Heimkino-Tipp: Boston

US-Thriller, der den Boston-Marathon-Anschlag aus der Sicht der Polizei zeigt

Pönis
4 von 5 Sternen

Boston

Genre: Drama

Produktion: USA 2016

Laufzeit: 124 Minuten

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Regie: Peter Berg

Darsteller: Mark Wahlberg, Kevin Bacon, John Goodman, J.K. Simmons, Michelle Monaghan

 

Zur Filmseite: www.boston-film.de

VÖ: 7. September 2017

Zum Film:

Boston, 15. April 2013 – Wie jedes Jahr zieht es tausende Läufer und Zuschauer aus aller Welt an die Strecke des beliebten Bostoner Marathons.

Doch die Feierlichkeiten verstummen schlagartig, als zwei Sprengsätze an der Zielgeraden detonieren. Noch ist unklar, ob den Explosionen weitere folgen werden. Aber Police Sergeant Tommy Saunders (Mark Wahlberg) versucht einen klaren Kopf zu bewahren und die ersten Rettungseinsätze zu koordinieren – obwohl seine Frau Carol (Michelle Monaghan) beinahe selbst den Detonationen zum Opfer gefallen wäre. 

Für die Ermittler beginnt ein packender Wettlauf gegen die Zeit und eine der nervenaufreibendsten Großfahndungen in der Geschichte Amerikas nimmt seinen Lauf... (StudioCanal)

Boston | Foto: StudioCanal

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...)  Tatort: Der Boston-Marathon. Es sollte ein fröhlicher, entspannter Tag für Teilnehmer und Zuschauer werden, doch es kam bekanntlich ganz anders.

Nervöse (An-)Spannung bei Veranstaltern, Helfern und der Polizei, ausgelassene Vorfreude bei Teilnehmern (23000 sind am Start) und den vielen Zuschauern an der Strecke. Police-Sergeant Tommy Saunders (Mark Wahlberg) ist zwar am Bein verletzt, hat sich aber zum Dienst gemeldet. Ist sauer darüber, von seinem Commissioner Ed Davis (JOHN GOODMAN) in den Zieleinlauf beordert zu sein; mit einer leuchtend gelben Weste, wie ein Schülerlotse. Unter den Kollegen pflaumt man sich an, das normale Programm. Dann startet der Lauf, alles verläuft reibungslos, ganz normal, jeder kennt seine Aufgabe, es herrscht Volksfeststimmung. Bis um 14.50 Uhr Ortszeit.

Parallel blickt der Film auf das Geschehen in einer Wohnung. Zwei aus Kirgistan stammende Brüder, Tamerlan und Dschochar Zarnajew, bereiten offensichtlich einen Anschlag vor. Die beiden Moslems bemühen sich mit Hass-Parolen um innere „Ruhe“ und „religiöse Motivation“. Peter Berg erzählt dies nicht heischend-voyeuristisch, sondern eher sachlich wie faktisch. Überhaupt: Schrifttafeln vermitteln Informationen über Ort, Zeit und Haupt-Beteiligte, wobei der Faktor „Zeit“ für das Geschehen immer wichtiger in den Fokus rückt. Denn um 14.50 Uhr explodieren die beiden selbstgebauten Sprengsätze der Brüder in der Nähe des Marathon-Ziels. Binnen weniger Sekunden bricht Chaos aus. Tommy Saunders wird dabei zum vermittelnden Bindeglied zwischen Hilfe beziehungsweise Helfern und den städtischen wie dann Bundes- Amtsträgern (mit dem FBI-Beamten Des Lauriers/KEVIN BACON), die sich ab sofort einen Überblick in diesem Inferno verschaffen und umgehend die Jagd auf die Attentäter eröffnen müssen. Dabei vereint eines alle: Alle sind zunächst völlig überfordert, ratlos und nur extrem wütend.

Die furchtbaren Folgen sind bekannt: Drei Menschen sterben, darunter ein achtjähriges Kind, 264 werden verletzt, viele davon schwer. Wie hieraus einen spannenden, aber nicht „gierig“-spektakulären Unterhaltungsfilm fabrizieren? Peter Berg gelingt dieser Drahtseilakt. In dem er sich zum Beispiel nicht detailliert für die näheren Personalien der beiden Attentäter interessiert, was angesichts einer solchen Katastrophe auch absolut in den Hintergrund rückt. Stellt ihnen aber auch keine „amerikanische Helden“ gegenüber, die etwa über sich hinauswachsen, um die Täter zu finden, sondern erzählt plausibel wie packend, wie mühsam - und gleichzeitig hoch unterhaltsam - die Kleinarbeit ist, wenn der vielzählige Team-Apparat der Jäger ins Rollen kommt. Dabei benutzt er auch dokumentarisches Echt-Material.

„Boston“ ist ein aufregend-überzeugendes, hochemotionales Spannungswerk, das anhand einer realen Tragödie einen Action-Spielfilm zustande bringt, der „Haltung“ zeigt und bewahrt. Man weidet sich niemals an einzelnen Schrecklichkeiten, sondern befolgt mit den Mitteln des Genre-Kinos die humane Vorgabe etwa eines Martin Luther King: Hass wird niemals Hass besiegen. Motto: Die überwiegende Gemeinschaft der Anständigen. Am Ende kommen authentische Beteiligte zu Wort; Bezüge zu den Terror-Anschlägen von Paris, Brüssel und Nizza werden besonnen hergestellt.

„Boston“ ist tatsächlich ein „pietätvoller Thriller“ („epd-film“), der sich auf großartige Team-Schauspieler verlassen kann, darunter auch „Oscar“-Preisträger J.K. Simmons („Whiplash“) als „normaler“ Polizist und Michelle Monaghan als Ehefrau von Mark Wahlberg, die sich in ihren Rollen keine manieristischen Extravaganzen leisten, sondern glaubhafte Charakter-Präsenz zeigen. „Boston“ ist ein richtig guter Kinofilm.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

Diese Seite teilen: