SPORT

23.09.2009 | München (dpa)
Favre in Not: Hertha-K.o. im Pokal
Trainer Lucien Favre hat mit Hertha BSC auch im DFB-Pokal Schiffbruch erlitten und gerät noch mehr unter Druck. Der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga verlor am Mittwochabend mit 1:4 im Elfmeterschießen beim Zweitligisten TSV 1860 München, der vor 17 000 Zuschauern in der Allianz Arena ins Achtelfinale einzog. Im Elfmeterschießen zeigten die Berliner Nerven, Gojko Kacar scheiterte am Ex-Herthaner Gabor Kiraly. Zudem verschoss Christoph Janker, während bei den «Löwen» alle vier angetretenen Schützen trafen. Nach der regulären Spielzeit und Verlängerung hatte es 2:2 gestanden.
«Es ist schwer, das zu akzeptieren», sagte Favre. Hertha-Kapitän Arne Friedrich hatte immerhin eine Steigerung seiner Mannschaft ausgemacht. «Es ist sehr sehr bitter, dass wir verloren haben, aber man hat gesehen, dass wir nicht tot sind. Im Moment haben wir auch nicht das nötige Glück», sagte Friedrich. 1860-Coach Ewald Lienen dagegen war begeistert. «Die Mannschaft hat sich belohnt für dieses großartige Spiel. Gabor Kiraly war überragend», sagte Lienen.

Eigentorschütze Rasmus Bengtsson (10.) und Kevin Cooper (50.) hatten die «Löwen» in der regulären Spielzeit mit 2:0 in Führung gebracht. Ein Doppelschlag von Adrian Ramos (76.) und «Joker» Waleri Domowtschijski (79.) rettete die Berliner in die Verlängerung. In der hatte der starke Lukasz Piszczek Pech mit einem Pfostenschuss (112.). Allein das Aufbäumen seiner Mannschaft gegen den Pokal-K.o. durfte Favre nach fünf Bundesliga-Niederlagen in Serie als positiv verbuchen. «Es ist gut, dass wir Moral gezeigt haben», sagte Friedrich. Wir haben gezeigt, dass wir wollten.»
Drei Tage nach der blamablen 0:4-Schlappe gegen den SC Freiburg präsentierten sich die Berliner aber auch in München lange Zeit harmlos. Auch ohne den angeschlagenen Artur Wichniarek (Leiste) hatte Favre zwar eine durchaus offensiv ausgerichtete Elf aufgeboten, aber der Effekt blieb gleich Null: Einen gefährlichen Angriff über Patrick Ebert und Adrian Ramos kreierten die Gäste in der ersten Spielhälfte, doch Kiraly parierte den Schuss von Cicero (23.).

Zur Hertha-Krise passte das frühe Eigentor: Einen Eckball von Sandro Kaiser ließ Youngster Sascha Burchert, der wiederum für den verletzten Jaroslav Drobny das Tor hütete, unentschlossen passieren - und der Ball prallte von Bengtssons Oberschenkel ins Tor. Immerhin konnte der 19-jährige Burchert in der Nachspielzeit der ersten Hälfte einen gefährlichen Schuss von «Löwen»-Verteidiger José Holebas mit einem Reflex parieren und so zunächst Schlimmeres verhindern.
Gleich nach der Pause wurde die Hertha auch noch klassisch ausgekontert. Der flinke Kaiser überlief Gegenspieler Nemanja Pejcinovic auf dem rechten Flügel, passte präzise nach innen auf Cooper, und der US-Amerikaner überwand aus 18 Metern Burchert.
Ergeben wollten sich die Gäste aber nicht. Als die «Löwen»-Fans schon Schmähgesänge anstimmten («Zweite Liga - Hertha ist dabei»), war Ramos aus kurzer Entfernung zur Stelle und staubte ab. Und «Joker» Domowtschijski legte nur drei Minuten später per Kopf das 2:2 nach. In der Verlängerung hatte Hertha mehr zuzusetzen, aber 1860-Keeper Kiraly konnte mehrfach retten und hatte zudem Glück beim Pfostenschuss von Piszczek.
Stimmen zum Spiel
Ewald Lienen: Wir haben über weite Strecken des Spiels die Kontrolle behalten und leidenschaftlich verteidigt. Nach der Einwechslung von Kacar haben wir jedoch richtig Probleme bekommen und unsere Linie verloren. Dann steht es plötzlich 2:2, und wir haben richtig Glück gehabt, dass wir uns irgendwie bis ins Elfmeterschießen gerettet haben. Am Ende müssen wir Gabor Kiraly und vielleicht auch dem lieben Gott danken, dass wir letzendlich doch noch als Sieger vom Platz gegangen sind.
Lucien Favre: Gratulation an 1860 München. In der ersten Halbzeit waren wir nicht gut, aber in den zweiten 45 Minuten haben wir dann richtig Gas gegeben und ab diesem Zeitpunkt das Spiel bestimmt. Es war eine extrem spannende Partie, die wir am Ende - wenn man an unsere Chancenverwertung in der zweiten Hälfte denkt - unverdient verloren haben. Aber die Leistung meiner Mannschaft ab der zweiten Halbzeit stimmt mich optimistisch für die nächsten Spiele.
Arne Friedrich: Wir sind natürlich alle niedergeschlagen. Aber die Mannschaft hat hier Moral gezeigt und eine gute Aufholjagd gestartet. In der Verlängerung hätten wir das Spiel sogar gewinnen müssen. Gabor hat auch super gehalten, aber trotzdem hätten wir den Sack noch vor dem Elfmeterschießen zumachen müssen. Wir haben hier viel investiert, die Moral hat gestimt, aber dennoch sind wir leider ausgeschieden.
Gojko Kacar: Ich bin sehr traurig, denn wir haben hier unser Bestes gegeben und nach dem Rückstand eine sehr gute Partie abgeliefert. Ab jetzt müssen wir uns auf die Bundesliga konzentrieren und sofort punkten.
Pal Dardai: Natürlich ist das eine herbe Enttäuschung für uns. Wir bekommen noch eine halbe Stunde extra, um das Spiel noch zu drehen, und dann will der Ball einfach nicht ins Tor. Im Elfmeterschießen war es dann eine Lotterie und ich muss zugeben, da waren die Löwen dann einen Deut besser als wir. Wir müssen jetzt das Positive mitnehmen, wir haben die Zweikämpfe angenommen und uns Torchancen herausgespielt, das müssen wir jetzt in Hoffenheim konsequent so weiterspielen.
Maximilian Nicu: Nach dem 0:2 sind wir wieder ins Spiel zurückgekommen und haben die richtige Reaktion gezeigt. Umso enttäuschender ist es, dass wir hier noch verloren haben. Ich denke, wir können auf der Leistung in der zweiten Spielhälfte aufbauen, wir werden jetzt wieder aufstehen, weiterkämpfen und in die Erfolgsspur zurückfinden.
Quelle: www.herthabsc.de
Ergebnisse Fußball-DFB-Pokal - 2. Runde:
Dienstag, 22.09.2009:
Eintracht Trier - Arminia Bielefeld 4:2 n.V. (2:2,0:0)
1. FC Nürnberg - 1899 Hoffenheim 0:1 (0:1)
Bayern München - Rot-Weiß Oberhausen 5:0 (2:0)
Bor. Mönchengladbach - MSV Duisburg 0:1 (0:0)
Rot Weiss Ahlen - SpVgg Greuther Fürth 2:3 n.V. (1:1,0:0)
Karlsruher SC - Borussia Dortmund 0:3 (0:2)
VfL Bochum - FC Schalke 04 0:3 (0:1)
TuS Koblenz - Energie Cottbus 4:2 n.V. (2:2,1:1)
Mittwoch, 23.09.2009:
TSV 1860 München - Hertha BSC 4:1 i.E. (2:2,2:2,1:0)
FC Augsburg - SC Freiburg 1:0 (0:0)
Werder Bremen - FC St. Pauli 2:1 (1:0)
Eintracht Frankfurt - Alemannia Aachen 6:4 (3:1)
VfL Osnabrück - Hamburger SV 4:2 i.E. (3:3,2:2,0:0)
VfB Lübeck - VfB Stuttgart 1:3 n.V. (1:1,1:0)
1. FC Kaiserslautern - Bayer Leverkusen 2:1 (1:0)
1. FC Köln - VfL Wolfsburg 3:2 (2:0)




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