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20.10.2010 | Frankfurt/Main
Kabinenbesuch: Merkel sagt DFB telefonisch Sorry
Diplomatische Verwicklungen wegen eines Kabinenbesuchs der Bundeskanzlerin beim Türkei-Länderspiel: Angela Merkel hat sich nach ihrer Gratulationstour bei Mezut Özil und Co. nach DFB-Angaben bei Präsident Theo Zwanziger entschuldigt.
«Mit den Abläufen war ich nicht einverstanden. Aber nach einem Anruf von Frau Merkel sind die Irritationen ausgestanden», sagte Zwanziger der Zeitschrift «Sport Bild». Ein Sprecher des Deutschen Fußball-Bundes bestätigte, dass die CDU-Politikerin den Verbandschef angerufen habe.

Merkel war nach dem 3:0-Sieg der DFB-Auswahl gegen die Türkei am 8. Oktober im Berliner Olympiastadion zusammen mit Bundespräsident Christian Wulff, dessen Tochter und Regierungssprecher Steffen Seibert in die Kabine geeilt - ohne Delegationschef Zwanziger. Sie hatte die Aktion zuvor auf der Ehrentribüne mit Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff abgesprochen.
Ein offizieller Fotograf des Bundespresseamtes hatte die Szene festgehalten, wie die Kanzlerin Özil gratuliert. Merkel (im DFB- grünen Blazer) schüttelte dabei dem halbnackten Jungstar von Real Madrid und Deutsche-Türken die Hand - ein Bild mit Symbolwert angesichts der Dauerdebatte um Migranten. Das Foto wurde mit Genehmigung von Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff in zahlreichen Medien veröffentlicht.
Zwanziger hat nach «Sport Bild»-Angaben intern beklagt, dass sich der DFB nicht von der Politik instrumentalisieren dürfe. «Ich wünsche mir, dass sich die Politik um den Fußball kümmert, wenn es der Fußball braucht», sagte Zwanziger ein wenig säuerlich im «kicker». Bierhoff wiederum fand das Foto «so symbolträchtig, was Integration und Stellenwert der Nationalmannschaft betrifft, dass wir es positiv betrachten».

Dem DFB-Präsidenten stieß aber vor allem auf, dass er nicht die hohen Gäste in die Kabine geführt hatte. Offensichtlich eine Kommunikationspanne. «Während des Spiels hat mich Frau Merkel auf den Kabinenbesuch angesprochen. Ich bin davon ausgegangen, dass sie wie bei anderen Gelegenheiten auch vom DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und vom Liga-Präsidenten Reinhard Rauball in die Kabine begleitet wird», erklärte Bierhoff.
Doch Zwanziger kam erst nach Merkel in die Katakomben und beschwerte sich später im VIP-Bereich bei Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Nicht gepasst hat dem 65-Jährigen aus Altendiez auch, dass Merkel mit einer ganzen Entourage in das «Heiligtum» der Nationalmannschaft eingedrungen war. Falls die Wogen doch noch nicht ganz geglättet sind: Beim Festakt des DFB-Bundestages am 21. Oktober sind sowohl Merkel als auch de Maizière Ehrengast. Und in der Essener Philharmonie wird's dann sicher ganz harmonisch.




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