SPORT
10.05.2009

09.05.2009 | Berlin (dpa)
Berlins "Eiserne" stürmen in Liga zwei
Die Spieler feierten mit Sektduschen und stemmten 5-Liter-Gläser mit Bier, die Fans stürmten den Rasen und der Präsident hatte Tränen in den Augen. Der 1. FC Union Berlin hat am Samstag den dritten Matchball genutzt und vier Spieltage vor Saison-Abschluss den Sprung in die 2. Bundesliga geschafft. Nach dem 2:0 (0:0) gegen Jahn Regensburg verfügen die «Eisernen» nun bei drei noch ausstehenden Spielen über 13 Punkte Vorsprung und sind von der Konkurrenz nicht mehr einzuholen. Auch der vom DFB gestiftete Pokal für den ersten Drittliga-Meister ist den Berlinern nach den Toren von Maccambes Younga-Mouhani (60.) und Karim Benyamina (72.) nicht mehr zu nehmen.

«Das Team ist so geil, von der Putzfrau bis zu unserem Oldie Marco Gebhardt», meinte ein ergriffener Präsident Dirk Zingler. «Diesen Erfolg haben wir uns hart erarbeitet», fügte er hinzu und würdigte die Arbeit von Trainer Uwe Neuhaus, der die Köpenicker 2007 übernahm und den Verein nun zum zweiten Mal nach 2001 wieder in die 2. Liga führte. Vor zwei Wochen hatte die SpVgg Unterhaching mit einem 1:0-Auswärtssieg die lange Berliner Erfolgsserie von 18 Spielen ohne Niederlage gestoppt, so dass die geplante Aufstiegs-Sause zuvor zweimal aufgeschoben werden musste.
In den ungeliebten Jahn-Sportpark hatten die Berliner in dieser Saison ausweichen müssen, weil die kultige Heimstätte «Alte Försterei» unter tatkräftiger Mithilfe der Fans komplett saniert und überdacht wird. Insgesamt 1600 Fans beteiligten sich bisher an den Bauarbeiten an der «schönsten Baustelle der Welt», wie sie selber sagen und leistete unentgeldlich 75 000 Arbeitsstunden. Kein Wunder, dass die große Aufstiegsfeier am Samstag nicht im Jahn-Sportpark stattfand, sondern am Abend an der Traditions- stätte in Köpenick verlegt wurde. Als der Aufstieg feststand, streiften alle Unioner unter dem Jubel der 9500 Zuschauer die roten Trikots mit der Aufschrift «Auswärts-Aufsteiger» über.

Die größten Erfolge feierte der am 20. Januar 1966 gegründete Verein 2001, als neben dem Zweitliga-Aufstieg unter Trainer Georgi Wassilew auch der Einzug in das DFB-Pokal-Finale gegen Schalke 04 (0:2) gelang. Zu DDR-Zeiten war der 1. FC Union bekannt als «Fahrstuhlmannschaft», die stets zwischen Oberliga und DDR-Liga pendelte. Der Pokalsieg 1968 über den favorisierten FC Cal Zeiss Jena (2:1) gilt als Sternstunde der Geschichte des Vereins, der zu DDR-Zeiten immer im Schatten des Rivalen, des zehnmaligen Meisters BFC Dynamo stand, deshalb aber von den Fans umso mehr geliebt wurde. Auch heute sind die Kultfans ein größte «Pfund» des 1. FC Union.

Doch war die Entwicklung der Berliner auch nach der politischen Wende nicht immer geradlinig. 1993 stand der Club unter Trainer Frank Pagelsdorf bereits vor dem Einzug in Liga zwei, durfte aber nicht aufsteigen, weil die Verantwortlichen eine Bankbürgschaft gefälscht hatten. Danach wurde dem Club noch einmal die Zweitliga-Lizenz verweigert und 1997 stabnd er gänzlich vor dem Konkurs, doch eine «Rettet Union»-Demonstration von 3000 Fans durch das Berliner Stadtzentrum und der Einstieg von Medien-Unternehmer Michael Kölmel retteten den Verein. Ähnlich verzwickt war die Lage nach dem Zweitliga-Abstieg 2004, als rund 1,5 Millionen Euro für die Lizenz-Erteilung fehlten. In der legendäre «Bluten-für-Union-Kampagne» brachten die Anhänger das Geld auf und retteten gemeinsam mit den im Wirtschaftsrat vereinten Sponsoren den Club.
Reaktionen zum Aufstieg des 1. FC Union Berlin
Maccambes Younga-Mouhani (Torschütze zum 1:0): «Das ist das geilste Gefühl, das ich je hatte»
Dirk Zingler (Präsident des 1. FC Union): «Das ist das Ergebnis von fünf Jahren harter Arbeit. Es ist ein so geiles Team - von der Putzfrau bis Oldie Marco Gebhardt.»
Sebastian Bönig: «Wir feiern jetzt so lange durch, bis der Trainer einschreitet.»
Uwe Neuhaus (Trainer 1. FC Union Berlin): «Das Spiel von heute ist mir völlig Wurst. Mit nur drei Niederlagen durch die Saison zu kommen, ist schon etwas Besonderes. Die Mannschaft hat Sensationelles geleistet und ein Jahr harter Arbeit gekrönt. Ich weiß aber, dass jetzt viel Arbeit vor uns steht, wenn wir in der zweiten Liga bestehen wollen.»
Markus Weinzierl (Trainer Jahn Regensburg): «Gratulation zur Meisterschaft. Dieser Titel und der Aufstieg sind vollauf verdient. Union ist ein Traditionsverein, der tut der zweiten Liga gut.»
Marco Gebhardt: «Wir haben eine eindrucksvolle Saison gespielt. Einfach super, dass uns heute der Sieg und damit der Aufstieg gelungen ist.»
1. Bundesliga:




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