Heimkino-Tipp: Die rote Schildkröte

Animations-Stummfilm über einen Schiffbrüchigen und eine rote Schildkröte

Pönis
5 von 5 Sternen

Die rote Schildkröte

Genre: Animation/Stummfilm

Produktion: Frankreich 2016

Laufzeit: 78 Minuten

FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung

Regie: Michael Dudok de Wit

 

Zur Filmseite: www.universumfilm.de

VÖ: 28. Juli 2017

Zum Film:

Ein Schiffbrüchiger strandet auf einer einsamen Insel. Zum Überleben gibt es dort genug, Gefahren lauern jedoch überall.

Er baut sich ein Floss, um von der Insel fortzukommen, wird jedoch jedes Mal von einer roten Schildkröte, die sein Holzgefährt zerstört, daran gehindert. Als die Schildkröte eines Tages an Land kommt, versucht der Mann, sie zu überwältigen, so dass seine Flucht endlich gelingen möge. Doch das Tier entpuppt sich als eine magische Kreatur... (Universum Film)

Die rote Schildkröte | Foto: Universum Film

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) jenseits der alltäglichen Animations-Spektakel aus dem tüchtigen Ami-Land gibt es auch ein anderes, herrlich zu bestaunendes, poesievolles, also wunderbares ZEICHEN-Universum. Nämlich  dieses-hier, das ohne großen (Werbe-)Lärm daherkommt und als phantastisches Familienfilm-Epos emotional-cool wie -melancholisch verzaubert. 

Es geht um uns. Menschen. Um unseren „überschaubaren“ Aufenthalt und Lebens-Rhythmus auf der Erde. Zwischen Da-Sein und Sich-Verabschieden. Am Anfang ist das Wasser. In diesem „bewegt“ sich ein Mann. Verzweifelt kämpft er gegen die Wellen an. Erreicht schließlich eine menschenleere Insel. Kleine Krabbel-Viecher haben ihn ulkig im Blick. Mehrmals versucht er, sich mit gebauten Flößen zu „trennen“ von diesem Eiland. Doch immer wieder hindert ihn daran eine im Meer schwimmende gewaltige rote Schildkröte. So dass seine Transportmittel aus Holz jedes Mal kaputt geht. Und er zurück muss. Als eines Tages diese rote Schildkröte auf die Insel kraucht, ist der Mann voller Wut. Dreht sie auf den Rücken, so dass sie stirbt. Als der Mann Mitleid bekommt, ist es bereits zu spät. Doch plötzlich verwandelt sich die Schildkröte in eine Frau mit leuchtend roten Haaren. Man kommt sich näher. Sie bekommen ein Kind, einen Jungen. Eine Kleinfamilie ist entstanden. Man lebt in harmonischer Einheit, bis…

Was folgt, ist bitte zu sehen, nicht vorab zu beschreiben. Ist (monumental-seelisch) zu empfinden. Erlebnisreich zu fühlen. Mit der mit der Handlung und den Bildern verschmelzenden, phänomenal-passenden, sensiblen Musik-Kommentierung des französischen Soundtrack-Experten LAURENT PEREZ DEL MAR. Zusammen mit den Geräuschen von Natur (Pflanzen, Meer, Wind) und Tieren ergeben sich stimmungs-diskrete, überwältigende Sinn- und Sinnes-Eindrücke. Über den ewigen Zyklus des Lebens. Über unsere kurze „Anwesenheit“-hier, die wie ein Staubkorn schließlich weggepustet wird. Doch: Das Von-Anfang-bis-Dort-Hin-Sein ergibt, ist auch: ein furioses Abenteuer.

Die Unausweichlichkeit menschlicher Endlichkeit. Der Kreislauf des Lebens. Erzählt in einem bilder-überwältigenden feinen, betörend schönen Epos, der keiner Sprache bedarf, sondern in dieser Fabel-haften faszinierenden und atmosphärischen Illustration ein wunderschönes Filmerlebnis ist. Das man nie mehr vergessen wird.

„Die rote Schildkröte“ von MICHAEL DUDOK DE WIT lief 2016 beim Cannes-Festival, erhielt dort einen Sonderpreis in der Reihe „Un certain regard“, wurde auch auf weiteren Festival viel-gelobt und ausgezeichnet. Michael Dudok de Wit, Jahrgang 1953, dessen fein-radikaler Gegenentwurf zu den vielen Computer-Trickfilmen-derzeit eine atemberaubende Wahrnehmung und Erlebniserweiterung darstellt, gehört (mit) die Animationsfilm-Zukunft: „DIE ROTE SCHILDKRÖTE“ ist ein Meisterwerk.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

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