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Hertha vs. Nürnberg
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14.03.2010 | Berlin (dpa)

Randale und gefühlter Abstieg: Schwarzer Hertha-Tag

Der gefühlte Abstieg trieb Michael Preetz Tränen in die Augen, doch noch viel größer war die Wut über die Chaoten aus dem Hertha-Block. 100 bis 150 gewalttätige Fans sorgten im Berliner Olympiastadion für Angst und Schrecken; die Spieler flüchteten in die Katakomben. Die Krawallmacher überwanden den fast drei Meter tiefen Graben zwischen Rängen und Laufbahn, rückten mit Latten und Stangen an, zerschlugen Werbebanden, Plastik- und Glaswände im Bereich der Trainer- und Ersatzspieler-Bänke und zerstörten Stühle. «Das hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen, so darf sich das nicht entladen. Wir werden mit aller Härte dagegen vorgehen», erklärte der sichtlich geschockte Manager nach dem bitteren 1:2 seines Clubs gegen den 1. FC Nürnberg am 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga - einem schwarzen Tag in der Hertha-Historie.

Die Berliner Polizei wies am Sonntagvormittag Vorwürfe zurück, sie habe bei den Ausschreitungen zu spät eingegriffen. Eine Sprecherin teilte mit, 25 Personen seien festgenommen worden. Vier Polizisten sind den Angaben zufolge leicht verletzt worden. Die Einsatzkräfte hatten die eskalierende Situation im Innenraum des Stadions erst nach etwa fünf bis acht Minuten in den Griff bekommen, erst dann kehrten die Randalierer wieder auf die Ränge zurück, beschimpften und bewarfen von dort die Polizisten und andere Sicherheitskräfte des Vereins.

In der Nacht zum Sonntag sei es in der Stadt weitgehend ruhig geblieben, sagte die Polizeisprecherin. Nach Medienberichten («Tagesspiegel») sei ein Teil der Polizeikräfte nach dem 1:0- Zwischenstand für Hertha zum Ostkreuz abkommandiert worden, weil dort frustrierte BFC-Dynamo-Anhänger nach der Auswärtsniederlage bei Energie Cottbus II erwartet worden seien. Nach dem Ausgleich der Nürnberger im Olympiastadion seien Kräfte wieder dorthin zurückgeschickt worden. Die Polizeisprecherin konnte dies im Detail bislang jedoch nicht bestätigen.

So kam zum sportlichen Niedergang noch der Fan-Skandal. Manager Michael Preetz hat in 14 Jahren Hertha BSC alles hautnah erlebt, erst als Profi, dann als Funktionär: die Zweitliga-Tristesse bis 1997, den Aufstieg, das Champions-League-Abenteuer, die Fast-Meisterschaft in der Vorsaison, den Absturz in dieser Spielzeit - doch die Ereignisse rund um die 17. Saisonpleite berührten den 42 Jahre alten einstigen Bundesliga-Torschützenkönig so heftig wie nichts zuvor: «Das war nicht Herthas Abstieg, aber meine bitterste Stunde im Verein.»

Preetz steht schon im ersten Jahr als «Macher» des Hauptstadtclubs vor einem Scherbenhaufen: Acht Punkte Rückstand zum Relegationsplatz, sogar neun zum rettenden 15. Rang lassen die Erstliga-Hoffnungen schon acht Spieltage vor Saisonende gegen Null gehen. Nach dem FCN-Siegtor durch Angelos Charisteas (90.+1) drehten zahlreiche Hertha-Chaoten durch. «Es ist eine geringe Anzahl von Gewaltbereiten, die diese Bühne nutzen. Dagegen muss man mit aller Härte vorgegangen werden», sagte Coach Friedhelm Funkel.

Die Rettungsmission des Liga-Urgesteins scheint nach nun 217 Tagen ohne Heimsieg gescheitert. Funkels Team verspielte nach einer «sehr, sehr guten ersten Halbzeit» und einem halben Dutzend vergebener Top- Torchancen vor der Saison-Rekordkulisse von 57 761 Zuschauern im Olympiastadion noch die 1:0-Führung, für die der Grieche Theofanis Gekas gesorgt hatte (36.). Die viel gescholtenen Hertha-Profis rannten, kämpften und stürmten 45 Minuten gegen den «Club» derart vehement, dass sich viele fragten, warum die selben Spieler zuvor in so vielen Partien agiert hatten wie Amateure.

Doch FCN-Torjäger Albert Bunjaku mit seinem zwölften Saisontor (61.) und der eingewechselte Charisteas in der Nachspielzeit zerstörten alle Hoffnungen auf eine Wende für Hertha. Eine Trainer- Diskussion aber lässt Präsident Werner Gegenbauer derzeit noch nicht zu. Erst kürzlich habe man Funkel und Preetz das Vertrauen ausgesprochen, «da werden wir jetzt keine neue Diskussion eröffnen», betonte Gegenbauer trotz der Krisen-Bilanz von nur 15 Punkten.

Nürnberg dagegen sieht mit 24 Zählern als Tabellen-15. nun sogar nach oben. «Köln und Bochum liegen wieder in Reichweite», erklärte FCN-Trainer Dieter Hecking, warnte allerdings zugleich: «Wenn wir so spielen wie in der ersten Halbzeit in Berlin, müssen wir aufpassen.» Einzig und allein Torhüter Raphael Schäfer, der in seinem 200. Pflichtspiel für den «Club» mit Glanzparaden gleich in Serie die Herthaner zur Verzweiflung trieb, hatte Nürnberg im Spiel gehalten.

Den Frust ließen alle Verantwortlichen aber als Entschuldigung für die Randale nicht zu. Das «mühsam aufgebaute Image» habe durch die durchgedrehten «Fans» zumindest wieder Kratzer bekommen, bekannte Gegenbauer. «Das ist ärgerlich für Hertha BSC und den ganzen Fußball», sagte der Clubchef und kündigte eine Aufarbeitung an. Zunächst hatte sich eine rund 80-köpfige Ordner-Gruppe vor den Chaoten zurückgezogen, um deeskalierend zu wirken. Die Polizisten griffen erst später ein. Die zum Teil vermummten Randalierer verschwanden erst dann zurück in den Fanblock.

 

Alles zur Hertha: www.herthabsc.de
Aktuelle Tabelle & alle Ergebnisse: www.bundesliga.de

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