Heimkino-Ttipp: Jackie

Biopic über Jackie Kennedy in der Woche nach dem Attentat auf ihren Mann, Präsident John F. Kennedy

Pönis
4 von 5 Sternen

Jackie

Genre: Biopic/Drama

Produktion: USA, Chile 2016

Laufzeit: 100 Minuten

FSK: freigegeben ab 12 Jahren

Regie: Pablo Larraín

Darsteller: Natalie Portman, Peter Sarsgaard, Greta Gerwig


Zur Filmseite: www.tobis.de

VÖ: 9. Juni 2017

Zum Film:

Jacqueline Kennedy sitzt im pinken Kostüm weinend vor dem Badezimmerspiegel und wischt sich Blutspritzer aus dem Gesicht. Kurz zuvor hat eine Gewehrkugel den Schädel ihres Mannes zertrümmert, er ist in der Präsidentenlimousine in ihren Schoß gesackt. Nun ist er tot.

Es ist die Stunde Null im nationalen Trauma der USA, der Ermordung John F. Kennedys in Dallas. Statt sich umzuziehen, lässt sie das blutbefleckte Kostüm an und sagt: «Lasst sie sehen, was sie angerichtet haben.» Mit dem biografischen Drama «Jackie» hat Regisseur Pablo Larraín ein Porträt der von Millionen geliebten First Lady gezeichnet. In der Hauptrolle: Natalie Portman. (dpa)

Jackie | Foto: Tobis

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) Mit den unvergessenen Bildern des Attentats auf den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, John F. Kennedy, am 22. November 1963 in Dallas beginnt dieser Film. Und richtet sogleich den Blick und seine ganze Aufmerksamkeit auf seine Frau, die First Lady, die in der Öffentlichkeit den Spitznamen "Jackie" hatte. Jackie Kennedy war für ihren extravaganten Modestil bekannt, 1960 wurde sie zur "bestgekleideten Frau der Welt " gewählt, und sie war es auch, die das "Weiße Haus" kulturell "umkrempelte". Architektonisch wie intellektuell. Zu einem glamourösen Begegnungs-Ort verwandelte. Damit ist von jetzt auf gleich Schluss.

Ihr Ehemann ist tot. Ihr blutbespritztes Kostüm will sie in den folgenden Stunden nicht wechseln. Jackie Kennedy (Natalie Portman) ist geschockt und traumatisiert. Das Protokoll aber bestimmt auch "eine solchen Fall". Und sie hat eigentlich diesen festgesetzten Ritualen zu folgen. Doch schon bald übernimmt und bestimmt die Witwe des Präsidenten die Initiativen, kümmert sich um das Vermächtnis ihres ermordeten Ehemannes.

"JACKIE", der Film, ist das facettenreiche Porträt einer Ikone der 1960er Jahre. In der Mischung aus authentischen Bildprodukten und der historischen Wiedergabe von bislang eher unbekannten Ereignissen. Ausgehend von einem Interview, das sie eine Woche nach dem Tod ihres Ehemannes einem Reporter des "Time Magazins" gibt, entfaltet der Film seine Suche nach "den Spuren" dieser außerordentlichen Persönlichkeit: individuell, gesellschaftlich, historisch-politisch. Dabei spielt eine berühmte TV-Sendung vom 14. Februar 1962 eine bedeutsame Rolle; an diesem Tag führte die Gattin des Präsidenten ein TV-Team durch das Weiße Haus, in dem sich gesammelte Besitztümer ehemaliger US-Präsidenten befinden und den "Dienst"-Ort damit zu einem beispiellos geschichtsträchtigen aufwerten. Mehr als 50 Millionen Amerikaner verfolgten damals diese schwarz-weiße TV-Sendung, während die telegene "Jackie" Kennedy für ihren Auftritt später einen "Emmy Award" zugesprochen bekam.

Wer war sie wirklich? Woraus bestand diese Aura dieser ebenso unnahbaren wie eleganten Frau? Präsidentengattin? Was waren ihre Beweggründe für ihre weit über "das Normale" hinausgehenden "häuslichen" Engagements? Wie überhaupt empfand sie wirklich dieses würde- wie bürdevolle Amt als First Lady ihres Landes? "Das Ergebnis kann nur ein Film sein, der aus Fragmenten besteht. Aus Erinnerungsschnipseln. Assoziationen. Orten. Bildern. Menschen" (Regisseur Pablo Larraín).

NATALIE PORTMAN ist faszinierend. Mit jeder Pore spannend-geheimnisvoll, ohne e i n e "Lösung" anzubieten. Sie nähert sich ihrer "Jackie", einer der meist fotografierten Frau des 20. Jahrhunderts, mit lakonischer wie kühler Nähe. "Wirbel" vermeidend, stattdessen um eine "gerechten Betrachtung" ihres ermordeten Gatten bemüht. Und so formt sie ihn binnen kürzester Zeit zu einer heroischen Legende. Neben der fantastischen Natalie Portman fällt aber auch (erneut) der stille, aber um so nahe, spannende Part der grandiosen GRETA GERWIG als Jackie-Assistentin und Freundin auf. Auch hier dominieren charismatische, wunderbar präsente Augen und Blicke.

Ein intimes Biopic. Dank mitreißender Schauspielerinnen und eines formidablen Ensembles ein zutiefst emotionales Erlebnis. 

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

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