Heimkino-Tipp: Tschick

Tragikomisches Roadmovie um zwei jugendliche Außenseiter-Freunde

Pönis
4 von 5 Sternen

Tschick

Genre: Komödie/Drama 

Produktion: D 2016

Laufzeit: 89 Minuten

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren 

Regie: Fatih Akin

Darsteller: Tristan Göbel, Anand Batbileg, Nicole Mercedes Müller, Uwe Bohm, Anja Schneider

 

Zur Filmseite: www.tschick-film.de

VÖ: 10. März 2017

Zum Film:

Während die Mutter in der Entzugsklinik und der Vater mit seiner Assistentin auf "Geschäftsreise" ist, verbringt der 14-jährige Außenseiter Maik Klingenberg die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa.

Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, stammt aus dem tiefsten Russland, kommt aus einem der Hochhäuser in Berlin-Marzahn - und hat einen geklauten Lada dabei. Damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende ostdeutsche Provinz.

Die Geschichte eines Sommers, den wir alle einmal erleben wollen... Der beste Sommer von allen eben! (STUDIOCANAL)

Tschick | Foto: STUDIOCANAL

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) Maik (TRISTAN GÖBEL) ist 14 und Außenseiter. Frustriert vom "gut-bürgerlichen" Villen-Zuhause, wo niemand ist. Mama befindet sich in der Entzugsklinik, der Papa geht gerade Urlaubs-"fremd". In der Schule trifft er auf den gleichaltrigen Tschick (ANAND BATBILEG). Der gilt als "schwierig" und wohnt in irgendeinem Hochhaus-Silo in Marzahn. Am Berliner Rand. Der ist doch nicht ganz dicht, lautet die allgemeine Klassen- und Schul-Meinung. Schon, wie der mit einer Art Irokesen-Frisur "abhebt". Tschick ist das egal, hat mit seinen 14 Jahren schon viel erlebt, und das Meiste davon war sicherlich wenig "anständig". Ferien. Was tun? Maik langweilt sich. Tschick taucht mit geklautem Kleinwagen auf und besteht auf einen Trip. In die Walachei. Ohne Karte oder Wegweiser. Oder Navy. Einfach schnell mal so.

Klar doch: Der Osten lebt. Wild und unerwachsen. Provinziell. Man brettert durch Maisfelder, tritt auf der Autobahn voll aufs Pedal, begegnet Dorf-Polizisten, die den Namen zu Recht tragen und trifft auf eine Hippie-Familie. Mit Willkommens-Kultur. Dazu stakst Isa (MERCEDES MÜLLER) aufmüpfig in ihr Leben. Voll mittenmang. Auf einer Müllhalde. Absolut passend.

Der erste beste Sommer ihres Lebens. Maik & Tschick ziehen ihn bzw. es durch. Das Neugierig-Sein, das Machen-Wollen, das mit dem Abenteuer-Probieren. Ohne erklärtes Heldentum, nur mit dieser instinkthaften Vibration der Jugend. Ich mache was, also bin ich. Etwas. Wert. Existiere. Irgendwie. Fatih Akin ("Goldener Berlinale-Bär" 2004 mit "Gegen die Wand") schmutzt lässig in warmen Sommer-Farben, hält mal spielerisch an einem Stausee, in Wäldern oder an einer mühsam zusammengehaltenen Holzbrücke an, um von Unsicherheit, Leichtsinn und jungenhaftem Vergnügen zu erzählen.

Tristan Göbel & Debütant Anand "Tschick" Batbileg: Die Jungs passen. Sind keine langweiligen Text-Aufsager, sondern spannende, charismatische Typen mit viel Präsenz. Sich eingemeindend in die Rüpel-Verwandtschaft von "Tom Sawyer & Huckleberry Finn" (von Mark Twain).

Auch Wolfgang Herrndorf wäre mit dieser Adaption seines Bestsellers sehr zufrieden gewesen. 

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

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