SPORT

03.10.2009 | Berlin (dpa)
Funkel fängt bei Hertha an - "Keine Wunderdinge"
Friedhelm Funkel hat den Feuerwehr-Job bei Hertha BSC angetreten und soll schon am Sonntag (17.30 Uhr/Sky) gegen den bisherigen Spitzenreiter Hamburger SV die Talfahrt des Tabellen-Letzten stoppen. Funkel wurde am Samstag offiziell als neuer Trainer des Fußball-Bundesligisten vorgestellt, der Taktik-Fuchs Lucien Favre am Montag nach sechs Liga-Pleiten in Folge entlassen hatte.
«Hertha ist für mich ein Top-Verein, auch wenn es in der Tabelle im Moment nicht so ausschaut. Die Mannschaft hat das Potenzial. Das wollen wir versuchen, in den nächsten Wochen wieder abzurufen», sagte Funkel, der am Nachmittag erstmals das Training leitete. Der 55-Jährige erhält beim Schlusslicht nach Angaben von Sport-Geschäftsführer Michael Preetz einen Vertrag bis zum Saisonende, der sich im Fall des Klassenerhaltes um eine weitere Saison verlängert.

«Ich habe 'ne Gänsehaut bekommen, als der Micha angerufen hat», bekannte Funkel, der als Co-Trainer den 50 Jahre alten Christoph John mitbringt, mit dem er schon beim 1. FC Köln zusammengearbeitet hat. Der Routinier zeigte sich heiß auf seinen neuen Job: «Es ist einfach richtig gut, eine Bundesliga-Mannschaft zu trainieren. Das ist heute noch so wie vor 18 Jahren. Wenn ich am Sonntag kurz vor sechs Richtung Trainerbank gehe, ist das - auf neudeutsch - richtig geil.»
Preetz stellte die Erfahrung von Funkel heraus, der als Spieler und Trainer auch in drei DFB-Pokalendspielen in Berlin dabei war und davon schwärmte. «Er ist so was wie ein Kind der Bundesliga. Er hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er in der Lage ist, einer Mannschaft zu helfen, die in so einer Lage ist wie wir», sagte Preetz, betonte aber auch, dass Funkel fünf Jahre kontinuierliche Arbeit bei Eintracht Frankfurt geleistet habe. «Wir sind überzeugt, dass wir mit Friedhelm Funkel den Turnaround schaffen und uns von den unteren Regionen Stück für Stück entfernen werden», sagte Preetz. Funkel mahnte allerdings zur Geduld: «Es darf keiner Wunderdinge erwarten, das braucht vielleicht auch ein bissel Zeit.»

Unter Favre hatten die Herthaner in der Vorsaison lange um die Meisterschaft mitgespielt und waren am Ende Vierter geworden. Nach der Trennung vom Schweizer hatte U-23-Trainer Karsten Heine schon zum vierten Mal als Interimscoach fungiert und die Hauptstädter beim 0:1 in der Europa League am Donnerstag bei Sporting Lissabon betreut.
Preetz wehrte sich dagegen, dass rings um die Entlassung von Favre die Loyalität der Mannschaft um Kapitän Arne Friedrich infrage gestellt worden sei. Favres Assistent Harald Gämperle hatte nach dem letzten gemeinsamen Training die Profis massiv angegriffen. Preetz nahm indes besonders Friedrich in Schutz. Es sei «eine Sauerei», dem 67-maligen Nationalspieler zu unterstellen, nicht alles für den Club zu tun. «Er ist der wichtigste Ansprechpartner für mich und ist auch für Friedhelm Funkel der wichtigste. Wir werden nur gemeinsam aus der Situation herauskommen», sagte Preetz.
Ob Friedrich nach seinem Bluterguss im Oberschenkel am Sonntag gegen den HSV wieder zur Verfügung steht, ist noch offen. Auch die Rückkehr von U 21-Europameister Patrick Ebert ist fraglich. Ferner fehlen weiterhin Stammtorhüter Jaroslav Drobny, Cicero, Florian Kringe und Fabian Lustenberger.
Auf der nächsten Seite: Funkel zehnter Hertha-Coach seit Wiederaufstieg...




Kommentare