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18.09.2009 | Berlin (dpa)
Inoffizielle Marathon-WM in Berlin mit Top-Duell
Weltrekordler gegen zweitschnellsten Läufer der Marathon-Geschichte: Nur vier Wochen nach der Weltmeisterschaft avanciert der 36. Berlin-Marathon zur inoffiziellen WM in der 42,195 Kilometer langen Königsdisziplin. Das Top-Duell zwischen dem dreimaligen Sieger Haile Gebrselassie und dem Weltjahresbesten Duncan Kibet aus Kenia verspricht an diesem Sonntag (09.00 Uhr/RBB) das
spannendste Rennen seit Jahren bei der größten deutschen Laufveranstaltung. «Ich bin in guter Form», sagte Gebrselassie am Freitag, wollte aber keine weitere Bestmarke ankündigen: «In Berlin denkt man immer an die Zeit. Zu gewinnen ist das eine, den Rekord zu brechen, ist etwas Besonderes.» Nicht nur die Konkurrenz, vor allem Temperaturen von bis zu 25 Grad könnten Gebrselassie bremsen.
Zu sehr ins Schwitzen werden wohl viele Hobby-Läufer kommen. Die Rekordzahl von 40 923 hat sich zur Veranstaltung unter dem Motto «20 Jahre grenzenlos laufen» angemeldet, etwa 35 000 dürften tatsächlich auf den Startschuss von Fußball-Bundestrainer Joachim Löw warten. Erinnert wird daran, dass der Marathon 1990 kurz vor der deutschen Vereinigung erstmals durch das Brandenburger Tor führte. Bereits am Samstag wollen 7612 Inline-Skater nach dem Startschuss von Radprofi Jens Voigt durch die Hauptstadt rasen, 10 000 Schüler wollen ihren Mini-Marathon laufen. Am Sonntag sind auch Rollstuhlfahrer und Handbiker dabei, unter ihnen der einstige Weltklasseturner Ronny Ziesmer. Das Budget liegt bei sieben Millionen Euro.

Der spitzensportliche Fokus liegt auf dem Männer-Rennen, in dem weltweit erstmals drei Starter mit Bestzeiten unter 2:05 Stunden dabei sind. Gebrselassie schaffte mit 2:04:26 und 2:03:59 in den vorigen beiden Jahren jeweils Weltrekorde und könnte mit dem vierten Erfolg in Serie alleiniger Rekordsieger werden. Nur der 36-jährige Äthiopier war bisher schneller als Duncan Kibet: Der 31-Jährige spurtete als zeitgleicher Sieger vor James Kwambai in Rotterdam am 5. April nach 2:04:27 ins Ziel. Der 37-jährige Kenianer Sammy Korir wurde 2003 in einem unvergessenen Rennen in Berlin nach 2:04:56 knapp hinter Landsmann Paul Tergat Zweiter.
Gebrselassie hatte lange nicht mehr so starke Konkurrenz, nachdem er weder den Olympia-Marathon in Peking noch den WM-Marathon bestritt. Doch das in Berlin äußerst beliebte Idol ist kein «Hasenfuß», zumal anders als im Vorjahr keine Wadenverletzung im Training störte. Die erste Hälfte will er in höchstens 1:01:30 Stunden absolvieren. «Dann werde ich sehen, wie es nach 30 Kilometern läuft. Es ist auch ein Rennen gegen die Strecke», meinte Gebrselassie und warnte, Kibet werde nicht der einzige Rivale sein. «Ich sehe die Chance, besser als in Rotterdam zu laufen», sagte Kibet, der sich möglichst lange an Gebrselassies Fersen heften will. Einen Weltrekord mochte auch Kibet nicht versprechen.

«Nachdem wir ein perfekt auf Haile zugeschnittenes Rennen organisiert haben, hatten wir den Ansatz, das Rennen etwas dramatischer zu gestalten», sagte Renndirektor Mark Milde. Insgesamt 130 000 Euro Prämien für Sieg und Weltrekord sowie Berlins Ruf als schnelles Pflaster mit sechs Bestmarken seit 1998 sind für die Stars Anreiz genug, eine WM sausen zu lassen.
Die Frauen stehen ein Jahr nach dem Triumph von Irina Mikitenko diesmal nur im Schatten der Männer. Die deutsche Rekordhalterin hatte wegen des Todes ihres Vaters für die WM abgesagt und startet am 11. Oktober in Chicago. Die anderen deutschen Asse - also auch die Männer - erholen sich von der WM. Favoritin ist die Vorjahres-Zweite Askala Tafa Magarsa. Die 24-jährige Äthiopierin musste in diesem Jahr jedoch vier Monate wegen einer Verletzung am linken Fuß pausieren und macht wie Landsmann Gebrselassie viel vom Wetter abhängig.
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Fotos: Nicky Schäfer & Stephanie Jammer




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