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06.12.2009 | Kapstadt (dpa)
Löw sieht Chance auf unbequemen WM-Weg
Respekt ja, Angst nein. Auf dem langen Rückflug aus Kapstadt hatte Joachim Löw seinen neuen WM-Plan schon im Kopf. Die unbequemen Gruppen-Kontrahenten Australien, Serbien und Ghana sind für den Bundestrainer auch eine große Chance.
«Dass die Mannschaft schon in der Vorrunde an ihr Limit muss, kann sie prägen», erklärte der Bundestrainer. Noch in Südafrika hatte Löw mit seinen engsten Vertrauten intensiv über das ideale Konzept diskutiert, mit dem die deutsche Nationalmannschaft das WM-Titelunternehmen 2010 angehen will. «Es ist schon eine heikle Aufgabe», sagte Löw, fügte aber auch selbstbewusst hinzu: «Wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken, wir haben Qualität. Unsere Spieler sind motiviert. Deshalb sind wir überzeugt, dass wir ein gutes Turnier spielen.»
Dass schon die Vorrunden-Partien gegen Australien am 13. Juni in Durban, gegen Serbien am 18. Juni in Port Elizabeth und gegen Ghana am 23. Juni im Endspielstadion Soccer City von Johannesburg von Michael Ballack und Co. größte Aufmerksamkeit verlangen, kommt Löw gar nicht so unrecht. «Es ist manchmal auch gut, wenn man mit allerhöchster Konzentration starten muss», sagte der Bundestrainer sechs Monate vor der ersten Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent. Die stimmungsvolle Zeremonie im International Convention Centre in Kapstadt hatte auf den 49-Jährigen fast wie eine Erleichterung gewirkt. «Das ist Spannung, das ist klasse. Wir wissen jetzt, was auf uns zukommt und können konkret arbeiten», erklärte Löw.

Im noblen Hotel Cullinan - benannt nach der Fundstätte des größten Diamanten der Welt - hatten Löw, Teammanager Oliver Bierhoff und ihre engsten Mitarbeiter schon 14 Stunden nach der Auslosung ihre Feinplanung für das Turnier 2010 begonnen. Priorität räumen die Chefs dem Auftaktspiel gegen die rustikalen Australier ein, zu dem der DFB- Tross in das eine knappe Flugstunde vom Basis-Quartier entfernte Durban reisen muss. «Es wird ein wichtiges Spiel für uns und es ist wichtig zu gewinnen. Und dann müssen wir mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein gegen Serbien und Ghana auftreten», betonte Löw. Sein ganz persönlicher Diamant soll der WM-Titel am 11. Juli werden.
Aus der Heimat erreichten den Bundestrainer von seinem Personal bereits kämpferische Reaktionen. «Es ist keine einfache Gruppe, definitiv nicht. Trotzdem ist die Gruppe machbar und eine Pflichtaufgabe, wenn man Weltmeister werden will», übermittelte Bayern-Stürmer Mario Gomez, dem am Freitag der erste Pflichtspieltreffer mit dem WM-Ball «Jabulani» gelang. Und sein Münchner Kollege Bastian Schweinsteiger betonte selbstbewusst: «Ich denke, dass die anderen Nationen mehr Respekt vor uns haben als wir vor ihnen.»
Einige Korrekturen am bisher angedachten Vorbereitungs-Fahrplan wurden noch in Südafrika besprochen. «Da müssen wir jetzt ein wenig was verändern», verriet Löw. Das Testspiel gegen Chile, das nach dem Ausfall im November auf die unmittelbare WM-Vorbereitung verschoben werden sollte, wird wohl gestrichen. Die Südamerikaner passen angesichts der WM-Gegner nicht ins Anforderungsprofil. «Wir haben kampfstarke Mannschaft in unserer Gruppe. Da werden wir körperlich gefordert werden», sagte Manager Bierhoff.

In der unmittelbaren WM-Vorbereitung, die nach dem Bundesliga- Abschluss am 8. Mai 2010 beginnt, sind drei Länderspiele geplant. Am ehesten wäre wohl ein britisches Team wie Irland oder Schottland denkbar, das Dynamik und Robustheit der WM-Kontrahenten Ghana und Australien simulieren könnte. Als Serbien-Double kämen Kroatien oder Bosnien infrage. Am 6. Juni will das DFB-Team in sein Basis-Lager vor den Toren Pretorias reisen. Das Trainingscamp ist in Österreich, wohl in Kärnten, geplant. Zuvor soll es Regeneration mit den Familien auf Sardinien geben. Bis zum 11. Mai muss Löw der FIFA einen provisorischen 35-Mann-Kader nennen, spätestens am 5. Juni wird das 23 Spieler umfassende WM-Aufgebot vom Weltverband erwartet.
Der Bundestrainer wird sich schon in den nächsten Tagen «so viele Informationen wie möglich» von den Gruppen-Kontrahenten besorgen. «Vor Serbien habe ich großen Respekt. Sie haben in der Qualifikation Frankreich hinter sich gelassen», sagte der Badener, der den Serben- Trainer Radomir Antic bestens kennt. Als Antic vor einigen Jahren Chefcoach des FC Barcelona war, hatte Löw bei ihm hospitiert. Ghana mit dem Weltstar Michael Essien ist für den DFB-Cheftrainer «zusammen mit Algerien die spielstärkste Mannschaft Afrikas». Kapitän Ballack könnte bei der Ghana-Vorbereitung eine wichtige Rolle zukommen, er kennt Essien als Kollegen des FC Chelsea bestens. «Da muss ich Michael mal anrufen, der hat die besten Informationen», bemerkte Löw schmunzelnd, bevor er nach Deutschland zurückkehrte.

04.12.2009 | Kapstadt (dpa)
Deutschland gegen Australien, Serbien und Ghana
Australien, Serbien und Ghana: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht bei der WM-Endrunde im kommenden Jahr in den Gruppenspielen vor einer unbequemen Aufgabe.
189 Tage vor dem Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko am 11. Juni wurden dem dreimaligen Champion bei der weltweit mit großer Spannung erwarteten Zeremonie die drei Gegner zugelost.
Die DFB-Auswahl, die seit 1986 kein Gruppenspiel mehr verloren hat, bestreitet ihr Auftaktspiel am 13. Juni in Durban gegen Australien. Fünf Tage später (18.) kommt es zum Kräftemessen mit Serbien in Port Elizabeth. Zum möglicherweise entscheidenden Duell in der gruppe D trifft die Mannschaft von Trainer Joachim Löw am 23. Juni in Johannesburg auf Ghana.

Sollte die Löw-Elf, die ihr Quartier vor den Toren Pretorias aufschlägt, die Vorrunde als Gruppensieger überstehen, würde sie das Achtelfinale am 27. Juni in Blomfontein bestreiten. Gegner wäre wie auch im Falle des zweiten Gruppenrangs eine Mannschaft aus der Gruppe C. Damit könnte schon in der ersten K.o.-Runde zum Klassiker gegen England kommen oder zu einem Duell mit den USA. Möglich sind aber auch Algerien oder Slowenien.
Als «Glücksfeen» agierten auch Makhaya Ntini, der erste dunkelhäutige Cricket-Nationalspieler Südafrikas, Matthew Booth, der derzeit einzige weiße Fußball-Nationalspieler des Landes, Südafrikas Fußball-Nationalspielerin Simphine Dludlu und John Smith, der Kapitän des südafrikanischen Rugby-Teams. Bislang waren die Sportler von der FIFA nur als Auslosungs-Assistenten ohne präzise Aufgabenbeschreibung bezeichnet worden.
Die wohl schwerste Gruppe erwischte Rekordweltmeister Brasilien. Die Samba-Kicker müssen gegen die hoch gehandelte Elfenbeinküste und Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo antreten. Komplettiert wird die Gruppe G von Nordkorea.

Titelverteidiger Italien muss in der Gruppe F gegen Paraguay, Neuseeland und die Slowakei ran. Europameister Spanien wurden in der Gruppe H die Schweiz mit Ex-Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld, Honduras und Chile zugelost.
Die Show im International Congress Centre von Kapstadt gab einen weiteren Vorgeschmack auf das, was die Fußball-Fans bei der ersten WM auf afrikanischem Boden erwarten können: Leichtigkeit, gute Laune, viel Gesang und Tanz. Kein Wunder, dass der WM-Ball den Namen «Jabulani» trägt, was übersetzt so viel wie «feiern» oder «zelebrieren» heißt. Mit lockeren Folklore-Rhythmen ging es los, durch die Auslosung führte an der Seite der in eine lange rote Robe gehüllte südafrikanischen Oscar-Preisträgerin Charlize Theron FIFA- Generalsekretär Jerome Valcke.
Noch bevor Staatspräsident Jacob Zuma zusammen mit FIFA-Präsident Joseph Blatter die Bühne betrat, wurde das ehemalige Staatsoberhaupt, Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela, per Videobotschaft zugeschaltet. «Wir sind geehrt und ehrfürchtig, dass Südafrika diese einzigartige Ehre zuteil geworden ist, Gastgeber zu sein», sagte Mandela. «Wir müssen danach streben, ein perfekter Ausrichter zu sein.» Blatter schwärmte von einer «Liebesgeschichte mit Afrika». Schon auf dem 200 Meter langen Weg vom Hotel zum Auslosungsort waren die Ehrengäste mit heißen Klängen vom Schwarzen Kontinent begrüßt worden. Geschätzte 200 Millionen Fußball-Anhänger verfolgten die Zeremonie weltweit vor den Fernsehern.
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