Die Bewertung Irlands wurde um eine Note von Baa3 auf Ba1 gesenkt, der Ausblick bleibt «negativ». Das bedeutet, dass weitere Abstufungen drohen. Denn Moody's fürchtet, dass Irland seine Schuldenprobleme nicht aus eigener Kraft in den Griff bekommt. Es werde zunehmend wahrscheinlicher, dass Irland nach dem Auslaufen der derzeitigen Hilfsprogramme von Europäischer Union und dem Internationalen Weltwährungsfonds Ende 2013 vor einer Rückkehr an den privaten Kapitalmarkt neue Unterstützung benötige, lautete das Urteil.




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