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  • Schumacher zutiefst enttäuscht!

SPORT

 

11.08.2009

11.08.2009 | Stuttgart/Hamburg (dpa)

«Zutiefst enttäuscht»: Schumacher sagt Comeback ab

Schwerer Nackenschlag für Ferrari und die Formel 1: Rekord-Weltmeister Michael Schumacher hat sein geplantes Comeback aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. «Ich bin zutiefst enttäuscht», bekannte der 40-Jährige auf seiner Internetseite.

Der Körper des Kerpeners spielte nicht mit, die Spätfolgen einer Nackenverletzung nach einem schweren Motorrad-Unfall im Februar verhindern seinen Start beim Großen Preis von Valencia am 23. August. «Ich habe absolut alles versucht, dieses Comeback auf Zeit möglich zu machen, aber zu meinem größten Bedauern klappt es nicht», schrieb Schumacher.

Der siebenmalige Champion enthüllte genau ein halbes Jahr nach dem Horror-Crash im spanischen Cartagena nun auch das tatsächliche Ausmaß seiner Verletzungen. Er habe sich damals «Brüche im Bereich Kopf und Hals» zugezogen, verriet er. «Es war der schwerste Unfall, den Michael in seiner Motorsportkarriere hatte», sagte sein Manager Willi Weber. Schumachers Sprecherin Sabine Kehm erklärte im Fernsehsender N24, dass es auch «Verletzungen an einer Arterie» gegeben habe.

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, den Schumacher am Abend des 10. August informiert hatte, reagierte enttäuscht: «Ich bin sehr unglücklich darüber, dass dieses Problem bedeutet, dass Michael nicht wieder Rennen fahren kann.» Nun solle der 38 Jahre alte Testfahrer Luca Badoer, der in seinen bislang 49 Formel-1-Rennen punktlos blieb und zuletzt vor knapp zehn Jahren bei einem Grand Prix startete, das Auto des in Ungarn verunglückten Massa übernehmen.

Bruder Ralf und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel bestärkten Schumacher in seinem Entschluss. «Sehr schade für alle, die sich auf Michaels Comeback gefreut hatten, aber die Entscheidung ist rundherum zu akzeptieren», befand Ralf Schumacher. «Ich finde es richtig, dass er keine unnötigen Risiken eingegangen ist. Er hat Familie und Kinder. Es gibt bestimmt noch andere schöne Sachen», urteilte CDU- Politikerin Merkel in einem Video-Live-Chat auf der RTL-Internetseite. Sogar Fußball-Bundestrainer Joachim Löw meldete sich aus dem fernen Baku zu Wort: «Er wird seine Gründe haben. Es ist schade.»

«Ein Schock!», jammerte hingegen die «Gazzetta dello Sport» in ihrer Online-Ausgabe. «Niente Schumi» (Nix wird's mit Schumi), stellte «Tuttosport» fest. Am 12. August will sich Schumacher bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Genf erklären. Auch der Chefarzt der Sportklinik Bad Nauheim, Johannes Peil, sowie Manager Weber stellen sich in einem Hotel den Fragen.

Vergeblich hatte sich Schumacher gemüht, Ferrari nach knapp dreijähriger Rennpause als Helfer in der Not noch einmal zu Diensten zu sein. «Mir tut es wahnsinnig leid für die Jungs bei Ferrari und all die Fans, die mir die Daumen gedrückt haben», erklärte die Grand-Prix-Legende. Er habe alles getan, was in seiner Macht stehe. Sein lädierter Nacken könne jedoch «den extremen Belastungen der Formel 1 nicht standhalten». Die Nachwirkungen des Motorrad-Unfalls vom 11. Februar seien «leider noch immer zu schwer», räumte der 91-malige Grand-Prix-Sieger ein.

Eigentlich wollte Schumacher erneut mit einem zwei Jahre alten Scuderia-Boliden weitere Testrunden auf der Hausstrecke der Italiener in Mugello drehen. Doch die Beschwerden waren zu groß. «Schumi» zog daher den geplanten Abschluss-Check seiner Ärzte vor - und musste danach Ferrari absagen. «Die Schmerzen im Nacken, die nach dem privaten F1-Tag in Mugello auftraten, haben wir leider nicht in den Griff bekommen - auch wenn wir alles versucht haben, was medizinisch und therapeutisch machbar ist», erklärte er auf seiner Homepage.

Seine Nachfolger in der Königsklasse müssen nun auf das Duell mit dem Idol verzichten. «Michael wird wissen, was er macht», meinte Red-Bull-Fahrer Sebastian Vettel. «Wir alle haben uns auf ihn gefreut. Er ist aber ein Profi und macht keine Kompromisse», sagte Force-India- Pilot Adrian Sutil. Titelverteidiger Lewis Hamilton bedauerte die verpasste Chance auf ein Kräftemessen. «Es wären eine Ehre und ein Privileg gewesen, gegen ihn zu fahren», sagte der Brite.

Der Formel 1 geht damit auch das erhoffte Mega-Geschäft mit dem Comeback des Superstars verloren. Manager Weber hatte schon eine neue Fanartikel-Serie geplant, die Rennstrecken rechneten mit einem Zuschauer-Boom. «Das ist natürlich keine gute Nachricht», stellte ein Sprecher des Rennstreckenbetreibers in Valencia ernüchtert fest. «Für mich ist eine Welt zusammengebrochen», klagte der Vize-Chef des Kerpener Michael-Schumacher-Fanclubs, Reiner Ferling.

Aus Verbundenheit zu dem Traditions-Rennstall hatte sich Ferrari-Berater Schumacher bereiterklärt, das Cockpit seines Freundes Massa zu übernehmen. Der Brasilianer war bei der Qualifikation zum Großen Preis von Ungarn am 25. Juli verunglückt und fällt vorerst aus. Doch Schumachers Schufterei im privaten Fitness-Studio, im Kart und im Ferrari-Modell von 2007 blieb vergebens. «Ich wäre gerne für Felipe eingesprungen. Jetzt bleibt mir nur, dem gesamten Team die Daumen für die nächsten Rennen zu drücken», teilte er mit.

 


Chronologie der Superlative: Schumachers Karriere

Michael Schumacher hat Formel-1-Geschichte geschrieben wie kein zweiter Pilot. Die Deutsche Presse-Agentur dpa dokumentiert angesichts seiner Comeback-Absage vom Dienstag die wichtigsten Stationen seiner einzigartigen Karriere, die nun doch nicht fortgesetzt wird.

25. August 1991: Michael Schumacher gibt in Spa am Steuer eines Jordan-Ford sein Formel-1-Debüt. Ein Kupplungsschaden stoppt ihn, wenige hundert Meter nach dem Start. Nach nur einem Rennen wechselt er zu Benetton-Ford.

4. September 1991: Beim ersten Rennen im neuen Auto in Imola wird Schumacher Fünfter und holt seine ersten zwei WM-Punkte.

30. August 1992:
In Spa gelingt erstmals ein Grand-Prix-Sieg. Am Ende seiner ersten kompletten Saison wird Schumacher Dritter.

1. Mai 1994:
Schwarzes Wochenende in Imola: Ayrton Senna rast in eine Betonmauer und stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Das Rennen wird fortgesetzt und endet mit einem Schumacher-Sieg.

10. Juli 1994: «Flaggen-Skandal» in Silverstone: Schumacher überholt Damon Hill in der Einführungsrunde und kassiert eine Zeitstrafe. Als er diese nicht rechtzeitig «absitzt», wird er disqualifiziert, ignoriert auf Anweisung seiner Teamleitung die «Schwarze Flagge» aber zunächst. Folge: Sperre für zwei Rennen.

28. August 1994:
Der Sieg beim Grand Prix in Belgien wird Schumacher aberkannt. Grund: bei einer Kontrolle nach dem Rennen waren an einer Holzplatte am Unterboden seines Benettons Abschleifungen festgestellt worden. Der Rennstall führte die Unregelmäßigkeiten auf einen Dreher Schumachers zurück. Erstmals taucht der Begriff «Schummel-Schumi» auf.

13. November 1994:
Jubel trotz Unfalls: In Adelaide kommt es zur Kollision der Titelaspiranten Schumacher und Hill. Da beide ausscheiden, wird der Deutsche erstmals Weltmeister. Einige Zeitungen geben dem Kerpener zu Unrecht die Schuld an dem Crash. Schumacher gewinnt den Titel, obwohl nur 12 von 16 Rennen von ihm gewertet wurden. In der Stunde des Triumphs erinnert er an Senna. Es wäre sein Jahr geworden, sagt der neue Weltmeister.

16. Juli 1995:
Hill misslingt in Silverstone ein Überholmanöver gegen den führenden Schumacher. Für beide ist das Rennen vorbei. Knapp zwei Monate später endet das Duell nach einer erneuten Attacke des Briten in Monza im Kiesbett. «Schumi» ignoriert Hills Entschuldigung. Am Ende der Saison holt er sich seinen zweiten Titel.

2. Juni 1996: Nachdem Schumacher vor der Saison zu Ferrari gewechselt ist, feiert er in Barcelona den ersten Sieg in Rot. Zwei weitere folgen in Spa und Monza. Allerdings schafft er es nicht, in den Titelkampf einzugreifen.

26. Oktober 1997:
Unrühmliches Saisonfinale: Das Titelrennen endet in Jerez, als Schumacher seinem Konkurrenten Jacques Villeneuve (Williams-Renault) in die Seite fährt. Villeneuve kann im Gegensatz zu Schumacher weiterfahren und holt den Titel. Der Kerpener wird wegen Unsportlichkeit aus der WM-Wertung gestrichen.

30. August 1998: Im Regen von Spa fährt Schumacher in das Heck des zur Überrundung anstehenden David Coulthard, Teamkollege des WM-Führenden und späteren Weltmeisters Mika Häkkinen, und scheidet aus. In der Boxengasse kommt es fast zu Handgreiflichkeiten, da Coulthard nach Ansicht Schumachers unnötig vom Gas gegangen ist. Jahre später entschuldigt sich der Schotte für die Aktion.

11. Juli 1999:
In Silverstone rast Schumacher wegen eines Bremsdefekts in einen Reifenstapel und bricht sich das rechte Schien- und Wadenbein. Es bleibt sein bisher einziger schwerer Unfall.

17. Oktober 1999:
Schumacher feiert ein großartiges Comeback in Malaysia. Er wird Zweiter, da er seinem Teamkollegen Eddie Irvine wegen dessen Chancen im Titelrennen mit Mika Häkkinen den Vortritt lassen muss.

10. September 2000:
Tränen in Monza: Schumacher gewinnt seinen 41. Grand Prix und holt damit in der ewigen Rangliste Ayrton Senna ein. In der Siegerpressekonferenz übermannen ihn die Gefühle.

8. Oktober 2000:
Schumacher siegt in Suzuka und holt den dritten WM-Titel. Für Ferrari ist es der erste Triumph seit 1979.

10. Juni 2001:
Familien-Erfolg: In Montréal wird Schumacher hinter seinem Bruder Ralf Zweiter. Erstmals stehen in der Formel 1 zwei Brüder oben auf dem Treppchen.

19. August 2001:
Schumacher siegt in Ungarn und macht den vierten WM-Titel vier Rennen vor dem Saisonende perfekt. Zugleich stellt er den Rekord von Alain Prost ein, der 51 Grand Prix gewann.

16. September 2001:
Wegen der Anschläge auf das World Trade Center in New York spricht sich Schumacher für einen Startverzicht beim Großen Preis von Italien aus. Der Wunsch wird ignoriert. Er wird absichtlich Vierter, um in der Siegerpressekonferenz nicht Rede und Antwort stehen zu müssen.

12. Mai 2002:
Ärger in Austria: In Spielberg führt Rubens Barrichello bis zur letzten Runde. Als er Teamkollege Schumacher kurz vor der Ziellinie auf Anweisung der Ferrari-Leitung passieren lässt, gibt es Pfiffe von den Rängen.

21. Juli 2002:
Mit einem Sieg in Magny-Cours macht Schumacher sechs Rennen vor Saisonende den fünften Weltmeistertitel perfekt. Er zieht damit mit der argentinischen Rennfahrer-Legende Juan Manuel Fangio gleich.

20. April 2003: Sieg mit Trauerflor: Schumachers Mutter stirbt im Alter von 55 Jahren. Wenige Stunden später fährt Schumacher in Imola den ersten Saisonsieg ein. Bei der Pressekonferenz erscheint stellvertretend für ihn sein Teamchef Jean Todt.

12. Oktober 2003: Herzschlag-Finale in Suzuka: Schumacher wird Achter und gewinnt mit zwei Punkten Vorsprung vor McLaren-Mercedes- Pilot Kimi Räikkönen seine sechste WM. Damit setzt er sich in der ewigen Rangliste vor Fangio.

20. Juni 2004: Schock für Schumacher: Sein Bruder Ralf verunglückt in Indianapolis im Williams-BMW schwer. Als das Rennen wieder freigegeben wird, siegt Michael Schumacher dennoch souverän.

29. August 2004: Ein zweiter Platz in Spa bringt vorzeitig den siebten Titel. Die Rekord-Saison beendet Schumacher mit 148 Punkten.

22. Mai 2005:
Bruderzwist in Monaco: Michael Schumacher versucht, seinen Bruder noch auf der Ziellinie zu überholen, um Sechster zu werden. Schumi II tobt: «Manchmal schaltet er sein Gehirn nicht ein.»

19. Juni 2005:
«Farce-Rennen» in Indianapolis: Im Training verunglückt Ralf Schumacher wegen eines Reifenschadens. Der Pneu-Hersteller Michelin findet den Fehler nicht und kann nicht für die Sicherheit der Fahrer der von ihm ausgestatten Teams garantieren. Daraufhin gehen nur die Bridgestone-Rennställe Ferrari, Jordan und Minardi an den Start. Das Rennen endet mit Schumachers erstem und einzigem Saisonsieg. Am Ende der für ihn verkorksten Saison wird er WM-Dritter.

22. April 2006: Schumacher holt in Imola die 66. Pole Position seiner Karriere und überbietet die langjährige Bestmarke Sennas.

27. Mai 2006: Im Qualifying in Monaco sorgt Schumacher mit einem «Park-Manöver» für Wirbel. Als Zeitschnellster bleibt er kurz vor dem Ende der Qualifikation an einer der engsten Stellen des Kurses stehen. Die anderen Fahrer müssen ausweichen und können die Bestzeit nicht unterbieten. Weil er auf den letzten Platz strafversetzt wird, wird er nur Fünfter und verliert wertvolle WM-Punkte.

10. September 2006: Schumacher siegt in Monza, verkürzt den Rückstand auf Fernando Alonso auf nur noch zwei Punkte und gibt seinen Rücktritt zum Saisonende bekannt.

8. Oktober 2006: Nach dem ersten Motorschaden seit sechs Jahren beim Großen Preis von Suzuka gibt Schumacher den Kampf um seinen achten WM-Titel auf. Beim Saisonfinale in Sao Paulo am 22. Oktober will er sich zumindest mit dem Konstrukteurs-Titel für Ferrari nach 16 Jahren aus der Formel 1 verabschieden.

21. Oktober 2006:
In seiner letzten Qualifikation zum Großen Preis von Brasilien erlebt Schumacher einen technischen K.o. Wegen einer defekten Benzinzufuhr kann er im dritten und letzten Qualifikations- Abschnitt keine gewertete Runde mehr absolvieren und geht in das letzte und 250. Rennen seiner Karriere von Platz zehn aus. Seine Chancen auf den achten Titel sind vor dem Grand Prix nahe dem Nullpunkt.

22. Oktober 2006: Der grandiose Schlussakt einer einzigartigen Karriere: Nach einem Reifenplatzer in der neunten Runde fällt Schumacher bis an das Ende des Feldes. Doch er gibt nicht auf. Zwar hat er keine Chance mehr auf den WM-Titel, der an Alonso geht, aber er wird immerhin noch Vierter.

29. Juli 2009: Schumacher erklärt seine Bereitschaft, für den beim Großen Preis von Ungarn verunglückten Felipe Massa bereits beim Rennen in Valencia am 23. August einzuspringen. 4. August 2009: Schumacher bereitet sich mit «Vollgas» auf sein Comeback vor.

11. August 2009: Schumacher erklärt das Comeback für beendet: «Die Verletzungsfolgen vom Motorrad-Unfall im Februar, als ich mir Brüche im Bereich Kopf und Hals zugezogen habe, sind leider noch immer zu schwer.»

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