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DEUTSCHLAND/WELT

 

15.07.2011 | Frankfurt/Main

Deutsche Banken bestehen Stresstest - Sonderfall Helaba

Deutschlands Banken sind für Krisenzeiten gerüstet. Den jüngsten europäischen Stresstest besteht die Branche. Doch der Eklat um die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) macht deutlich: Für Banken und Aufseher hat der Stress mit den Stresstests noch kein Ende.

Die deutschen Banken haben den jüngsten europäischen Stresstest bestanden. Das teilten die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin am Freitagabend in Frankfurt mit. Einziger Sonderfall unter den ursprünglich 13 deutschen Kandidaten: Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Im Schnitt kamen die deutschen Teilnehmer im härtesten Krisenszenario - Einbruch von Wirtschaft und Aktienmärkten, höhere Zinsen für frisches Geld - auf eine harte Kernkapitalquote von 7,5 Prozent. Die europäische Bankenaufsicht EBA hatte mindestens 5,0 Prozent gefordert. Am besten schnitt die Landesbank Berlin mit 10,4 Prozent ab. Den schlechtesten Wert erzielte die HSH Nordbank mit 5,5 Prozent. Auch die NordLB bestand mit 5,6 Prozent nur knapp.

Der Branchenprimus Deutsche Bank kam auf 6,5 Prozent. Der Dax-Konzern würde nach Berechnungen der Aufseher selbst in den für das Jahr 2012 unterstellten Krisenszenarien noch einen Milliardengewinn erzielen. Dagegen würde die vom Staat gestützte Commerzbank ins Minus rutschen.

Die Daten der Helaba veröffentlichte die Aufsicht nicht, weil es kurz vor der Veröffentlichung zum Streit zwischen der EBA und dem Institut gekommen war. Die Helaba hätte nach der Definition der Londoner Behörde einen zu dünnen Puffer für Krisenzeiten und wäre damit der einzige deutsche Durchfaller bei dem Test gewesen.

Der Grund: Die EBA wollte überraschend Stille Einlagen bei der Helaba doch nicht als hartes Kernkapital anerkennen, obwohl die Helaba-Eigentümer versichert hatten, dass dieses Geld für Krisenzeiten zur Verfügung steht.

Die Helaba protestierte gegen die kurzfristige Änderung der Vorgaben und veröffentlichte ihre Daten kurzerhand selbst. Bereits am Mittwoch erklärte das Frankfurter Institut, es verfüge auch im schärfsten Szenario des Tests über ausreichend Kapital: Die harte Kernkapitalquote liege im Krisenszenario Ende 2012 mit 6,8 Prozent klar über dem geforderten Mindestwert von 5,0 Prozent. Nach den verschärften EBA-Kriterien würde die Helaba nur einen Wert von 3,9 Prozent erreichen.

Das Negativszenario für die 90 Banken aus 21 europäischen Ländern ging von einer Rezession und der Verschärfung der Schuldenkrise aus: Die Wirtschaft im Euro-Raum schrumpft, Aktien brechen um 15 Prozent ein, die Immobilienmärkte liegen darnieder und die Banken müssen mehr Zinsen zahlen, um sich frisches Geld zu leihen.

Hartes Kernkapital ist ein Puffer für Krisenzeiten. Dazu zählen nach den neuen Eigenkapitalregeln («Basel III»), die der Stresstest vorwegnahm, Aktien und Gewinnrücklagen. Stille Einlagen müssen bei etwaigen Verlusten voll herangezogen werden, um als hartes Kapital anerkannt zu werden. Darum entschlossen sich die Eigentümer mehrerer Landesbanken, Stille Einlagen entsprechend umzuwandeln. Auch das Land Hessen gab für die 1,92 Milliarden Euro im Fall der Helaba dazu eine verpflichtende Erklärung gegenüber der Aufsicht ab.

Beim zweiten großen Bankenstresstest nach 2010 nahmen die Aufseher in Deutschland außer den Genannten folgende Institute unter die Lupe: Hypo Real Estate (HRE), die genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ und WGZ, den Sparkassen-Fondsdienstleister Dekabank sowie die Landesbanken BayernLB, LBBW und WestLB.

Quelle: dpa

Mitteilung Helaba 13.7.11... »
Bankenaufsicht EBA zu Stresstests I... »
Bankenaufsicht EBA zu Stresstests II... »

15.07.2011 | London

Liste der durchgefallenen Banken

Acht Banken haben den Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht nicht bestanden. Im Einzelnen:

- ATE Bank, Griechenland
- Eurobank EFG, Griechenland
- Caixa D'Estalvis Unio des Caixes de Manlleu, Sabadell I Terrassa, Spanien
- Goupo Caja3, Spanien
- Banco Pastor, Spanien
- Caja Mediterranéo, Spanien
- Caixa d'Estalvis de Catalunya, Spanien
- Österreichische Volksbanken (ÖVAG), Österreich

Quelle: dpa
15.07.2011 | Frankfurt/Main

Hintergrund: Die 13 deutschen Banken im Stresstest 2011

Beim europäischen Banken-Stresstest nahmen die Aufseher 13 deutsche Institute unter die Lupe - eines weniger als beim vorangegangenen Test im vergangenen Jahr. Da die Postbank inzwischen zum Deutsche-Bank-Konzern gehört, zählt das Bonner Institut in diesem Jahr nicht zu den Kandidaten. Die deutschen Testkandidaten in alphabetischer Reihenfolge im Überblick:

BAYERNLB: Die zweitgrößte der verbliebenen Landesbanken hat nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten die Kurve gekriegt. Doch noch ist offen, welche Auflagen die EU der mit Steuermilliarden geretteten Bank für die Beihilfen noch machen wird - und welche Folgen die für das Geschäftsmodell haben werden. Für BayernLB und Freistaat ist das vermutlich der größere Stresstest in diesem Jahr. Die Kernkapitalquote lag Ende März bei auskömmlichen 11,7 Prozent.

COMMERZBANK:
Dem zweitgrößten deutschen Geldhaus macht bis heute die Übernahme der Dresdner Bank im August 2008 zu schaffen. In der Krise mit Milliarden vom Staat gestützt, will die Commerzbank bis Mitte Juni den Großteil der noch 16,2 Milliarden Euro Stille Einlage des Staates zurückzahlen. Am Ende der Transaktionen rechnet die Bank mit einer international komfortablen Kernkapitalquote von 9,7 Prozent. Ende des ersten Quartals lag der Wert bei 12,7 Prozent.

DEKABANK: Der inzwischen zu 100 Prozent den Sparkassen gehörende Fondsdienstleister hat durch eine Neuausrichtung in den vergangenen Jahren erheblich Kapital freigeschaufelt. Auch das Geschäft läuft bestens: Nach einem Rekordjahr 2010 stieg das wirtschaftliche Ergebnis im ersten Quartal weiter: Die Kernkennzahl, die Erträge minus Aufwendungen misst, lag Ende März bei rund 234 Millionen Euro - gut 18 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Kernkapitalquote inklusive Marktrisikopositionen liegt aktuell bei 12,9 Prozent.

DEUTSCHE BANK: Die deutsche Nummer eins sammelte im vergangenen Herbst bei einer Kapitalerhöhung mühelos 10,2 Milliarden Euro ein, stemmte damit die Postbankübernahme und rüstete sich zugleich für schärfere Kapitalanforderungen. Mit einer harten Kernkapitalquote von 9,6 Prozent Ende März gilt der Dax-Konzern als gut finanziert, inklusive Hybridkapital - eine Mischform aus Fremd- und Eigenkapital - lag die Quote bei 13,4 Prozent. Die Deutsche Bank geht selbst fest davon aus, die für 2019 vorgesehenen härteren Kapitalregeln («Basel III») bereits 2013 zu erfüllen.

DZ BANK: Das Zentralinstitut für knapp 950 der gut 1150 Genossenschaftsbanken in Deutschland fand 2010 endgültig zurück zu alter Stärke: Am Ende stand ein Milliardengewinn in den Büchern, auch der Start 2011 verlief gut. Die DZ Bank werde «nach derzeitigem Kenntnisstand den aktuellen Stresstest bestehen» versicherte Vorstandschef Wolfgang Kirsch den Eigentümern Anfang Mai während der Hauptversammlung. Aktuelle Kernkapitalquote 11,4 Prozent bzw. 8,5 Prozent ohne hybride Bestandteile (Stand Ende März 2011).

HELABA: Die Landesbank Hessen-Thüringen galt als Wackelkandidatin, obwohl sie ohne Schrammen und ohne staatliche Hilfe durch die Finanzkrise gekommen war. Knackpunkt: die Stillen Einlagen unter anderem des Landes Hessen. Die Zweifel der Bankenaufsicht EBA, dass diese Milliarden im Krisenfall herangezogen würden, versuchten die Eigentümer dadurch zu zerstreuen, dass sie eine Umwandlung dieser Kapitalpositionen beschloss. Erst kurzfristig wurde klar: Das reicht der EBA nicht, die Helaba würde nach den Kriterien der Londoner Behörde bei dem Test durchfallen. Die Bank versichert, sie liege auch im härtesten Stressszenario mit 6,8 Prozent Kernkapitalquote klar über dem von der EBA geforderten Mindestwert von 5,0 Prozent.

HSH NORDBANK: Die mit Steuermilliarden gestützte Landesbank der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein blickt nach Turbulenzen nach vorn. Vorstandschef Jens Nonnenmacher hatte die Bank Ende März verlassen, weil er das Vertrauen der Haupteigentümer verloren hatte. Der neue Chef, der Investmentbanker Paul Lerbinger, will das Profil der Bank schärfen. Im ersten Quartal betrug die Kernkapitalquote 17,2 Prozent. «Die Bank verfügt somit über eine solide Kapitalbasis», sagt ein HSH-Sprecher.

HYPO REAL ESTATE (HRE): Befreit von Milliardenlasten aus der unrühmlichen Vergangenheit macht der verstaatlichte Immobilienfinanzierer inzwischen wieder Gewinne. Die Auslagerung von Risikopapieren in der horrenden Größenordnung von rund 173 Milliarden Euro machte die Bank kleiner - und trieb die Kernkapitalquote der HRE auf erstaunlich komfortable 39,6 Prozent zum Ende des ersten Quartals 2011. Das Hybridkapital herausgerechnet dürfte die harte Kernkapitalquote des HRE-Konzerns noch immer bei knapp 31 Prozent liegen und damit weit über der erforderlichen Marke der Stresstester.

LANDESBANK BADEN-WÜRTTEMBERG (LBBW): Die größte deutsche Landesbank will nach drei verlustreichen Jahren mit einem radikalen Konzernumbau 2011 wieder schwarze Zahlen schreiben. Wichtiger Teil der von der EU-Kommission verordneten Schrumpfkur: Der Abbau des riskanten Kreditersatzgeschäfts. Die Kernkapitalquote verbesserte sich zum 31. März auf 11,7 Prozent. «Wir sind überzeugt, dass wir die nötige Kapitalkraft haben, um den Anforderungen auch des neuen Stresstests gerecht zu werden», so Vorstandschef Hans-Jörg Vetter Ende April.

LANDESBANK BERLIN: Unter dem früheren Namen Bankgesellschaft Berlin ein Sanierungsfall, schnitt die LBB bei der ersten Runde des Stresstests unter den deutschen Instituten am besten ab. Im ersten Quartal 2011 ging der Gewinn bei dem sparkasseneigenen Konzern zurück, wie schon im Gesamtjahr 2010. In diesem Jahr soll das Vorsteuerergebnis über dem Vorjahreswert von 317 Millionen Euro liegen. Vorstandschef Johannes Evers sieht sein Haus als Dienstleister aller deutschen Sparkassen, will die LBB zu einer «Verbundbank» entwickeln. Kapitalquote per 31. März: 10,15 Prozent.

NORDLB: Die Norddeutsche Landesbank ist ohne Staatshilfe durch die Finanzkrise gekommen. Weil ein Scheitern beim Stresstest unbedingt verhindert werden soll, musste sie jedoch ihr Kapital aufstocken. Ende Mai machte der Landtag in Hannover den Weg frei für einen 600-Millionen-Euro-Kredit. Zuvor waren bereits Stille Einlagen von 1,1 Milliarden Euro in hartes Kernkapital umgewandelt worden. Die Eigenkapitalquote der NordLB lag zum Ende des ersten Quartals bei 11,8 Prozent. Die Kernkapitalquote betrug 9,7 Prozent.

WESTLB: Das vor einem radikalen Umbau stehende Düsseldorfer Institut erwartet keine Probleme bei der Überprüfung der Krisentauglichkeit der europäischen Banken. Darauf hatte der Bankvorstand bei der Bilanzvorlage im März hingewiesen. Die WestLB verfügt über eine Kernkapitalquote von 11,4 Prozent und Eigenmittel von 15,9 Prozent.

WGZ-Bank: Die genossenschaftliche Zentralbank der Volks- und Raiffeisenbanken im Rheinland und in Westfalen hatte 2010 ihre Reserven und Rücklagen weiter gestärkt und sieht sich für die verschärften Kapitalauflagen («Basel III») gut vorbereitet. Ende 2010 lag die Kernkapitalquote bei 10,3 Prozent. Das Kernkapital besteht dabei ausschließlich aus hartem Kernkapital.

Quelle: dpa

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