SPORT
20.07.2009

19.07.2009 | Stuttgart (dpa)
"Deutschen-Schreck" Chardy gewinnt auf Weissenhof
«Deutschen-Schreck» Jeremy Chardy hat seinen Siegeszug beim Stuttgarter ATP-Turnier fortgesetzt und im packenden Endspiel auch den favorisierten Victor Hanescu geschlagen.
Der französische Tennisprofi bezwang im Duell der «Namenlosen» den Rumänen nach brillanter Aufholjagd mit 1:6, 6:3, 6:4 und feierte damit seinen ersten Triumph auf der ATP-Tour. «Das ist toll», jubelte Chardy nach seinem Coup auf dem Center Court des Weissenhofs. Für seinen Erfolg beim mit 450 000 Euro dotierten «Mercedes Cup» erhielt der Weltranglisten-43. 71 700 Euro, 250 Punkte und ein Auto des Hauptsponsors. Chardy hatte tags zuvor in einer Doppelschicht erst Mischa Zverev und dann Nicolas Kiefer ausgeschaltet.
«Es ist klasse. Ich darf auf meinen ersten Titel mit Champagner anstoßen», sagte Chardy, nachdem er sich bei der Siegerehrung einen kräftigen Schluck aus der Schampusflasche gegönnt hatte. «Ich will die Flasche noch vor der Heimfahrt mit meinem Coach und Freunden leeren.» Diesen ersten Sieg in Stuttgart werde er nie vergessen.
Anders als sein Gegner konnte Hanescu ausgeruht ins Endspiel gehen. Mit einem Break zum 2:0 drängte der 27-Jährige seinen Gegner, der nach dem doppelten Einsatz am Vortag müde wirkte, früh auf die Verliererstraße. Mit druckvollem Spiel brachte Hanescu den ersten Satz schnell und sicher nach Hause. Im zweiten mobilisierte der fünf Jahre jüngere Franzose seine Kräfte und bot phasenweise Weltklasse-Tennis. Sein Break zum 4:2 war die Basis für den Satzausgleich.
Beflügelt durch diesen Erfolg nahm Chardy im entscheidenden dritten Satz dem nun ratlos wirkenden Rumänen gleich die beiden ersten Aufschlagspiele ab. Nach eigenem Serviceverlust zum 4:2 und zwei danach vergebenen Breakbällen musste der 22-Jährige nochmals zittern. Aber nach 1:48 Stunden stand der Dreisatzsieg fest: Chardy verwandelte nervenstark gleich den ersten Matchball.
Kiefer vergab die große Chance, nach Thomas Haas 1999 als erster Deutscher seit zehn Jahren ins Finale von Stuttgart einzuziehen. Der Davis-Cup-Spieler aus Hannover unterlag in der Vorschlussrunde Chardy 3:6, 5:7. «Er hat mein Spiel ganz gut gelesen und ich konnte sein Spiel nicht so gut lesen. Dann bin ich ins offene Messer gelaufen», räumte Kiefer nach seiner missglückten Doppelschicht ein.
Der Weltranglisten-40. fand gegen den drei Positionen hinter ihm liegenden Franzosen nie zu seinem gewohnten Spiel. Im ersten Satz musste er dreimal sein Service abgeben. «Schade, dass es so ein Ende nimmt. Es war sicher nicht so einfach bei Nieselregen. Mir liegen schnellere Bedingungen besser», begründete er sein Scheitern. Trotz des verpassten Finaleinzugs zog Kiefer eine positive Bilanz seines ersten Weissenhof-Auftritts seit zwölf Jahren: «Ich habe drei Matches gewonnen. Das war ein guter Start in die zweite Jahreshälfte.»
Zverev hatte im Viertelfinale gegen Chardy 6:7 (4:7), 1:6 verloren. «Es war eine Katastrophe», sagte er. «Es gibt so Tage, da merkt man schon beim Einschlagen, dass die Beine 500 Kilo wiegen.» Zverev will nun bei dem 20. Juli beginnenden Heim-Turnier am Rothenbaum im Einzel und im Doppel an der Seite des ehemaligen Wimbledon-Siegers Michael Stich für positive Schlagzeilen sorgen.




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