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SPORT

 

07.06.2009

07.06.2009 | Paris (dpa)

Federer im Tennis-Olymp: Erster French-Open-Sieg

 

Bei der Nationalhymne kullerten Roger Federer die Tränen übers Gesicht. Mit seinem ersten Triumph bei den French Open hat sich der 27 Jahre alte Schweizer endgültig auf Seite eins im großen Buch der Tennis-Geschichte eingeschrieben.

 

«Es tut so gut, auch mal als Sieger hier auf dem Podium zu stehen. Das ist ein magischer Moment für mich», sagte er nach dem 6:1, 7:6 (7:1), 6:4 im Endspiel gegen den Schweden Robin Söderling. Unter dem euphorischen Jubel von 15 000 Menschen auf dem Center Court von Paris durfte Federer nach drei Finalniederlagen auf der roten Asche von Paris endlich Hand anlegen an den silbernen Coupe des Mousquetaires.

 

Um 17.08 Uhr hatte Federer an diesem denkwürdigen Sonntag Eingang gefunden in den Tennis-Olymp. Nachdem er seinen ersten Matchball verwandelt hatte, sank er auf die Knie, küsste die rote Erde und hielt schon da die Tränen nicht mehr zurück. «Das ist unbeschreiblich, ich habe kaum Worte dafür. Das ist vielleicht mein größter Sieg, der Druck ist endlich weg», sagte Federer nach dem sporthistorischen Augenblick. Mit einer freundschaftlichen Umarmung nahm er aus den Händen von Andre Agassi den Pariser Pott entgegen.

«Das bedeutet die Welt für mich», sagte der 25. French-Open-Champion der Profi-Ära - denn es ist genau zehn Jahre her, dass der Ehemann von Steffi Graf ebenfalls in Paris das letzte Puzzleteil seiner Karriere einsetzte und erstmals die French Open gewann - übrigens auch beim elften Versuch. Federer erfüllte sich seinen jahrelangen Traum und krönte sich mit 14 Titeln bei allen vier Grand-Slam-Turnieren zum größten Tennisspieler, der jemals die Plätze dieser Welt betreten hat. Nach 1:55 einseitigen Stunden egalisierte der Ausnahme-Athlet den Grand-Slam-Rekord von Pete Sampras, der in Paris aber nie erfolgreich gewesen war.

 

«Das Schicksal hält ihm die Hand», hatte die französische Sportzeitung «L'Équipe» getitelt - und Federer griff bei seiner elften French-Open-Teilnahme zu. Die drei Final-Niederlagen gegen Rafael Nadal in den Jahren 2006, 2007 und 2008: vergessen; der mühsame Weg ins Endspiel mit zwei Fünf-Satz-Thrillern: abgehakt. Nach fünf Wimbledon-, fünf US-Open- und drei Australian-Open-Triumphen hat er nun als sechster Spieler Eingang gefunden in den exklusiven Zirkel derjenigen, die sich bei allen Grand-Slam-Turnieren in die Siegerlisten eingetragen haben. Vor ihm war dies nur Agassi, Donald Budge, Roy Emerson, Rod Laver und Fred Perry gelungen.

Die größte Schrecksekunde in dem einseitigen Endspiel erlebten Federer und seine hochschwangere Frau Mirka auf der Tribüne zu Beginn des zweiten Satzes. Plötzlich stürmte ein Flitzer mit FC-Barcelona-Fahne in der Hand auf den Platz und versuchte, dem verdutzten Federer eine rote Mütze auf den Kopf zu setzen. Der zuckte kurz zusammen und schubste den Verrückten dann zur Seite. Nach einem Sprung übers Netz wurde der Mann von Sicherheitsleuten überwältigt und vom Court getragen. Federer blickte zu seiner Frau, zupfte sich das Stirnband zurecht und konnte sogar schon wieder lächeln. Das anschließende Aufschlagspiel Söderlings verlor er zu null, nach «Roger, Roger»- Aufmunterungs-Rufen aber war er wieder da.

 

Als Federer um 15.03 Uhr den Court Philippe Chatrier betrat, lag eine Stimmung in der Luft, die schwer zu fassen war. Die einen sehnten still und ehrfürchtig diesen magischen Moment herbei, die anderen feierten den Schweizer mit «Allez, Roger»-Rufen und «Roger, Roger»-Sprechchören bereits wie einen Champion. Als exakt zehn Minuten später der erste Punkt dieses denkwürdigen Finales gespielt, eine Rückhand Söderlings im Aus gelandet und Federer das 15:0 gelungen war, jubelten die Menschen wie nach dem Matchball.

«Er hat es mehr als jeder andere verdient, es wird sein Leben verändern», hatte Andre Agassi tags zuvor noch gesagt. Die 15 000 Menschen auf der Tribüne des Center Courts sahen kein hochklassiges und auch kein spannendes Match. Dafür war Federer zu überlegen, zu konstant und zu elegant. Und dafür war vor allem Söderling («Er hat mir eine Trainerstunde gegeben»), der im Achtelfinale noch völlig überraschend den viermaligen Champion Nadal aus dem Wettbewerb geworfen hatte und das Turnier seines Lebens spielte, zu schwach.

 

Nach nur 23 Minuten ballte Federer beim Satzgewinn kurz die Faust. Den Tiebreak dominierte er humorlos und auch der nun einsetzende Nieselregen ließ ihn auf dem roten Ziegelmehl nicht schlingern. Nach nicht einmal zwei Stunden nutzte er seinen ersten Matchball und legte im Regen von Paris das Trauma von Roland Garros ab.

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