SPORT
07.09.2009

07.09.2009 | Berlin (dpa)
Pechstein nach 50 Tagen wieder auf dem Eis
Claudia Pechstein gab sich locker und gelöst, ihre Trainingskameraden staunten über den Medien-Auflauf: Genau 50 Tage nach Durchsetzung ihres Trainingsverbots hat Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein in Berlin wieder ein Comeback auf dem Eis gefeiert.
Die Grundlage dafür bildete die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofes CAS über ihren Eilantrag. Danach darf die wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrte Hauptstädterin wieder an Trainingsmaßnahmen teilnehmen, ist von Wettkämpfen aber weiterhin suspendiert.
«Ich bin sehr erleichtert, dass ich endlich wieder mit einem Team trainieren kann. Ich fühlte mich schon wie eine Aussätzige: Ich habe nichts getan und werde mit Doping-Sündern in eine Ecke gestellt», sagte die 37-Jährige vor dem Training mit den deutschen Sprintern in Hohenschönhausen und fügte vor mehreren Fernseh-Kameras hinzu: «Als Einzelgängerin war das Training echt blöd. Es ist schöner, dass ich mich jetzt in Ruhe auf Olympia vorbereiten kann.»

Darüber aber wird der CAS erst in seine Hauptverhandlung im Oktober entscheiden. «Recht haben und Recht bekommen ist manchmal ein Unterschied», räumte sie daher selbst ein. Zuvor möchte Pechstein unbedingt mit Hilfe einer Langzeitstudie noch ihre erhöhten Retikulozytenwerte erklären und ist dabei auf das Entgegenkommen der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA angewiesen.
Zum Stand der Gespräche mit der NADA wollte Pechstein nichts sagen, erklärte aber, dass sie bereit sei, alle Belastungen, die mit einer solchen Studie verbunden sind, auf sich zu nehmen, «wenn das Ganze unter menschlichen Umständen» vollzogen wird. «Mehr kann ich nicht tun, um meine Unschuld zu beweisen», wiederholte die Athletin und weiß genau um die wichtige Rolle, die die NADA dabei spielt. «Es ist die einzige Instanz, die so etwas unabhängig betreuen kann. Ich denke, die NADA wird die Regeln festlegen, ich jedenfalls würde mich daran halten», sagte Pechstein.
«Ich brauche nur eine Runde, dann bin ich wieder drin. Das war heute nur eine erste Eis-Gewöhnung, erst morgen geht es wieder über längere Distanzen», sagte Pechstein nach den ersten 35 Minuten auf dem Eis. «Nichts ist mehr so wie vorher», meinte hingegen der deutsche Sprint-Meister Samuel Schwarz nach dem gemeinsamen Training. «So einen Fall habe ich noch nie erlebt. Früher war so etwas für uns ganz weit weg, jetzt ist es ganz nah. Das ist schon eine absolute Besonderheit. Aber wir haben den Fakt akzeptiert, dass es viele Unklarheiten im Fall Pechstein gibt», fügte der Berliner hinzu. «Ich habe aber ganz andere Aufgaben, will mich für Olympia qualifizieren. Das ist für mich viel wichtiger, als mich hier mit den Neuigkeiten um Claudia Pechstein zu beschäftigen», sagte er.
Bundestrainer Bart Schouten freute sich über die Medien-Resonanz beim Training seiner Männer. «Es ist kein Problem, dass Claudia mit uns trainiert. Ich habe ihr unsere Trainingspläne mitgeteilt und wenn sie sich da beteiligt, ist das in Ordnung», sagte der Niederländer.




Kommentare