SPORT


08.02.2011 | Garmisch-Partenkirchen
Bronze für Riesch bei WM-Start - Görgl siegt
Erst als ihre Dauerrivalin Lindsey Vonn geschlagen war, atmete Maria Riesch auf: Mit einer Bronze-Medaille im Super-G erwischte die Doppel-Olympiasiegerin beim Sieg der Österreicherin Elisabeth Görgl einen fast perfekten Start in die Heim-Weltmeisterschaft.
«Ich glaube, mein Puls war höher, als ich selber gefahren bin», sagte Riesch, nachdem die Amerikanerin Vonn fernab der Edelmetallränge ins Ziel gekommen war. «Ich hatte es fast schon abgehakt, umso größer ist jetzt die Erleichterung.» Auf Siegerin Görgl betrug Rieschs Rückstand nur 21/100 Sekunden, Silber holte Julia Mancuso aus den USA. Die Oberstdorferin Gina Stechert knallte bei einem Sturz auf der eisigen Kandahar-Piste in die Fangzäune, der Deutsche Skiverband gab aber zunächst «Entwarnung». Stechert fuhr auf eigenen Ski ins Ziel.

Vor rund 7500 Zuschauern durfte sich Görgl über ihren ersten Titel bei Großereignissen freuen. «Ich hab gewusst, was ich zu tun habe», sagte die 29-Jährige, die am Vorabend bei der Eröffnungsfeier noch den offiziellen WM-Song gesungen hatte und dem Titel «You're the Hero» Taten folgen ließ. «Ich hab fast alles richtig gemacht und voll attackiert».
Während ihre Freundin Maria Riesch nach dem Slalom-Gold von 2009 über ihre zweite WM-Medaille jubelte, verpasste Abfahrts-Olympiasiegerin Vonn sogar den Sprung unter den besten Sechs. Bis kurz vor dem Rennen hatte sie ihren Start wegen einer in der vergangenen Woche erlittenen Gehirnerschütterung offengelassen. «Es ist leicht zu akzeptieren, das war nicht ich. Mein Kopf war nicht dabei, ich hatte Schmerzen in der Früh», klagte sie.

Auf der anspruchsvollen Piste, die die Amerikanerin am Vortag noch als «viel zu gefährlich» kritisiert hatte, stürzte aus der Gruppe der Topathletin auch die Österreicherin Andrea Fischbacher, blieb aber augenscheinlich unverletzt. Ihr Teamcoach Jürgen Kriechbaum hatte mit seiner Kurssetzung versucht, besonders die extrem eisige Passage «Hölle» zu entschärfen. «Es war ein richtig schlechtes Gefühl beim Fahren, nur kämpfen, kämpfen, kämpfen», sagte Anna Fenninger aus Österreich.
Für Viktoria Rebensburg war ihre Hoffnung auf den ersten Start vor heimischen Publikum hingegen bereits am frühen Morgen beendet. Die Riesenslalom-Olympiasiegerin musste ihre Teilnahme wegen einer viralen Grippe mit Fieber absagen. «Ich bin natürlich enttäuscht, nicht starten zu können, aber es macht in meiner derzeitigen Verfassung keinen Sinn», sagte Rebensburg. «Ich habe Fieber und fühle mich total schlapp. Jetzt kuriere ich mich zu Hause aus, damit ich in der zweiten Woche Vollgas geben kann.» Die 21-Jährige will in der zweiten WM-Woche im Riesentorlauf um die Medaillen mitfahren.
Quelle: dpa

07.02.2011 | Garmisch-Partenkirchen
Ski-WM eröffnet - Rieschs WM-Heimspiel
In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel sind die zweiten Titelkämpfe der Alpinen in Deutschland eröffnet worden.
«Ich erkläre die alpinen Ski-Weltmeisterschaften in 2011 als offiziell eröffnet», sagte Weltverbands-Präsident Gian Franco Kasper am Montagabend in Garmisch-Partenkirchen. Auch das deutsche Team um Doppel-Olympiasiegerin Maria Riesch und Felix Neureuther nahm an der rund 45-minütigen mit technischen, künstlerischen und volkstümlichen Elementen gestalteten Zeremonie am Gudiberg teil. «Ich wünsche mitreißende und unvergessliche Wettkampftage», sagte Merkel.

Vorhang auf für die «gelassene» Hauptdarstellerin, die Garmischer Gastgeberin Maria Riesch.- Lindsey Vonn betrat die WM-Bühne dagegen «schockiert». Spätestens nach der Besichtigungsfahrt im Super-G auf der eisigen Kandahar wollte die amerikanische Speedspezialistin die Favoritenrolle für die erste Medaillenentscheidung der alpinen Ski-WM endgültig von sich schieben. Maria Riesch versucht trotz immens hohen Drucks die Festspiele im Schnee einfach als «Privileg» zu sehen.
«Das ist der größte Traum und vor eigenem Publikum wäre es die Krönung von diesen drei Jahren mit Großereignissen. Nach der WM 2009 und Olympia vergangenes Jahr sind ja vielleicht aller guten Dinge drei», sagte die 26 Jahre alte «Heimschläferin» und hofft auf einen erfolgreichen Auftakt der WM zu Hause. «Dann wäre erstmal die Luft so ein bisschen draußen. Aber wenn es im Super-G nicht gleich klappt, kommen noch ein paar Chancen.» Der erste von zwei Starts in Einzelrennen stand für die an Fieber erkrankte Viktoria Rebensburg unter keinem guten Stern. Die Riesenslalom-Olympiasiegerin ließ das Kennenlernen mit dem Kurs bei Kaiserwetter aus.
«Wir gehen davon aus, dass sie starten kann», sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier am Montag, an dem Technikerin Veronika Staber nachnominiert wurde. Sorge bereitet weiter Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl. «Sie fährt immer noch nicht Ski und hat seit Wochen Pause.»
Über eine Pause zum Auftakt denkt auch Vonn, nach eigenen Worten, nach. «Ich werde nur fahren, wenn ich auch sicher runterkomme», sagte die Amerikanerin nach der Inspektion der Strecke. «Es ist zu gefährlich, viel zu eisig.» Der schwere Hang mache nach ihrer Gehirnerschütterung eine Startentscheidung noch schwieriger, meinte die 26-Jährige.
Riesch kann im ersten Duell mit ihrer Dauerrivalin vorlegen. Bei der Nummernziehung bekam die Partenkirchenerin für den Super-G die Nummer 17 zugelost. Ihre amerikanische Freundin startet als 22. Sollte Riesenslalom-Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg nach einer Fiebererkrankung rechtzeitig fit werden, wird sie als Zwölfte ins Rennen gehen. Die Oberstdorferin Gina Stechert erhielt die Startnummer 30.

Ob die 1770 akkreditierten Journalisten aus aller Welt und Millionen vor dem TV-Bildschirmen das große Damen-Duell der WM, mit der der Veranstalter auch eine Visitenkarte für Münchens Olympia-Bewerbung 2018 abgeben will, zum Auftakt zu sehen bekommen? Riesch gegen Vonn, das ist der Zweikampf zwischen zwei Freundinnen, Konkurrentinnen und den dominierenden Skirennfahrerinnen der vergangenen Winter. «Ich weiß gar nicht, ob es eine Rivalität oder Freundschaft ist. Aber es ist sehr gut für den Sport», sagte Weltverbands-Präsident Gian Franco Kasper, der eine «Rekord-WM» mit 69 Teilnehmer-Nationen erwartet.
Favoritin in der ersten von elf Entscheidungen ist trotz aller Klagen Vonn: Die Amerikanerin ist Titelverteidigerin im Super-G, führt im Weltcup und ist in den schnellen Disziplinen besser als jede andere. Aber die in der vergangenen Woche auf den Kopf gestürzte Abfahrts-Olympiasiegerin versucht Druck von sich zu nehmen. Auch vor ihrem Olympiastart hatte sie medienwirksam über eine Schuhrandprellung geklagt und einen Start lange offen gelassen. Dass die 26-Jährige an diesem Dienstag im Starthäuschen auf der Kandahar fehlt, glaubt niemand.

Oder doch Vorteil Riesch? «Wie eine Streif für Frauen», so Vonn, präsentierte sich die Rennpiste am Montag bei Kaiserwetter. Überaus eisig war es. «Lindsey mag das nicht ganz so gerne», erzählte Riesch schon am Vorabend in «Maria's Corner», ihrem eigenen Medienbereich. Dort plauderte sie unmittelbar vor dem WM-Start «relativ entspannt» über Freundschaft, Form und Fahrten aus Kindheitstagen. Denn auf auf dem Hang, auf dem es um die meisten Medaillen geht, durfte sie schon mit nicht einmal drei Jahren hinabflitzen. «Dann wollte ich gleich die Kandahar fahren. Ich bin sturzfrei und recht schnell runter gekommen.»
Das wollen die Starter des Super-G alle auf einer Strecke, die von manchen als am oberen Limit gesehen wurde. «Muss das sein? Skifahren tut man auf Schnee, nicht auf Eis. Das ist an der oberen Grenze, da wäre es besser, die Eislaufschuhe anzuziehen», meinte die Österreicherin Anna Fenninger. Im Streckenabschnitt «Hölle» war es gar so eisig, «da spiegelt man sich fast selber», sagte Gina Stechert, die neben Riesch und Rebensburg als deutsche Starterin auserkoren ist.

«Schlag auf Schlag», so Riesch, geht es jetzt weiter bei den 41. alpinen Titelkämpfen, die einen Etat von 31 Millionen Euro haben. 69 Nationen mit 525 Sportlern sind gemeldet - und Kasper hegt einen Wunsch. «Hoffentlich erleben wir die erste WM seit 1970 ohne Verschiebung und Absage.»
Quelle: dpa
Offizielle Seite der Ski-WM:
www.gap2011.com





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