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29.07.2009

29.07.2009 | München/Hamburg
Vollbremsung: BMW steigt aus Formel 1 aus
BMW macht die Vollbremsung: Der bayrische Automobilhersteller wird nach der Saison aus der Formel 1 aussteigen. «Natürlich ist uns diese Entscheidung schwer gefallen», sagte der Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer am Mittwoch in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im BMW-Hochhaus in München. «Wir haben gestern im Vorstand entschieden, wir richten unser Motorsport-Engagement neu aus. Die BMW-Group wird ihr Engagement in der Formel 1 mit Ablauf der Saison 2009 beenden.»
Dies sei ein konsequenter Schritt vor dem Hintergrund der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens, erklärte Reithofer im Beisein von Motorsportdirektor und BMW-Sauber-Chef Mario Theissen. «Aus Sicht des Unternehmens kann ich diese Entscheidung nachvollziehe», erklärte er.

In welchem Umfang es zu einem Stellenabbau in München oder Hinwil kommt, stehe derzeit noch nicht fest. Entwicklungsvorstand Klaus Draeger: «Da wir diese Entscheidung erst gestern getroffen haben, können wir noch nichts Genaueres mitteilen. Wir werden verschiedene Szenarien erarbeiten und bewerten und uns bemühen, für die Mitarbeiter am Standort Hinwil und die in das Formel-1-Projekt eingebundenen Beschäftigten in München Lösungen zu finden.» Schätzungen zufolge sollen insgesamt 700 Beschäftigte für das Formel-1-Team arbeiten. «Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden die Mitarbeiter informieren, sobald wir Klarheit haben», sagte Draeger. Was mit den beiden Piloten Nick Heidfeld aus Mönchengladbach und Robert Kubica aus Polen passiert, ist derzeit ebenfalls unklar.
Dass BMW die Entscheidung mitten in der Saison bekanntgab, dürfte vor allem mit dem neuen Concorde Agreement, der Verfassung in der Formel 1, zusammenhängen. Mit dessen Unterzeichnung wird in dieser Woche gerechnet. Darin sollen sich die Teams unter anderem auch für die kommenden Jahre bis 2012 zur Formel 1 bekennen. Informationen der «Bild»-Zeitung zufolge sollen auch bei Toyota die Gedankenspiele über einen Ausstieg weit fortgeschritten sein. Bereits Ende vergangenen
Jahres war Honda wegen der weltweiten Wirtschaftskrise, die besonders die Automobilbranche getroffen hatte, aus der Formel 1 ausgestiegen.

Das in diesem Jahr klar verpasste Ziel, um die WM mitzufahren, soll den Aussagen der Hauptverantwortlichen nicht den Ausschlag gegeben haben. Nach zehn von 17 Rennen ist BMW-Sauber Achter in der Konstrukteurswertung, die Piloten Heidfeld und Kubica liegen im Fahrer-Klassement auf den Rängen 13 und 15. «In der aktuellen Saison können wir die Erwartungen leider nicht erfüllen», erklärte Draeger in einer Pressemitteilung von BMW unter der Überschrift: «Konsequenter Schritt im Zuge der Neuausrichtung der BMW».
Seine größten Erfolge feierte BMW-Sauber, das bislang auf 63 Grand-Prix-Starts kommt und im März 2006 sein Debüt gefeiert hatte, mit dem Premierensieg Kubicas im Juni 2008 im kanadischen Montréal. 2007 war das Team Zweiter in der Konstrukteurswertung geworden, allerdings begünstigt durch die damalige Disqualifikation von McLaren-Mercedes wegen der Spionage- Affäre. Der derzeit um den WM-Titel kämpfende Sebastian Vettel feierte in einem BMW-Sauber 2007 seine Formel-1-Premiere, nachdem Kubica einen Unfall in Montréal gehabt hatte.
2005 hatte BMW die Übernahme des damaligen Schweizer Sauber-Teams bekanntgegeben. Zuvor war der Automobilhersteller von 2000 an Motorenlieferant für das Team Williams. Der Rennstall hatte den ehrgeizigen Plan, binnen weniger Jahre an die Weltspitze zu fahren, kontinuierlich umsetzen können. Vor der laufenden Saison war BMW-Sauber als ernsthafter Titelkandidat gehandelt worden, so war auch das Ziel im vierten Jahr. Mit dem neuen Wagen blieben die Weiß-Blauen allerdings deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. Der Ausstieg betrifft unterdessen nicht das Engagement von BMW unter anderem in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft.
BMW in der Formel 1
BMW tauchte 1982 erstmals in der Formel 1 auf. Lange war der bayrische Autohersteller nur als Motorenlieferant aktiv. Erst seit 2006 gibt es ein BMW-Werksteam. Die wichtigsten Daten des Formel-1-Engagements von BMW im Überblick.
23. Januar 1982
Erster Auftritt von BMW als Motorenlieferant des Teams Brabham beim Großen Preis von Südafrika in Kyalami.
15. Oktober 1983
Nelson Piquet sichert sich im Brabham BMW im letzten Rennen der Saison in Kyalami die Fahrer-Weltmeisterschaft.
7. Juli 1985
Der Brasilianer Piquet sorgt in Le Castellet für den achten und damit letzten Formel-1-Sieg des Brabham BMW Teams. 1987 endet die Partnerschaft.
12. Oktober 1986
Der Sieg von Benetton-Pilot Gerhard Berger in Mexiko ist der letzte Erfolg des legendären BMW-Turbo-Triebwerks.
12. März 2000
Nach 13 Jahren kehrt BMW als Motorenlieferant für das Williams-Team beim Großen Preis von Australien in die Formel 1 zurück.
15. April 2001
Ralf Schumacher sorgt in San Marino für den ersten Sieg des Williams-BMW-Teams. Insgesamt gelingen der Williams-Schmiede bis Saisonende 2005 mit dem BMW-Motor zehn Grand-Prix-Erfolge.
12. März 2006
Nach dem Kauf des Sauber-Rennstalls debütiert das neue BMW-Werksteam beim Großen Preis von Bahrain. In der Premieren-Saison wird das BMW-Sauber-Team Fünfter der Konstrukteurswertung.
6. April 2008
Der Pole Robert Kubica holt für BMW-Sauber in Bahrain die erste Pole Position.
8. Juni 2008
Kubica sichert dem Team beim Chaosrennen in Kanada den ersten und bislang einzigen Grand-Prix-Triumph.
29. Juli 2009
BMW verkündet in München den Ausstieg aus der Formel 1 zum Saisonende.




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