SPORT

Das Zweitliga-Derby
1. FC UNION BERLIN VS. HERTHA BSC BERLIN
Der Schweizer hat vor dem Derby den Rasen in der Alten Försterei gemäht. Die Fotos!


17.09.2010 | Berlin
Berliner Derby: Union trotzt Hertha Punkt ab
In einem hartumkämpften und emotionalen Berliner Derby hat Hertha BSC die ersten Punkte in der 2. Fußball-Bundesliga abgegeben. Das späte Tor des eingewechselten Santi Kolk verhinderte am Freitagabend einen Auswärtssieg des Bundesliga-Absteigers gegen den Stadtrivalen 1. FC Union Berlin beim ersten Punktspiel-Duell seit 60 Jahren. Vor 18 430 Fans im Stadion an der Alten Försterei rettete der Niederländer den stark aufspielenden «Eisernen» ein 1:1 (0:1). «Wir haben Hertha an die Wand gespielt und 90 Minuten beherrscht. Uns hat nur etwas das Glück gefehlt», sagte Unions Michael Parensen.
Die Führung der bis dahin in drei Spielen siegreichen Hertha von Trainer Markus Babbel hatte Peter Niemeyer nach knapp zwei Minuten markiert. Danach klappte nicht mehr viel. «Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen, obwohl wir geführt haben», sagte Babbel und monierte: «Wir waren in den Zweikämpfen nicht präsent.» Man habe eigentlich genügend erfahrene Spieler, die mit so einer Drucksituation umgehen können müssten. «Wir haben zu wenig Fußball gespielt und es am Ende nicht geschafft, uns zu befreien», meinte Hertha-Profi Christian Lell. Dennoch war sein Trainer «sehr glücklich über diesen einen Punkt».

Ein zigfaches an Karten hätte Union verkaufen können. Das Derby zwischen dem Ost-Berliner Verein aus Köpenick und der Hertha aus dem westlichen Charlottenburg zog die Fans seit Tagen in ihren Bann. Rund 500 bis 600 Polizisten waren im Einsatz, zudem 300 Ordnungskräfte.
Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ließ es sich nicht nehmen und verfolgte die Partie gespannt neben Politik-Kollege Gregor Gysi. Kaum angepfiffen, fiel bereits das erste Tor. 1:37 Minuten waren gespielt, da nutzte Neuzugang Niemeyer - sträflich vernachlässigt von der Union-Abwehr - eine Freistoß-Hereingabe per Kopf. Für die Fans der Hausherren ein Schock. Die Mannschaft auf dem Platz steckte den Rückschlag aber unbeeindruckt weg.

Die aggressiven Union-Spieler kauften den Gästen den Schneid ab, die BSC-Techniker um Raffael und Ramos kamen nicht zur Entfaltung. Unions Doppel-Sechs im Mittelfeld mit Dominic Peitz und Michael Parensen funktionierte ausgezeichnet. Defensiv fingen die beiden die Hertha-Angriffe ab, im Spiel nach vorne leiteten sie zudem gute Aktionen ein. Auch Torchancen erarbeiteten sich die Schützlinge von Union-Coach Uwe Neuhaus.
Allein ein Treffer wollte lange nicht fallen. Karim Benyamina scheiterte an Hertha-Keeper Maikel Aerts (12.), den Nachschuss von John-Jairo Mosquera rettete Kobiaschwili auf der Linie. Acht Minuten später traf Benyamina nur die Latte. Zudem scheiterte noch einmal Mosquera (24.). Und die Herthaner? Sie müssten «deutlich besser werden», meinte Wowereit in der Pause beim TV-Sender Sky: «Union spielt sehr, sehr gut.» Ab der 39. Minute mussten die Gastgeber jedoch ohne Abwehrspieler Bernd Rauw auskommen, der sich am rechten Knie verletzt hatte.

Kurz nach dem Anpfiff der zweiten Halbzeit dann der nächste Aufreger - allerdings der unsportlichen Art. Zuerst machte sich Rauch im Hertha-Fan-Block breit, dann ging auch bei den Union-Fans ein Feuerwerkskörper hoch. Nach einer kurzen Unterbrechung ging es weiter. Dabei hatten die Union-Fans vor der Partie noch mit einer Stadion-Choreographie versucht, etwas Zündstoff aus der Partie zu nehmen, als sie zwei S-Bahnen von Köpenick nach Charlottenburg und umgekehrt fahren ließen.
Auf dem Platz machten die Union-Spieler auch in der zweiten Halbzeit eher Dampf, Hertha agierte mit minimalem Aufwand. Trainer Babbel nahm zur Pause Angreifer Raffael raus, brachte dafür Mittelfeldmann Fanol Perdedaj. Mittelstürmer Rob Friend scheiterte am Heimkeeper Jan Glinker (49.). Auf der Gegenseite versuchte sich Brunnemann zweimal vergeblich aus der Distanz. Besser machte es Kolk und belohnte mit seinem Ausgleichstreffer die Union-Bemühungen.




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