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SPORT

 

26.07.2009

26.07.2009 | Rom (dpa)

WM: Biedermann und Steffen mit Weltrekord

 

Nach dem Anschlag schüttelte Paul Biedermann wie der Rest der Schwimm-Welt fassungslos den Kopf: Mit einem unglaublichen Weltrekord wurde der 22-Jährige sensationeller Weltmeister über 400 Meter Freistil in Rom.

 

An diesem Sonntag für die Geschichtsbücher steigerte der Modell-Athlet aus Halle/Saale in der Ewigen Stadt seine persönliche Bestzeit um 6,6 Sekunden. Nach 3:40,07 Minuten schlug Biedermann als Erster an. «Für solche Momente lebt man. Ich hatte nicht mal mit dem Finale gerechnet und nicht mal die WM-Norm», sagte er.

 

Freuen konnte sich auch die 4x100-Meter-Freistil-Staffel der Frauen über die Silbermedaille. Angeführt von Britta Steffen, die in 52,22 Sekunden ihren eigenen Weltrekord verbesserte, schlugen Daniela Samulski, Petra Dallmann und Andrea Schreiber nach 3:31,83 Minuten in deutscher Rekordzeit an. Das Quartett musste sich nur um Handbreite den Niederlanden geschlagen geben, die in 3:31,72 Minuten einen von sechs Weltrekorden zum Auftakt der Becken-Wettbewerbe schwammen.

 

Noch im Vorlauf war Steffen deutlich über ihrer Weltrekordzeit geblieben, hatte sich aber für das große Finale geschont. Ganze 11/100 Sekunden fehlten zum WM-Titel. «Wir sind sind sehr zufrieden mit der Silbermedaille. Das war ein tolles Rennen von uns allen», sagte Steffen, die im Gegensatz zu ihrem Doppel-Olympiasieg vor einem Jahr einen gelungenen Staffel-Auftakt feierte. Superstar Michael Phelps schlug als Startschwimmer der USA nur als Dritter an und musste sich auf seine Kollegen verlassen, die ihm in 3:09,21 Minuten knapp vor Russland seinen 20. WM-Sieg sicherten.

 

Weltrekorde gab es auch durch Italiens Star Federica Pelegrini, die als erste Frau über die 400 Meter in 3:59,15 Minuten unter 4 Minuten blieb, und Ariana Kukors (USA) im Halbfinale über 200 Meter Lagen (2:07,03). Annika Mehlhorn verpasste über 100 Meter Schmetterling beim Weltrekord der erst 15 Jahre alten Schwedin Sarah Sjostrom (56,44 Sekunden) trotz deutscher Rekordzeit in Vorlauf (58,04) und Halbfinale (57,90) den Endlauf. Hendrik Feldwehr zog in nationaler Bestzeit (59,15) in das Finale über 100 Meter Brust ein.

 

Biedermann ließ im Spurt der Konkurrenz keine Chance und verbesserte sogar die sieben Jahre alte Bestmarke von Ian Thorpe (Australien) um 1/100 Sekunde. «Natürlich macht der Anzug viel aus, bestimmt zwei Sekunden», sagte er über den neuen High-Tech-Anzug seines Ausrüster. «Aber jetzt freue ich mich erst einmal. Zum Feiern hätte ich schon Lust auf ein Bier, aber es wird bei Cola bleiben.» Dabei sollten die 400 Meter nur die Generalprobe für die 200 Meter an diesem Montag sein. «Da will ich erst einmal den Vorlauf überstehen und dann sehen wir weiter.» Warnendes Beispiel ist Titelverteidiger und Olympiasieger Taehwan Park (Südkorea), der im 400-Meter-Vorlauf scheiterte.

 

Biedermann hatte als Weihnachtsgeschenk Freundin, Eltern und alle vier Großeltern nach Rom eingeladen. Der Familienclan fieberte auf der Tribüne mit. Enkel Paul schenkte seiner Oma Annemarie den Coup zu deren 73. Geburtstag. «Ich habe meiner Familie alles zu verdanken. Es war mir so wichtig, dass sie hier dabei sind», sagte Biedermann, der als erster Deutsche seit Jörg Hoffmann 1991 in Perth über die Mitteldistanz gewann. Er vergaß auch in der Stunde des Triumphs auch seinen Coach Frank Embacher nicht, der ihn nach sechswöchiger Pause zu Jahresbeginn wegen des Eppstein-Barr-Virus wieder in Form gebracht hatte: «Er ist für mich der beste Trainer der Welt.»

 

Noch im Vorlauf hatte sich Biedermann nach seinem Europarekord über «lockere 400 Meter wie noch nie gewundert». Nach seinem Weltrekord stellte er sich der Frage, wie er sich ohne unerlaubte Mittel so steigern konnte. «Das dieser Gedanke aufkommt, ist ganz klar. Aber ich bin sauber.»

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