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SPORT

 

21.09.2009 | Paris (dpa)

Formel-1-Skandal: Bewährungsstrafe für Renault

 

Im Unfall-Skandal der Formel 1 ist der Renault- Rennstall zu einer Sperre von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Diese Entscheidung gab der Internationale Automobilverband FIA bekannt.

 

Der in der Vorwoche als Teamchef zurückgetretene Flavio Briatore wurde vom Motorsport-Weltrat für «unbegrenzte Zeit» aus allen FIA- Rennserien verbannt. Briatore soll den damaligen Renault-Piloten Nelson Piquet Jr. beim Singapur-Rennen 2008 dazu angestiftet haben, absichtlich einen Unfall zu verursachen und so Teamgefährte Fernando Alonso den Sieg zu ermöglichen. Der frühere Renault-Chefingenieur Pat Symonds wurde für fünf Jahre gesperrt.

 

Zuvor war der spanische Formel 1-Fahrer Fernando Alonso vom Motorsport-Weltrat aufgefordert worden, seine Version der Geschehnisse beim manipulierten Singapur-Rennen 2008 zu schildern. Sein damaliger Teamgefährte Nelson Piquet Jr. hatte auf Anweisung von Teamchef Flavio Briatore und Chefingenieur Pat Symonds absichtlich einen Unfall verursacht. Die so erzwungene Safety-Car-Phase ermöglichte Alonso den Sieg. Der 28-Jährige bestritt bislang, von dem Komplott gewusst zu haben.

Renault hatte in der Vorwoche mit dem erzwungenen Rückzug von Briatore und Symonds praktisch seine Schuld eingestanden. Bei der Verhandlung wollte sich der französische Autobauer nicht gegen die Betrugsvorwürfe verteidigen. Schon nach 90 Minuten war die Anhörung beendet, das Urteil sollte noch am Montag verkündet werden. Dem Rennstall drohen harte Strafen bis hin zum Ausschluss aus der Königsklasse. «Was sie getan haben, war sehr ernst. Dafür gibt es keine Entschuldigung», meinte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone.

 

Der Brite lobte jedoch die Reaktion von Renault, nachdem der Skandal durch Piquets Aussagen bekanntgeworden war. «Sie haben schnell gehandelt und sich von den Schuldigen getrennt. Das müssen wir berücksichtigen. Wir müssen Augenmaß beweisen», erklärte Ecclestone. Red-Bull-Teamchef Christian Horner, dessen Rennstall Renault-Motoren bezieht, warnte vor einer Verbannung des Rivalen. «Es wäre für die Formel 1 ein Desaster, ein Team zu verlieren, und in unserem Fall einen Motorenlieferanten. Ich bin sicher, die FIA wird verantwortungsbewusst handeln», sagte Horner der BBC.

 

Piquet Jr., der nach seiner Entlassung im Juli sein Schweigen über die Vorfälle brach, kommt als Kronzeuge in jedem Fall ungeschoren davon. FIA-Präsident Max Mosley hatte dem Brasilianer für seine Aussagen Straffreiheit zugesichert. Der Finne Ari Vatanen, der sich neben dem Franzosen Jean Todt um die Nachfolge Mosleys bewirbt, kritisierte die Garantien für den Piloten. «Dass Immunitätssystem ist sehr gefährlich. Ich denke, jeder sollte die Verantwortung für seine Taten tragen. Die Entscheidung lag letztendlich bei Piquet selbst, es zu tun oder auch nicht. Dieser Verantwortung sollte er sich nicht entziehen können», sagte Vatanen.


Chronologie | «Crashgate»: Die Betrugsaffäre um Renault


Wegen des Unfall-Skandals von Singapur 2008 hat der Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobilverbandes FIA am Montag in Paris den Formel-1-Rennstall Renault zu einer Sperre von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Der ehemalige Teamchef Flavio Briatore wurde für «unbegrenzte Zeit» aus allen FIA-Rennserien verbannt, der Ex-Chefingenieur Symonds für fünf Jahre gesperrt. Damit endete die Affäre «Chrashgate», die seit Wochen die Formel 1 überschattet hatte. Renault hatte sich vor dem FIA-Weltrat für den inszenierten Unfall von Nelson Piquet Jr. beim Nachtrennen in Singapur zu verantworten, der seinem Teamkollegen Fernando Alonso den Weg zum Sieg ebnete. Piquet und Alonso kamen straffrei davon. Die Deutsche Presse-Agentur dpa dokumentiert den Verlauf des Skandals:

Das KOMPLOTT:

27. September 2008: Nach Aussage von Renault-Chefingenieur Pat Symonds schlägt ihm der Brasilianer Piquet am Tag vor dem Rennen in Singapur vor, absichtlich einen Unfall zu verursachen.

28. September 2008: Bei einem Treffen zwischen Teamchef Flavio Briatore, Symonds und Piquet wird angeblich das Unfall-Szenario diskutiert. Symonds soll Piquet erklärt haben, dass Kurve 17 die beste Stelle für einen Crash ist, um mit Sicherheit eine Safety-Car-Phase zu verursachen.

Das RENNEN:

Runde 12: Alonso kommt ungewöhnlich früh zu einem Boxenstopp. Via Funk überzeugt ihn Symonds, dass diese Strategie sinnvoll ist, auch wenn der Spanier als Letzter auf die Strecke zurückkehrt.

Runde 14: Bei Kurve 17 fährt Piquet in die Mauer. Telemetriedaten zeigen, dass der Rennfahrer seinen Fuß nicht wie normalerweise an dieser Stelle vom Gas nahm. Zuvor hatte er sich mehrfach erkundigt, in welcher Runde er sich befindet. Nach dem Unfall kommt für sechs Runden das Safety-Car auf die Strecke. Alonso rückt immer weiter vor, weil er als einer der wenigen schon getankt hat.

Runde 34: Alonso übernimmt die Führung und gibt sie bis ins Ziel nicht mehr ab. Es ist der erste Saisonsieg für Renault.

Der SKANDAL:

26. Juli 2009: Der Ungarn-Grand-Prix ist das letzte Rennen für Piquet im Renault. Danach wird er wegen Erfolglosigkeit entlassen. Im Gegenzug kontaktiert sein Vater Nelson Piquet Sen. FIA-Präsident Max Mosley und kündigt eine Aussage seines Sohnes in Sachen Singapur an.

30. Juli 2009: Bei einer Anhörung in Paris erklärt Piquet Jr., Briatore und Symonds hätten ihn angewiesen, den Unfall zu verursachen. Er sei darauf eingegangen, weil er sich einen Vertrag für die neue Saison sichern wollte.

3. August 2009: Piquet Jr. gibt auf seiner Internetseite offiziell bekannt, dass Renault ihn entlassen hat. Er bezeichnet Briatore, der auch sein Manager ist, als «meinen Henker».

17. August 2009: Im Büro der privaten Ermittler von Quest, die von der FIA mit der Untersuchung beauftragt wurden, nennt Piquet Jr. bei einer zweiten Befragung weitere Details.

27. August 2009:
Am Rande des Großen Preises von Belgien in Spa-Francorchamps werden Alonso und die Renault-Teamführung zu den Vorwürfen vernommen. Alonso erklärt, nichts gewusst zu haben. Briatore weist die Anschuldigungen zurück. Symonds verweigert in den meisten Punkten die Aussage.

30. August 2009: Unmittelbar nach dem Belgien-Rennen berichten Medien in Brasilien erstmals über den Skandal. Die FIA bestätigt zunächst nur Ermittlungen bei einem früheren WM-Rennen.

4. September 2009: Die FIA lädt Renault zu einer außerordentlichen Sitzung des Motorsport-Weltrats am 21. September vor.

10. September 2009: Aus unbekannter Quelle tauchen immer mehr Details aus den FIA-Ermittlungen in der Öffentlichkeit auf.

11. September 2009: Renault und Briatore erstatten Strafanzeige gegen die Piquets wegen «falscher Anschuldigungen im Zusammenhang mit einem Erpressungsversuch». FIA-Chef Mosley sichert Piquet Jr. Straffreiheit zu. Auch Symonds soll ein ähnliches Angebot erhalten haben, wenn er umfassend aussagt.

16. September 2009: Briatore und Symonds verlassen das Renault-Team. Der Rennstall gibt bekannt, dass er «die Anschuldigungen der FIA nicht bestreitet» - praktisch ein Schuldeingeständnis.

21. September 2009: Nach einer 90-minütigen Anhörung in Paris verurteilt der Motorsport-Weltrat den Rennstall Renault zu einer
Sperre von zwei Jahren auf Bewährung. Briatore wird für «unbegrenzte Zeit» aus allen FIA-Rennserien verbannt. Symonds wird für fünf Jahre gesperrt.

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