Heimkino-Tipp: T2 Trainspotting

Ewan McGregor in der Fortsetzung des Kultfilms über die Drogenszene in Edinburgh

Pönis
4 von 5 Sternen

T2 Trainspotting

Genre: Drama/Tragikomödie

Produktion: GB 2017

Laufzeit: 113 Minuten

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Regie: Danny Boyle

Darsteller: Ewan McGregor, Ewen Bremner, Robert Carlyle, Jonny Miller, Kelly Macdonald, Shirley Henderson

 

Zur Filmseite: www.t2trainspotting.de

VÖ: 22. Juni 2017

Zum Film:

Mit einer Gelegenheit fing alles an... durch Verrat brach alles auseinander. Seitdem sind zwanzig Jahre vergangen. Vieles hat sich verändert, vieles aber auch nicht.

Mark Renton (Ewan McGregor) kehrt zu dem einzigen Ort zurück, an dem er jemals zu Hause war. Sie warten auf ihn: Spud (Ewen Bremner), Sick Boy (Jonny Lee Miller) und Begbie (Robert Carlyle). Trauer, Verlust, Freude, Rache, Hass, Freundschaft, Liebe, Sehnsucht, Angst, Reue, Diamorphin, Selbstzerstörung und Gefahr für Leib und Seele kann er nicht entkommen. Und alle wollen ihn gebürend willkommen heißen... (Sony Pictures)

T2 Trainspotting | Foto: Sony Pictures

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...)  „Trainspotting – Neue Helden“ ist und bleibt unvergessen, weil so prächtig provokant, einmalig faszinierend-grandios-verblüffend-hautnah stinkend. Er ist definitiv der beste Briten-Film des 90er-Jahrzehnts. Diese einstige Achterbahnfahrt im Müll. Über zwei Jahrzehnte ist es her, dass der Junkie Mark Renton (EWAN McGREGOR) seinen Kumpels Simon „Sick“ Boy“ Williamson (JOHNNY LEE MILLER), Daniel „Spud“ Murphy (EWEN BREMNER) und Francis „Franco“ Begbie (ROBERT CARLYLE) die 16.000 Pfund aus einem Heroin-Deal klaute und verschwand. Sie waren damals eine verschworene Gemeinschaft. Bekennende Outlaws auf Edinburghs Straßen. Während die Erzeuger soffen, rauchten und Fernsehen als Lieblingsfeierabend- oder Ganztagsvergnügen auserkoren hatten, standen sie total auf: Heroin. Mit allen Drum-und-Dran-Folgen. Als es „zu viel“ und auch immer „bedrohlicher“ wurde, zog Mark die private Reißleine. Ende der Exzesse, ab gen Amsterdam. Fortan ohne Drogen, zuständig für die Entwicklung von Lagerverwalter-Software für den Einzelhandel, Heirat. Ohne Kinder. Als er hört, dass seine Mutter gestorben sei, kehrt er nach Edinburgh zurück. Wo ihn die alten Kumpels „herzhaft-brutal“ begrüßen. Jeder auf seine Weise. 

Wo sich Scheiße nicht mehr exotisch, sondern beschissen anfühlt. Riecht. Und schmutzt. Und wo eine Frage sich so langsam ihnen nähert und sie beunruhigt: „Ich kann jetzt noch vier Jahre so weitermachen, oder vielleicht sechs, aber dann? Was mache ich die nächsten 30?“ Die einst so hochgehaltene Desorientierung und Bloß-Nicht-Vereinnahmung durch wen oder was auch immer, ist einer trüben Erkenntnis gewichen: Verdammt nochmal, habe ich etwa die letzten 20 Jahre nur verschenkt? Midlife Krise bei den Aufbegehrern von einst. Außer beim Choleriker Franco, der will nur zerstören. Pur, also konsequent-gemein sein. Dass er dabei völlig auf der Strecke bleiben kann, ist ihm egal: Franco ist auch heute noch der Wütendste der Viererbande. Und gefährlichste. ROBERT CARLYLE („Ganz oder gar nicht“; zuletzt: „Die Legende von Barney Thompson“) mimt einen grandiosen Aggressor.

„T2“, mit dem atmosphärischen Geruch von „T1“ verbandelt, wirkt immer noch und weiterhin. Diese vier urigen Kauze der Unsauberkeit sind für Uns-Liebhaber der vortrefflich-schmutzigen Cinema-Kultur immer noch eine (familiäre) Wonne. Sozusagen: Diese wonnige Melancholie-Anarchie. Um gute Bekannte, die eine Zeitlang abwesend waren und jetzt wieder zum heimischen Schmuddel-Spielplatz gefunden haben. Man kann ihnen bei ihren „Spielchen“ ironisch-amüsiert zusehen. Und zuhören. Bei ihrem identitätsheischenden Unrat-Gewusel und mit IHREN herrlich korrespondierenden Power-Songs.

Das urige Klassentreffen oder merke: Die Pinzahl lautet immer: 1-6-9-0. Und: Brexit kommt morgen, heute wird die EU erst nochmal geschröpft. 100.000 Pfund gilt es abzugreifen. Die Verarschung ist enorm. Der 60jährige Danny Boyle, der leidenschaftliche Menschen-Jongleur, hat es erneut geschafft: „T2“ lebt tief-hoch. 

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

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