SPORT

24.11.2011 | Frankfurt/Main
Pokalausschluss für Dresden - Warnung vor Toten
Dynamo Dresden muss für die Ausschreitungen seiner Fans in Dortmund bitter büßen und wird für die komplette Pokalrunde 2012/2013 ausgeschlossen. Dieses im deutschen Fußball einmalige Urteil fällte das DFB-Sportgericht in Frankfurt/Main.
«Fußball ist zur Zeit eine der größten Bühnen unserer Gesellschaft. Auf dieser Bühne suchen viele einen Platz oder eine Nische, das gilt auch für gewaltbereite Menschen.
Nie war die Gewalt in unseren Fußballstadien größer als in diesem Jahr», erklärte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz nach der über fünfstündigen Verhandlung.

Der Zweitligist wehrte sich vergeblich gegen die Strafforderung des Kontrollausschusses. In der Dauerdiskussion um die Sicherheit im Fußball setzte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) damit ein deutliches Zeichen. «Tote gab es noch nie in unseren Stadien. Wenn es so weiter geht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es Tote gibt», warnte Lorenz. Gastgeber Borussia Dortmund wurde wegen der Vorfälle zu einer Geldstrafe von 8000 Euro verurteilt.
Dresden prüft eine Berufung gegen das Urteil. Das kündigte der Sportliche Leiter des Fußball-Zweitligisten, Steffen Menze, an. Binnen einer Woche müssen die Dresdner über einen Antrag beim DFB-Bundesgericht entschieden haben. «Das Urteil ist für Dynamo Dresden als Verein eine Katastrophe. Ich finde es absolut nicht akzeptabel, dass ein Exempel an uns statuiert wird», schimpfte Dynamo-Spitzenfunktionär Menze.

DFB-Chefankläger Anton Nachreiner hatte erneut dafür plädiert, die Pokalsperre für Dresden aufrecht zu erhalten, «das wäre am leichtesten zu organisieren». Alternativ hatte er zwei Geisterspiele im eigenen Stadion für Dynamo vorgeschlagen. Für Dresdens Anwalt Christoph Schickhardt ist der Ausschluss aus dem Cup-Wettbewerb über die ganze Saison «nicht nur finanziell enorm empfindlich, sondern auch emotional». Er bat das Gericht und den DFB: «Wir sind auf einem guten Weg und bitten um Begleitung auf diesem guten Weg.» Doch das Gericht ließ sich nicht zu einem milderen Urteil erweichen.
Bei der Zweitrundenpartie am 25. Oktober bei Borussia Dortmund (0:2) hatten Dynamo-Anhänger Böller und Raketen gezündet und damit mehrfach einen Spielabbruch provoziert. Zweimal musste die Begegnung unterbrochen werden, auch im Umfeld der Partie war es zu massiven Ausschreitungen gekommen. Im Signal Iduna Park hatte es 17 Verletzte, 15 Festnahmen und einen Sachschaden in Höhe von 150 000 Euro gegeben.
Quelle: dpa






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