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SPORT

 

20.10.2010 | London

Korruptionsskandal: FIFA suspendiert Funktionäre

 

Mit bitterer Miene gestand Joseph Blatter die tiefe Vertrauenskrise des Fußball-Weltverbands FIFA ein. «Es ist ein trauriger Tag für den Fußball», bekannte der FIFA-Chef, nachdem die Ethik-Kommission gleich sechs Top-Funktionäre wegen schwerer Korruptionsvorwürfe suspendiert hatte.

 

An der Spitze der Verdächtigen: Die Exekutivkomitee-Mitglieder Amos Adamu aus Nigeria und Reynald Temarii aus Tahiti. Beide sollen bereit gewesen sein, ihre Stimmen bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zu verkaufen und konnten bei einer Anhörung in Zürich die Beschuldigungen offenbar nicht entkräften.

 

Mitte November will das Gremium unter Leitung des Schweizer Anwalts Claudio Sulser erneut tagen und über das weitere Vorgehen gegen Adamu und Temarii befinden. Es sei die Pflicht der FIFA, den Fußball «vor jeglicher Manipulation und schlechtem Verhalten zu schützen», sagte Blatter. Am Termin für die mit Spannung erwartete Entscheidung über die Vergabe der beiden Weltmeisterschaften am 2. Dezember will man aber festhalten. «Wir haben nicht darüber gesprochen, ob der Termin verlegt wird. Im Moment gibt es keine Diskussion», betonte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke.

Als reichte die schlechte Botschaft aus dem Exekutivkomitee noch nicht, wurden zusätzlich auch noch die Fußball-Funktionäre Slim Aloulou (Tunesien), Amadou Diakite (Mali), Ahongalu Fusimalohi (Tonga) und Ismael Bhamjee (Botsuana) vorläufig von allen fußballbezogenen Aktivitäten ausgeschlossen. Dem Quartett wirft die FIFA Verstöße gegen die FIFA-Statuten sowie den Ethik- und den Disziplinarcode des Verbandes vor - alles im Zusammenhang mit den kommenden Entscheidungen über die WM-Vergabe.

 

Sulser und FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke betonten, dass der Kommission das komplette Videomaterial der britischen Zeitung «Sunday Times» zur Verfügung gestanden habe, die den Skandal aufgedeckt hatte. Beobachter gehen davon aus, dass die Chancen für die beiden Hauptverdächtigen nicht gut stehen. So hatte Temarii vor seiner Anhörung gesagt, man habe ja nur 15 Sekunden aus dem Video gezeigt und solle doch lieber die gesamten 45 Minuten anschauen. Er betonte immer wieder seine Unschuld. Das Urteil der Ethik-Kommission aber fiel anders aus: Sie kam nach dem Betrachten des kompletten Videos zu dem klaren Ergebnis der vorläufigen Suspendierung.

Diese gelte zunächst für 30 Tage und kann für weitere 20 Tage verlängert werden, hieß es. Dies solle dem Verband Zeit für eingehendere Untersuchungen in der Sache geben. Erst danach soll entschieden werden, ob Adamu und Temarii bei der Vergabe der WM- Turniere 2018 und 2022 mitstimmen dürfen.

 

Zwar betonte Sulser immer wieder, dass es noch keine endgültiges Urteil gebe. Als aber Blatter mit düsteren Worten zu einer kurzen Rede ansetzte, wurde deutlich, dass die Stimmung im edlen FIFA- Hauptquartier auf dem Zürichberg auf dem Nullpunkt ist.

 

Der Schweizer wandte sich gegen den Eindruck, dass sein Verband eine korrupte Organisation sei. Die FIFA sei eine sehr anerkannte Organisation in der Welt des Sport. «Vertrauen Sie uns, das Vertrauen wird wiederhergestellt», rief Blatter aus. Neben seinem Rednerpult stand ein Wimpel mit dem Slogan: «My Game Is Fair Play» - genau dieses FIFA-Motto steht nun wieder einmal infrage.

Quelle: dpa

 

de.fifa.com

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