SPORT
06.08.2009

05.08.2009 | Hamburg (dpa)
Schumacher schwitzt im Kart - Ärzte entscheiden
Michael Schumacher holte sich bei brütender Hitze im Kart schon mal einen klimatischen Vorgeschmack auf seine geplante Rückkehr in die Formel 1 - auch wenn die nach wie vor noch nicht hundertprozentig sicher ist. Darauf wies erneut seine Sprecherin Sabine Kehm hin.
«Michael arbeitet mit Vollgas an seinem Comeback, aber von Anfang an war klar, dass letztlich das Ergebnis der medizinischen Untersuchungen abgewartet werden muss. Das ist nichts Neues», sagte Kehm der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ferrari und auch Schumacher selbst hatten in den Comeback-Ankündigungen vor einer Woche ebenfalls auf diesen Fakt hingewiesen.
Schumacher nahm derweil mit einem Kart vorlieb. «Es gibt momentan wenig Besseres für die Vorbereitungen - in punkto Lenkkräfte zum Beispiel ist Kartfahren sogar eher noch schwieriger als Formel-1-Fahren», erklärte der Kerpener auf seiner Internetseite. Mit dabei im italienischen Lonato war auch der Ferrari-Testfahrer Luca Badoer. «Dass es hier brütend heiß ist, simuliert sogar die für Valencia erwarteten Temperaturen», blickte Schumacher schon mal zweieinhalb Wochen voraus.

Probleme könnte dem 40-Jährigen aber eine alte Nackenverletzung bereiten, die er sich im Februar bei einem Motorradsturz zugezogen hatte. Das Genick zwicke etwas, hatte Schumacher nach seinem ersten Test in einem zwei Jahre alten Formel-1-Ferrari am 31. Juli zugegeben. «Das müssen wir noch in den Griff kriegen. Denn die Gesundheit geht vor, das ist die klare Absprache mit Ferrari, und übrigens auch mit meiner Frau», hatte Schumacher bereits erklärt. «Aber es gilt: Ich habe die Herausforderung angenommen, und wie ihr wisst, liebe ich Herausforderungen.»
Auch Schumachers Arzt, Dr. Johannes Peil, von der Sportklinik Bad Nauheim hatte in einem dpa-Interview bekräftigt, dass man «erst nach Abschluss aller Untersuchungen» wisse, «ob er fahren kann». Auf Touren ist der 91-malige Grand-Prix-Sieger jedenfalls schon. «Das Wettbewerbs-Gen trage ich immer noch in mir, ich bin halt immer noch ein Racer», sagte Schumacher der «Sport Bild» - noch ehe sich Kumpel und Ex-Teamkollege Felipe Massa bei seinem Unfall auf dem Hungaroring schwer verletzte und Ferrari an Schumacher herantrat, den Brasilianer vorübergehend zu ersetzen. Drei Kilo hat der Rekordchampion bereits abgespeckt, zwei Physiotherapeuten absolvieren das tägliche Training mit dem Fitness-Fanatiker.

Während «Schumi» schwitzt, können sich seine Rivalen zurücklehnen und die langen Sommerferien in der Formel 1 genießen. Sebastian Vettel, WM-Kandidat und potenzieller Nachfolger des siebenmaligen Weltmeisters als deutscher «PS-Held», will sich in seiner Schweizer Wahlheimat und in Heppenheim vor dem möglichen ersten Duell in einem WM-Rennen mit dem Rekordchampion erholen. Konkrete Pläne hat er nicht: «Ich bin eher spontan und buche meinen Urlaub nicht im Januar», erklärt der Hesse auf der offiziellen Formel-1-Internetseite. Nick Heidfeld freut sich auf das Sandburgenbauen mit Familie auf einer griechischen Insel. Und WM-Spitzenreiter Jenson Button, jüngst mit beachtlicher Zeit beim London-Triathlon, zieht es nach Südfrankreich.
Aufgrund der Sparmaßnahmen müssen die Rennställe ihre Pforten schließen, die Pause zwischen dem Ungarn-Rennen am 26. Juli und dem Europa-Grand-Prix beträgt vier Wochen. Schumachers designierter Teamkollege Kimi Räikkönen nutzte sie für einen Ausflug in die Rallye-WM. Der endete trotz starker Leistung mit einem Unfall vorzeitig für den Weltmeister von 2007, an dessen Seite Schumacher im Ferrari des verunglückten Felipe Massa starten soll.
Und das würde den Grand Prix in der Hafenstadt zu einem ganz besonderen machen. Denn fast drei Jahre nach seinem letzten Rennen am 22. Oktober 2006 soll Schumacher in den Straßen Valencias wieder Gas geben. Den Kurs kennt er nur vom Sehen, dort gefahren ist er noch nicht. Valencia feierte die Premiere im Renn-Kalender im vorigen Jahr. Seinen Rennwagen kennt Schumacher zwar, gesteuert hat er den F60 aber ebenfalls noch nicht. Darf er auch nicht. Ferraris Bitte um eine Sondergenehmigung war von Williams und auch Red Bull abgelehnt worden.
Unterdessen durfte Massa zehn Tage nach seinem Unfall das Krankenhaus in Sao Paulo verlassen. Dorthin war er von Budapest aus geflogen worden. Im Kreis der Familie in Brasilien soll sich der 28-Jährige nun weiter von seinem Unfall und seinen Verletzungen (Schädelbasisbruch, Gehirnerschütterung) erholen, während Schumacher für sein geplantes Comeback als Massa-Ersatzmann schwitzt und schuftet.




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