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29.11.2009 | Berlin (dpa)
Freier Fall ungebremst: Hertha-Chef warnt vor Chaos
Eine ratlose Hertha kann den freien Fall auch unter Friedhelm Funkel einfach nicht stoppen - eine weitere Notbremsung aber schließen die Berliner Clubchefs vehement aus. Nach dem bereits 13. sieglosen Bundesliga-Spiel in Serie und einer unterirdischen Vorstellung gegen Eintracht Frankfurt wollen die Verantwortlichen des Hauptstadt-Clubs jede Personaldiskussion unterdrücken, die bei der brisanten Mitgliederversammlung an diesem Montag aufkommen könnte. Und so übermittelte Präsident Werner Gegenbauer an die schwer enttäuschten Berliner Fans schon unmittelbar nach dem desaströsen 1:3 gegen Eintracht die klare, aber derzeit nur schwer zu beweisende Botschaft: «Ich bin weiter überzeugt, dass es Preetz und Funkel schaffen werden, die Mannschaft aus dem Tief herauszuführen.»

Manager und Dieter-Hoeneß-Nachfolger Michael Preetz, Chefcoach Funkel und Clubchef Gegenbauer werden sich unbequeme Fragen und viel Kritik anhören müssen. Fast vier Monate ohne Liga-Sieg, ganze fünf Punkte auf dem Konto, elfte Pleite im 14. Spiel, und sieben Zähler Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz: Die Spielzeit weist erschreckende Parallelen zur Katastrophen-Saison 1990/91 auf, als Hertha als abgeschlagener Letzter abgestiegen und danach sechs Jahre in der Bedeutungslosigkeit verschwunden war. «Die Situation ist in der Tat sehr, sehr ernst», gestand Gegenbauer, schloss aber schnelle Reaktionen aus. Das erste Mal hatten die Hertha-Chefs Ende September mit dem Rausschmiss von Trainer Lucien Favre die Notbremse gezogen.
Der Zorn der erwarteten 1000 Hertha-Mitglieder im Internationalen Kongress-Zentrum wird sich wohl nicht so sehr gegen Favre-Nachfolger Funkel richten, obwohl der nun auch schon sieben Partien ohne Sieg aufweist. Mehr dürften Manager Preetz und Präsident Gegenbauer in den Fokus geraten. Sogar über die Abwahl des kompletten Präsidiums könnte abgestimmt werden - allerdings würden die Kritiker für einen Sturz 75 Prozent aller Stimmen benötigen. Das scheint kaum möglich, zumal eine starke Opposition zu Gegenbauer & Co. fehlt. Der Präsident versucht mit beruhigenden Worten ein Chaos zu verhindern: «Das sind doch alles Herthaner. Sie wollen wissen, welcher der richtige Weg ist.» Ruhe im Umfeld sei jetzt das Wichtigste: «Die Ruhe werden wir haben, wenn wir am Montag klare Antworten geben», glaubt Gegenbauer.

Nach dem Tore-Dreierpack der Frankfurter Patrick Ochs (11.) Maik Franz (70.) und Alexander Meier (75.) demonstrierten viele der 48 253 Fans schon ihren Unmut, als sie lange vor Schluss das Olympiastadion verließen. Das 1:3 des Kolumbianers Adrian Ramos (81.) interessierte auch niemanden mehr. Eintracht reichten einfache Ballstafetten, eine konsequente Defensive und der herausragende rechte Außenläufer Ochs zum ersten Auswärtssieg nach zweieinhalb Monaten. «Für Hertha ging es um alles, wir haben dagegen gehalten und auch spielerisch einiges gezeigt», sagte Verteidiger Franz, der sein drittes Saisontor bejubeln durfte. Die Abstiegszone ist für Frankfurt mit 19 Punkten jetzt beruhigend weit weg.
In Berlin dagegen herrscht nur ein halbes Jahr nach Abschluss der Saison 2008/09, die sogar Meister-Träume geweckt hatte, das blanke Entsetzen. Von einem gefühlten Abstieg oder gar Ratlosigkeit aber will Funkel nichts wissen: «Das wäre ja fatal.» Das Team sei mit der Situation des Unbedingt-Siegen-Müssens nicht klargekommen. «Ich muss diese Situation in den nächsten Tagen ganz klar analysieren», sagte der Trainer, der am Donnerstag mit seinen verunsicherten Profis in der Europa League in Ventspils (Lettland) und drei Tage später auf Schalke antreten muss. Auch deshalb vermeidet er jede Panik: «Wir haben schlecht gespielt, aber es war kein Offenbarungseid.»




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