SPORT


06.12.2010 | Berlin
Babbel in Not: Hertha-Chefs kämpfen gegen Hektik
Der Favorit wankt: Nach vier Niederlagen in fünf Spielen stehen bei Hertha BSC alle Alarmsignale auf Rot. Zwar sind die Berliner noch immer dran an den Aufstiegsplätzen zur Bundesliga. Doch der Abwärtstrend muss gestoppt werden. Und jetzt kommt Spitzenreiter Aue.
Dritte Pleite in Folge und aus der Aufstiegszone verdrängt: Bei der blau-weißen Hertha geht sieben Monate nach dem Absturz in die Zweitklassigkeit schon wieder die Angst um. Nach vier Pleiten in den vergangenen fünf Partien gerät das Unternehmen sofortige Bundesliga-Rückkehr in Gefahr. Die Chefs aber stellen sich jedem Anflug von Panik entgegen. «In allererster Linie werden wir Ruhe bewahren und Hektik vermeiden», erklärte Manager Michael Preetz. «Wir werden sehr konzentriert trainieren», verkündete Trainer Markus Babbel und bat seine Profis 20 Stunden nach dem 0:1 bei 1860 München am Montag wieder auf den winterlichen Übungsplatz.

Nachdem die sportliche Leitung auf die 0:2-Heimblamage gegen Duisburg noch mit einer kräftigen Schelte an die Profis («zu faul») reagiert hatte, wählte sie dieses Mal die weiche Welle. «Es gibt Phasen in einer Saison, in der es knüppeldick kommt. Aber wir werden eine Antwort finden», erklärte der Chefcoach, dem erstmals seit seinem Amtsantritt in der Hauptstadt ein eisiger Wind entgegenweht. Die Souveränität der ersten Saisonphase ist weg, nach Verletzungen ging die Organisation verloren - und vorn treffen die Berliner das Tor nicht mehr. Seit 291 Minuten wartet Hertha auf einen Treffer.
«Wir haben zwei Möglichkeiten: Wir zerfließen in Selbstmitleid und beklagen die Verletzten und Gesperrten. Oder wir versuchen, alles aus uns herauszuholen», sagte Ex-Europameister Babbel mit Blick auf das nächste Spiel am Sonntag gegen Zweitliga-Spitzenreiter Erzgebirge Aue. Zur langen Ausfall-Liste gesellen sich nun noch der Rot- Gesperrte Torwart Marco Sejna («Da habe ich Mist gebaut») und Peter Niemeyer (5. Gelbe Karte). Talent Sebastian Neumann kann in der Hinrunde nicht mehr spielen. Dafür steht Andre Mijatovic vor einem Comeback, der Kapitän soll am Mittwoch ins Teamtraining zurückkehren.

Das derzeit größte Problem: Favorit Hertha wird mit der speziellen Gegenwehr nicht fertig. Jeder Gegner ist gegen die mit dem höchsten Etat ausgestatteten Berliner hochmotiviert, wie 1860-Coach Reiner Maurer bestätigte: «Für mich war es superschön, gegen das beste Team der Liga zu gewinnen.» Allerdings sind auch Herthas Erstliga-Mitbewerber nicht ungeschoren geblieben, so dass dem Berliner Tabellen-Fünften zur Spitze nur zwei Punkte fehlen.
Babbel hat weiter den Mut, junge Talente in das Stahlbad 2. Liga zu schicken. In München standen mit Nico Schulz (17), Marco Djuricin (17), Alfredo Morales (20) und Marvin Knoll (20) wieder vier Youngster auf dem Platz. Doch von ihnen kann man die gefragte Dominanz noch nicht erwarten. «In so einer Situation müssen die Erfahrenen vorangehen», forderte Preetz für die Partie gegen das Überraschungsteam Aue. Über 50 000 Fans werden im Olympiastadion erwartet - für Hertha geht es schon um mehr als drei Punkte.
Quelle: dpa
Mehr zur Hertha: www.herthabsc.de
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05.12.2010 | München
Hertha-Krise verschärft: Dritte Pleite nacheinander
Bundesliga-Absteiger Hertha hat Souveränität und Leichtigkeit verloren. Das 0:1 bei 1860 München war bereits die vierte Pleite im fünften Spiel. Die Berliner sind in der 2. Liga nur noch Fünfter. Trainer Babbel hat dennoch eine richtige Reaktion der Profis erkannt.
Aufstiegsfavorit Hertha schlittert immer tiefer in die Krise. Die Berliner verloren am Sonntag bei den kampfstarken «Löwen» in München durch einen wunderschönen Treffer von Benjamin Lauth (11. Minute) mit 0:1 (0:1) und fielen nach der dritten Niederlage in Serie auf den fünften Tabellenplatz zurück. Der Druck auf Trainer Markus Babbel wächst, doch der Berliner Chefcoach blieb ruhig: «Eine sehr bittere Niederlage. Ich habe ein gutes Spiel meiner Mannschaft gesehen.»

«Die Entstehung ist ärgerlich, weil niemand die Bereitschaft hatte, den Zweikampf ordentlich zu führen», kommentierte Babbel den spielentscheidenden Treffer und lobte Lauth: «Ein Traumtor.» Die Berliner verloren zudem Torwart Marco Sejna, der wegen Handspiels außerhalb des Strafraums die Rote Karte sah (82.). «Ich weiß auch nicht, was er da machen wollte. Das ist mir ein Rätsel», meinte Babbel zu der Szene. «So hat er uns in eine Situation gebracht, in der es extrem schwer war, noch zum Ausgleich zu kommen.»
Beim nächsten Spiel gegen Spitzenreiter Erzgebirge Aue muss nun Sascha Burchert als Keeper Nummer drei ins Tor, da neben dem gesperrten Sejna auch Maikel Aerts (Knieverletzung) weiter fehlt. In München zog in der Schlussphase Fabian Lustenberger die Torwart-Handschuhe an, da Babbel schon dreimal gewechselt hatte. Der Schweizer hatte bei einem Lattenschuss von Moritz Leitner (84.) Glück.
Die Spieler von 1860 München bewiesen vor 23 600 Zuschauern nach dem vom Verein verlangten Gehaltsverzicht von zehn Prozent Charakter, boten hundert Prozent. «Der letzt Biss hat heute entschieden», erklärte der Ex-Berliner Gabor Kiraly, der seinen Kasten sauber hielt. Aber auch Babbel, der seine Startelf auf vier Positionen verändert und zudem das System auf zwei Spitzen umgestellt hatte, attestierte seinen Akteuren dieses Mal eine ordentliche Einstellung.

«Die Mannschaft lebt, sie ist nicht tot. Wir müssen weiter hart arbeiten und uns dann im Heimspiel gegen Aue belohnen. Nur so, wie wir aufgetreten sind, kann der Weg aus der Krise sein. Das werden wir auch schaffen, davon bin ich überzeugt», betonte der Berliner Chefcoach, der allerdings bemängelte: «Da ist keiner, der das Tor mit aller Macht machen will.» Mit Alfredo Morales und Marvin Knoll
brachte Babbel nach dem Ausfall zahlreicher Stammkräfte - auch Raffael konnte in München nicht ran - zwei 20-Jährige aus der 2. Mannschaft zum Einsatz.
Trotz eines ersten Berliner Warnschusses von Nikita Rukavytsya (4.) verfügte 1860 über die stärkeren Angreifer. Allen voran Lauth, der nicht nur aus 25 Metern krachend mit links traf, sondern auch noch einmal gefährlich mit rechts schoss (34.). Auch wenn Stefan Buck bei den «Löwen» gleich nach dem Seitenwechsel auf der Torlinie retten musste (47.), fehlte es Hertha vorne an Durchschlagskraft. 1860 war kampfstärker, verpasste bei Konterchancen aber ein zweites Tor.
Quelle: dpa
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