DEUTSCHLAND/WELT


15.08.2011 | Nairobi
Deutschland stockt Hilfe für Hungernde auf
Deutschland stockt seine Hilfe für die Dürreregionen im Osten Afrikas um bis zu 118 Millionen auf. Das teilte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) am Montag in Nairobi nach einem Treffen mit Kenias Staatspräsident Mwai Kibaki mit. Gut 56 Millionen Euro sollen als Soforthilfe für die Hungernden eingesetzt werden. Bis zu 62 Millionen sind für die mittel- und langfristige Wiederherstellung der Lebensgrundlagen in der Region eingeplant. Berücksichtigt werden sollen Äthiopien, Dschibuti, Jemen, Kenia, Somalia und Uganda.
Niebel hält sich derzeit in Kenia auf, um sich einen eigenen Eindruck von der Lage am Horn von Afrika zu machen. Er betonte, dass der Großteil der zusätzlichen Mittel in Projekte mit längerfristigen Perspektiven fließe. «Wir wollen schnell helfen, um die Menschen vor dem Hungertod zu bewahren. Wir wollen aber auch durch stärkere Entwicklung ländlicher Räume dazu beitragen, dass derartige Katastrophen in Zukunft nicht mehr oder wenigstens weniger hart eintreten.»

Die Summe direkter Hilfen Deutschlands für die von der Hungerkatastrophe betroffenen zwölf Millionen Menschen in den ostafrikanischen Staaten erhöht sich mit der Aufstockung nun auf bis zu 151,5 Millionen Euro. Denn zuvor stellte die Bundesregierung schon 33,5 Millionen Euro an Direkthilfe zur Verfügung. 32 Millionen Euro flossen zudem als deutsche EU-Mittel, umgerechnet rund 30 Millionen Euro beträgt der deutsche Beitrag an den Hilfen der Weltbank.
Der Bundesregierung war wiederholt vorgeworfen worden, zu wenig für die Hungernden zu geben und zu langsam auf die Katastrophe zu reagieren. Allerdings ist es aufgrund der instabilen Verhältnisse insbesondere in Somalia sehr schwierig, die Hilfe direkt zu den hungernden Menschen zu bringen. Die zusätzliche Soforthilfe soll vor allem in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm umgesetzt werden. Die mittel- und langfristige Hilfe soll unter anderem über die bundeseigene Gesellschaft für Internationale Entwicklung (GIZ) sowie die Privatorganisation Deutsche Welthungerhilfe laufen.

Die Welthungerhilfe begrüßte Niebels Ankündigung. «Wir finden insbesondere positiv, dass mehr als die Hälfte der Mittel für Vorsorge und langfristige Programme zur Verfügung gestellt werden», sagt Präsidentin Bärbel Dieckmann. «Wir müssen jetzt schon an die Dürre von morgen denken.»
Unter der Dürre in Ostafrika leiden besonders die Somalis, weil in ihrem Land zudem seit rund 20 Jahren funktionierende politische Strukturen weitestgehend fehlen. Zur Zeit sind etwa 800 000 Somalis auf der Flucht. Die größten Flüchtlingslager mit 480 000 Menschen sind in der Umgebung der kenianischen Ortschaft Dadaab. Die größte Belastung durch die Flüchtlinge aus Somalia haben die Kenianer. Niebel will an diesem Dienstag die Lager besuchen.
Zur Bewältigung der innerstaatlichen Konflikte in Somalia prüft das Entwicklungsministerium Möglichkeiten zur zusätzlichen Unterstützung der Afrikanischen Union (AU). Der AU komme in Somalia eine zentrale Rolle zu, machte Niebel deutlich.
Quelle: dpa

05.08.2011 | Addis Abeba/Nairobi
Unicef stockt Hilfe für hungernde Kinder in Somalia auf
Das Kinderhilfswerk Unicef stockt seine Hilfen für hungernde somalische Kinder in den kenianischen Flüchtlingscamps weiter auf. Fast die Hälfte aller Kinder sei beim Eintreffen in den Dadaab-Lagern unterernährt, teilte die Organisation mit.
«Berichte von Kindern, die auf dem Weg oder kurz nach Erreichen der Camps sterben, sind beunruhigend häufig», hieß es. Die lebensrettenden Maßnahmen umfassten unter anderem Lebensmittel, medizinische Versorgung, Wasser und Sanitäreinrichtungen. Etwa 80 Prozent der 1300 Somalier, die täglich im Durchschnitt die Lager erreichten, seien Frauen und Kinder.

Unicef arbeitet auch mit Partnern vor Ort zusammen, um im Grenzort Liboi Ernährungszentren zur Erstversorgung einzurichten. «Viele somalische Familien, die in Liboi die Grenze nach Kenia überqueren, wissen nicht, dass sie weitere 100 Kilometer laufen müssen, um die Dadaab-Camps zu erreichen», sagte Olivia Yambi von Unicef. Der Gesundheitszustand vieler Kinder sei dabei so prekär, dass sie Soforthilfe brauchten: «Sie können nicht warten, bis sie in Dadaab behandelt werden.»
Mittlerweile leben über 400 000 Menschen im größten Flüchtlingscamp der Welt. Zahlenmäßig seien die Lager damit die drittgrößte Stadt Kenias.
Am schlimmsten bleibt die Situation aber nach wie vor in Somalia selbst. Der arabische Sender Al Dschasira zitierte US-Regierungsbeauftragte, wonach allein in den vergangenen 90 Tagen 29 000 Kinder in dem Bürgerkriegsland verhungert sind. Kurz zuvor hatten die Vereinten Nationen in drei weiteren somalischen Regionen offiziell eine Hungersnot ausgerufen. Damit wurden mittlerweile fünf Regionen zu Hungerzonen erklärt.
Quelle: dpa

27.07.2011 | Addis Abeba/Nairobi
Luftbrücke nach Somalia gestartet
Hoffnung aus der Luft für die Hungernden am Horn von Afrika: Nach langem Gezerre mit dem kenianischen Zoll ist am Mittwoch ein erstes Flugzeug der Vereinten Nationen mit zehn Tonnen Hilfsgütern Richtung der somalischen Hauptstadt Mogadischu gestartet.
Die Maschine des Welternährungsprogramms (WFP) hob mit Nahrungsmitteln speziell für unterernährte Kinder ab. Die zehn Tonnen reichten aus, rund 3500 Kinder einen Monat lang zu ernähren, sagte WFP-Sprecherin Susannah Nicol der Nachrichtenagentur dpa.
Weitere Flüge sollen in den nächsten Tagen folgen und insgesamt 100 Tonnen Kindernahrung in das Krisengebiet bringen.

Die Vereinten Nationen hatten sich zu der Luftbrücke entschlossen, weil wegen der instabilen Zustände in dem Bürgerkriegsland Lieferungen auf dem Landweg sehr schwierig sind.
Viele Menschen waren in den vergangenen Wochen aus dem besonders hart von der Dürre getroffenen Süden in die Hauptstadt Mogadischu geflüchtet. «Eine Luftbrücke ist der schnellste Weg, Lebensmittel ins Land zu bringen», sagte Nicol. Die Hilfsgüter sollen in ein Warenhaus gebracht und vor Ort von humanitären Organisationen verteilt werden.
Ursprünglich war der Start der Luftbrücke bereits für Dienstag geplant. Jedoch hatte der kenianische Zoll am Flughafen von Nairobi wegen bürokratischer Probleme blockiert. «Eltern müssen ihren Kindern beim Sterben zusehen. Wir müssen endlich alles tun und schnell handeln, damit diese armen Familien mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Medikamenten versorgt werden», mahnte UNESCO-Sonderbotschafterin Ute-Henriette Ohoven.

Die Organisation «Ärzte ohne Grenzen» rügte unterdessen die kenianische Regierung für ihren Umgang mit somalischen Flüchtlingen, die in ein schlechter ausgestattetes Lager umgesiedelt werden. Die Aktion des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) und der kenianischen Regierung laufe ohne Absprache mit den Flüchtlingen und den Organisationen vor Ort ab, beklagte die Hilfsorganisation in Berlin.
Seit Montag werden demnach etwa 200 Familien am Tag in ein Erweiterungslager gebracht, wo es nur wenige Wasser- und Sanitäreinrichtungen und eine spärliche Grundversorgung gebe. Es sei zu befürchten, dass das Lager insgesamt 60 000 Flüchtlinge aufnehmen solle. Es sei aber nur für 40 000 ausgelegt.
Obwohl jetzt Wasser mit Lastwagen in das neue Lager gebracht und schnell Latrinen gegraben würden, erfülle das Lager nicht die humanitären Mindeststandards. Darüber hinaus verfüge das Lager über kein Krankenhaus.

Das Flüchtlingskomitee wies die Vorwürfe zurück und erklärte auf Nachfrage der dpa, es seien sowohl Wasser als auch Gesundheitsversorgung in dem Lager gewährleistet. Schuld an Verzögerungen habe wiederum die kenianische Regierung, die den Bau des Camps zeitweise gestoppt habe, erklärte Fatoumata Lejeune-Kaba von UNHCR.
Die Versorgung der somalischen Flüchtlinge in den Zentren in Kenia gestaltet sich nach Darstellung der Deutschen Welthungerhilfe (DW) aber sehr schwierig. Neuankömmlinge in den Lagern rund um das Dorf Dadaab bekämen am Tag nur eine Packung Kekse, solange sie nicht offiziell registriert seien, sagte der Regionalkoordinator der Organisation in Nairobi, Johann van der Kamp, der dpa. «Das kann leider Wochen dauern. Das ist eine sehr besorgniserweckende Situation.»

Die Organisation treffe mit Partnern vor Ort Vorbereitungen, um den Neuankömmlingen ein Grundausstattungspaket übergeben zu können, darunter Decken, Kanister und Seife. Durch die Flüchtlinge aus Somalia verschärfe sich die Lage in Kenia selbst, machte van der Kamp deutlich. «Das Problem ist nicht nur Dadaab und Somalia, sondern ganz Kenia braucht Unterstützung.» So fehle angesichts der verheerenden Dürre Saatgut. Das bedeute, dass sich die Hilfe für das Land voraussichtlich mindestens über zwölf Monate erstrecken müsse. Das Deutsche Rote Kreuz weitet derweil seine Hilfe für den Norden Kenias aus. Rund 200 000 Schulkinder in mehr als 300 Schulen werden nach Angaben der Hilfsorganisation ab sofort mit einer regelmäßigen Mahlzeit für den gesamten Verlauf der Dürrekatastrophe versorgt. Zudem wird Bauern das geschwächte Vieh abgekauft, um eine weitere Flüchtlingswelle abzuwenden.
Deutschland hat bisher 30 Millionen Euro Soforthilfe für den gebeutelten Osten Afrikas zugesagt. Ein Großteil der Mittel fließe über das Welternährungsprogramm, ein kleinerer Teil über deutsche Hilfsorganisationen. Zudem sei Deutschland an den 160 Millionen Euro EU-Soforthilfe mit rund 20 Prozent beteiligt, sagte ein Sprecher des Entwicklungsministeriums. Diese Gelder für Not- oder Soforthilfe würden zusätzlich zu den Mitteln gewährt, die zur langfristigen Entwicklungshilfe für die Staaten in dieser Region zur Verfügung gestellt werden.
Quelle: dpa
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