SPORT


16.02.2011 | Hamburg
1:0 dank Asamoah: St. Pauli gewinnt Stadt-Derby
Mit dem ersten Sieg gegen den HSV seit mehr als 33 Jahren hat der FC St. Pauli die Fußballwelt in Hamburg auf den Kopf gestellt und sich mit dem 1:0 (0:0)-Erfolg Luft im Abstiegskampf verschafft.
«Wenn ich sehe, wie die Paulianer hier in unserem Stadion feiern, könnte ich kotzen», sagte HSV-Sportchef Bastian Reinhardt unmittelbar nach der Ernüchterung. Eine Stunde lang hatte in der Nachholpartie nur der HSV gespielt, ehe Asamoah den ersten St. Pauli-Sieg gegen den HSV seit dem 3. September 1977 (2:0) perfekt machte. «Die Jungs werden schon das eine oder andere Bierchen auf den Derby-Sieg trinken. Aber der Erfolg war glücklich und wir bleiben ganz konzentriert», sagte Pauli-Trainer Holger Stanislawski auch mit Blick auf die kommende Aufgabe bei Spitzenreiter Dortmund.

Mit 28 Punkten kletterten die «Gäste» auf Platz elf und haben bereits fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. «Dieser Sieg ist schon etwas Besonderes. Es war sehr sehr wichtig für uns», sagte Kapitän Asamoah nach dem großen Coup vor 57 000 Zuschauern.
Schon vor dem Anpfiff gelang dem Underdog die erste Überraschung. Pauli-Trainer Holger Stanislawski schickte Ersatz-Torwart Benedikt Pliquett zwischen die Pfosten und verhalf dem 1,99 Meter großen Keeper ausgerechnet im brisanten Stadt-Derby zu seinem Bundesliga-Debüt. «Er hat es sich verdient. Wir haben vollstes Vertrauen in unsere Leute», erläuterte der Coach seine unerwartete Maßnahme - die Pliquett schon seit fünf Wochen wusste. «Er hat es mir verraten. Mal sehen, ob ich mich empfehlen konnte», sagte der Torwart nach der Partie im braunen Shirt mit «Derby-Sieg!!!»-Aufdruck.

Der frühere HSV-Profi Pliquett war vor allem in der ersten Hälfte stärkster Mann einer anfangs schwachen «Gäste»-Elf. Nach einer Viertelstunde rettete der Hamburger Jung reaktionsschnell gegen Heiko Westermann. Auf dem perfekten Rasen, der beim ursprünglichen Termin am 6. Februar nach Dauerregen unter Wasser stand, ging es vom Anpfiff weg munter zur Sache. Der HSV bestimmte das Tempo und kreierte die Torchancen. Änis Ben-Hatira verzog freistehend aus 16 Metern (42.), bei einem Kopfball von Ruud van Nistelrooy (40.) und einem Distanzschuss von Mladen Petric (44.) war Pliquett zur Stelle.
Der 2011 noch ungeschlagene Aufsteiger enttäuschte zunächst. Kein Torschuss, keine spielerische Linie - HSV-Torwart Frank Rost erlebte in Hälfte eins einen geruhsamen Abend. Sein Trainer Armin Veh konnte erstmals seit November wieder die gleiche Startelf aufbieten wie im Spiel zuvor (1:0 in Wolfsburg). Und auch nach dem Wechsel erst einmal das gleiche Bild: Im Minutentakt vergaben Zé Roberto (49./Außennetz), van Nistelrooy (55./drüber) und Joris Mathijsen (56./Pliquet).

Nach knapp einer Stunde dann das Tor aus dem Nichts: Beim ersten gefährlichen Angriffszug musste Rost zunächst eine verunglückte Flanke von Moritz Volz ins Toraus lenken. Den Eckball von Max Kruse verlängerte Fabian Boll mit der Fußspitze, Asamoah vollendete aus etwa einem Meter Entfernung völlig unerwartet per Kopf zum 0:1. Der eingewechselte Marius Ebbers hätte sogar auf 2:0 erhöhen können (77.), scheiterte aber an Rost. Mit Kampf und Moral rettete der Underdog den Vorsprung über die Zeit.




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