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SPORT

 

06.01.2010 | Hamburg (dpa)

Jubel-Diät für Briatore - «Prozess eine Farce»

 

Flavio Briatore verzichtete aus Diät-Gründen auf den Champagner, seinen Gegnern war erst gar nicht nach Feiern zumute.

 

«Die Lebenssperre des Formel-1-Betrügers Flavio Briatore ist aufgehoben, der Sport stürzt ins Chaos», kommentierte die britische Boulevard-Zeitung «The Sun» das Urteil des Tribunal de Grande Instance in Paris, das die Verbannung des Italieners aus dem Motorsport für unbestimmte Zeit als unzulässig erklärt hatte. Und Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone fürchtet nun: «Diese Sache ist noch nicht vorbei.» Mit der Rückkehr des PS-Paradiesvogels, der 2008 in Singapur einen Unfall angewiesen haben soll, rechnet Briatore-Kumpel und -Geschäftspartner Ecclestone allerdings nicht.

 

Der 59 Jahre alte Briatore will sich ohnehin erst einmal nur freuen über den «Sieg durch K.o.», wie ihn «Le Parisien» zitierte. Danach denke er an die «Formel Kind», schließlich werde er im März Vater. Es wird dann auch genug Zeit sein, über eine Rückkehr zu sinnieren.

Briatore nutzte die Gelegenheit und rechnete im «Corriere dello Sport» mit dem ehemaligen Präsidenten des Internationalen Automobil- Verbandes FIA, Max Mosley, ab. «Erst hatte Mosley versucht, mir die WM zu nehmen - erst mit Schumacher, dann mit Alonso - und dann wollte er mich mit dieser Geschichte zerstören», behauptete Briatore. Trotz des Jubels über den für ihn glücklichen Ausgang habe er aber keine Schampus-Flasche aufgemacht. «Nein, ich habe eine Cola aufgemacht. Ich bin auf Diät», meinte Briatore.

 

Der FIA dürfte das Urteil dagegen noch lange schwer im Magen liegen. Die Sperre, die der Motorsport-Weltrat am 21. September 2009 verhängte, habe solange Bestand, bis eine mögliche Berufung gegen das Pariser Urteil geklärt ist, hieß es vom Verband bereits.

 

Eine entscheidende Aussage über die tatsächliche Schuldfrage des Italieners machte das Gericht nicht. «Die Anschuldigung gegen Briatore, einem jungen Fahrer befohlen zu haben, einen Unfall zu bauen, wurden nicht entkräftet. Der Richter konzentrierte sich allein darauf, wie Briatores Sperre zustande gekommen war», kommentierte der «Daily Telegraph». Hart ins Gericht ging auch «La Gazzetta dello Sport» mit dem Pariser Richtern, die die Beweislage unter anderem für zu dünn hielten. «Der erste Prozess war eine Farce», meinte das Blatt. Ähnlich sah es «The Independent» und nannte das Urteil «schockierend». Aus Sicht der «Times» erlebte die FIA ein «böses Erwachen» zum Jahresbeginn. «Briatore gewinnt immer. Das Urteil aus Paris lässt die Anwälte der FIA lächerlich erscheinen», befand «El Mundo» aus Spanien.

Ein Comeback am Kommandostand, an dem er schon Michael Schumacher und Fernando Alonso zu WM-Titeln mitgeführt hatte, erscheint schwer vorstellbar. «Briatore kann in die Formel 1 zurückkehren, falls ihn irgendein Team unter Vertrag nehmen will oder er selbst zum Besitzer eines Rennstalles wird», meinte «El País». Und: «Die Last der Verantwortung, den Unfall von Piquet angeordnet zu haben, um 2008 in Singapur den Sieg von Fernando Alonso zu erreichen, wird ihn aber weiter verfolgen. Davon hat ihn die ordinäre Justiz nicht freigesprochen.» Das World Council der FIA hatte bei der Entscheidung von einem Regelverstoß von «beispielloser Schwere» gesprochen.

 

Briatore soll beim Großen Preis von Singapur 2008 den damaligen Renault-Piloten Nelson Piquet Jr. angewiesen haben, einen Unfall zu bauen. Profiteur der anschließenden Safety-Car-Phase nach dem Abflug Piquets war pikanterweise Teamkollege Alonso, er gewann das Rennen. Die fünfjährige Sperre gegen den damaligen Chefingenieur des Renault- Rennstalls, Pat Symonds, wurde vom Pariser Gericht auch aufgehoben. Briatore bekam 15 000 Euro Entschädigung zugesprochen, Symonds 5000.

 

Rund zwei Monate vor dem mit Spannung erwarteten WM-Beginn mit der Rückkehr des Rekordchampions Michael Schumacher droht der Formel 1 nun wieder einer der schlagzeilenträchtigen Nebenschauplätze. «Das Gericht hat gesagt, es sei falsch, nun kann die FIA wieder von vorne beginnen und es wird so weitergehen und weitergehen», so Ecclestone, selbst Mitglied des FIA-Motorsport-Weltrats. Vor allem der neue FIA- Präsident Jean Todt wird daher nun gefragt sein. Und Ecclestone riet ihm bereits, Briatore anzurufen und ein Gespräcjh zu führen. Denn der Italiener, der nicht zum ersten Mal im Mittelpunkt eines Skandals steht, gilt als zäher Gegner. «Briatore hat sieben Leben», meinte die spanische Sportzeitung «Marca».

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