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Button ist Weltmeister!
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18.10.2009 | São Paulo (dpa)

Button Champion: "Habe es verdient" - Vettels Traum geplatzt

Nach seinem Champions-Coup genoss Triumphator Jenson Button die Champagner-Dusche, verbeugte sich mit umgebundener britischer Flagge immer wieder, reckte beide Fäuste in den Himmel und küsste inbrünstig die Kameras. Mit einer weltmeisterlichen Aufholjagd hat sich der Brawn-Mercedes-Pilot beim packenden Großen Preis von Brasilien vorzeitig die Krone gesichert und Sebastian Vettels minimalen Formel-1-Titeltraum zerstört. «We are the Champions», brüllte der Brite nach Überqueren der Ziellinie auf Rang fünf überglücklich und schrie: «Yeah, yeah.» Der trotz großartigen Kampfes nur Viertplatzierte Vettel gratulierte seinem Widersacher sichtlich niedergeschlagen: «Jenson hat die meisten Punkte gesammelt. Glückwunsch, mehr gibt es nicht zu sagen.» In Mark Webber gewann am Sonntag in São Paulo der falsche Red-Bull-Pilot.

Beim BrawnGP-Team und dem Button-Clan brachen nach vollbrachter Titel-Tat alle Dämme. Trotz eines leichten Regenschauers herrschte Samba-Stimmung und der Sekt floss in Strömen. «Es ist mehr als eine Erleichterung. Alle Erinnerungen, die guten und die schlechten, gehen dir durch den Kopf», schilderte Button den bewegenden Moment. «Es ist großartig, hier als Champion zu sitzen. Ich habe es verdient. Das war das beste Rennen meines Lebens. Was ich zu tun hatte, habe ich gemacht.»

Button profitierte bei seinem Titel-Triumph auch von seinem schwächelnden Teamkollegen Rubens Barrichello, der die Pole Position nicht zum langersehnten Heimsieg nutzen konnte und sich nach einem Plattfuß kurz vor Schluss sogar mit Rang acht begnügen musste. Button lieferte dagegen mit seinem fünften Platz Maßarbeit ab. «Die letzten Rennen waren etwas stressig», räumte der 29-Jährige ein. «Aber dieses Rennen war der perfekte Weg, Weltmeister zu werden.»

Der Brawn-Mercedes-Pilot mit dem Playboy-Image strafte mit seinem beherzten Auftritt im Autodromo José Carlos Pace alle Kritiker Lügen, die ihm angesichts zuletzt bescheidener Leistungen unterstellt hatten, im Finale Nerven zu zeigen. Aggressiv und präzise raste er vom scheinbar aussichtslosen Startplatz 14 in die Punkte und zum Titel. BrawnGP sicherte sich als Krönung zudem schon vor dem Saisonfinale am 1. November auch den Konstrukteurs-Titel.

«Ich bin so voller Gefühle. Das ist wirklich emotional. Mein Herzschlag war wirklich wahnsinnig hoch, ich hatte nur ein Glas Rotwein», sagte Papa John Button tief bewegt. «Jenson wollte diesen Traum immer wahr machen. Jetzt ist er Weltmeister - für immer.» Zu den ersten Gratulanten gehörten Fahrer-Kollegen, Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug: «Glückwunsch an Jenson und BrawnGP zum Gewinn beider WM-Titel - unser Motor hat gute Arbeit geleistet und der Kunde ist jetzt König in der Formel 1.»

In der Fahrerwertung führt Button vor dem Finale mit 89 Punkten uneinholbar vor Vettel (74). Für den Heppenheimer war es nur ein schwacher Trost, Barrichello (72) als Gesamtzweiten abgelöst zu haben. Für Button wird die Rennpremiere in Abu Dhabi in zwei Wochen zum entspannten Schaulaufen.

Webber leistete mit seinem zweiten Saisonsieg nach dem Nürburgring zugleich Button unfreiwillig Schützenhilfe. Der Australier gewann nach 71 Runden auf dem dem 4,309 Kilometer langen Berg-und-Tal-Kurs in 1:32:23,081 Stunden. Der Pole Robert Kubica belegte im BMW-Sauber mit 7,626 Sekunden Rückstand den zweiten Platz vor dem entthronten Champion Lewis Hamilton im Silberpfeil.

Nico Rosberg schied in der 27. von 71 Runden aus. «Es war ein Getriebeproblem, sonst wären wir weit nach vorne gekommen», bedauerte der Williams-Pilot aus Wiesbaden das Aus. BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) musste vier Umläufe früher wegen Problemen an der Tankanlage aufgeben. Für Adrian Sutil war der Grand Prix nach einem Crash schon nach gut einem Kilometer vorbei.

Button bot eine bravouröse Leistung: Der Brite fuhr wie entfesselt und kämpfte sich von Startposition 14 nach teilweise wilden Attacken schnell auf Rang sieben vor. Danach reduzierte er das Risiko. «Ich wusste, mehr brauche ich nicht», sagte der klug fahrende Champ später. Vettel blieb lange hinter dem BrawnGP-Mann ohne Chance, nach vorne vorzustoßen. Am Schluss trumpfte der Hesse aber noch mächtig auf. «Nach Startplatz 15 war nicht mehr drin», sagte Vettel dennoch tief enttäuscht. «Es gibt jemand, dem es bessergeht als mir.» Trotz einer insgesamt guten Saison sagte er: «Schöner wäre es gewesen, am Ende ganz oben zu stehen.»

Vettels vage Chancen auf den Titel waren allerdings bereits im sintflutartigen Regen am Samstag in der Qualifikation regelrecht untergegangen. Weil ihn sein Team zum falschen Zeitpunkt auf die überflutete Strecke schickte, schied er schon in der ersten K.o.- Runde aus. «Ich habe heute meinen Freischwimmer gemacht», sagte Vettel mit Galgenhumor. In der Aufwärmrunde am Sonntag dann der nächste Schock: Am Red Bull fiel ein Beutel mit Trockeneis heraus; das Auto musste am Kühlungsschacht geklebt werden.

Gleich nach dem Start ging es kräftig zur Sache und es gab jede Menge Kleinholz. Sutil, der sich nach Position drei Hoffnungen auf den ersten Podestplatz machen durfte, schied nach einer Kollision mit Jarno Trulli im «Senna S» in Runde eins aus. «Ich hab plötzlich einen Schlag gekriegt und die Kontrolle verloren. Dann war alles vorbei», schilderte der Force-India-Pilot (Gräfelfing) seinen Blitz-K.o.

Kimi Räikkönen und beide McLaren-Mercedes mussten nach «Feindberührung» zur Reparatur an die Box. Als Heikki Kovalainen mit dem Tankrüssel am Silberpfeil zu früh lospreschte, verwandelte sich Räikkönens direkt dahinter folgender Ferrari kurz in einen Feuerball.

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