SPORT
09.07.2009

08.07.2009 | Berlin (dpa)
Hertha-Sieg bei torreicher Stadionparty in Köpenick
Neuzugang Artur Wichniarek mit seinen ersten beiden Toren für Hertha BSC die Grundlage für den 5:3 (2:1)-Sieg im brisanten Lokalderby beim Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Union Berlin gelegt. 19 000 Zuschauer feierten mit dem Match im ausverkauften Stadion «An der alten Försterei» eine zünftige Eröffnungsparty, bei der sich die Fans beider Lager lautstarke Schlagabtausche lieferten. Über 2000 Union-Fans hatten mit 140 000 freiwilligen Arbeitsstunden in den zurückliegenden zwölf Monaten an «ihrem» Stadion mitgebaut und für das Match freien Eintritt erhalten. Zum ersten Duell der beiden Stadtrivalen hatten sich zahlreiche prominente Gäste eingefunden, darunter Außenminister Frank-Walter Steinmeier und die in der Vorwoche wegen Blutdopings für zwei Jahre gesperrte Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein.

Den ersten Treffer nach seiner Rückkehr zur Hertha erzielte Wichniarek bereits nach neun Minuten mit einem verwandelten Foulelfmeter. Union-Keeper Jan Glinker hatte ihn zuvor gelegt, der Gefoulte verwandelte sicher. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Karin Benyamina nach schöner Flanke von Marco Gebhardt (14.) schlug der Pole in der 24. Minute zum zweiten Mal zu. Sein Landsmann Lukasz Piszczek hatte sich über den rechten Flügel brillant durchgesetzt und maßgerecht nach innen gepasst. Auch nach dem 3:1 durch den Brasilianer Raffael (55.) durfte sich Hertha des Sieges noch nicht sicher sein, denn abermals Benyamina verkürzte per Kopf noch einmal zum 2:3 (68.). Das Tor von Waleri Domowtschiski (73.) stellte dann endgültig die Weichen zum verdienten Hertha-Sieg, Amine Chermiti (82.) besorgte das fünfte Hertha-Tor. Shergo Biran stellte in der Schlussminute den 3:5-Endstand her.
Bei einer Eröffnungsfeier im altehrwürdigen Stadion, das in 89 Jahren seit seiner Einweihung noch nie soviel Glanz ausstrahlte, sprach Union-Präsident Dirk Zingler allen fleißigen Helfern seinen Dank aus, die im Urlaub oder nach Feierabend Werte von insgesamt 2,5 Millionen Euro erwirtschafteten. «Das war Gänsehaut pur: Was ich in den zurückliegenden 312 Tagen hier auf der Baustelle erlebt habe, ist nicht zu beschreiben. Dieser Zusammenhalt der Union-Familie ist wertvoller als der viele Beton und Stahl, der hier verarbeitet wurde», sagte Zingler. Als kleines Dankeschön erhielt jeder der Stadionbauer einen rot-weißen Bauhelm.

Freundschaftliche Vergleiche zwischen Union gegen Hertha gibt es erst seit dem Mauerfall. Legendär ist das Spiel vom 27. Januar 1990, als 51 270 Fans ins Olympiastadion strömten, um eine große Vereinigungs-Party feierte. Hertha gewann damals mit 2:1, in den nachfolgenden sieben Partien beider Berliner Spitzenclubs gewann der Underdog aus Köpenick immerhin dreimal. Den bislang letzten Vergleich beider Teams hatte Hertha im Juli 2001 mit 1:0 gewonnen.
Als Zeichen an die Stadt wertete Hertha-Manager Michael Preetz, dass ausgerechnet das Lokalderby bei der Eröffnung wieder auflebt. «Ich würde mich noch mehr freuen, wenn Union aufsteigen würde, und wir in der Bundesliga ein Derby auf Augenhöhe führen würden», sagte Preetz und schloss auch nicht aus, dass es künftig jedes Jahr einen solchen Vergleich geben könnte.




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