Kinotipp: Begabt - Die Gleichung eines Lebens

Erbitterter Kampf um das Kindeswohl als nuanciertes Familiendrama

Pönis
4 von 5 Sternen

Begabt - Die Gleichung eines Lebens

Genre: Drama

Produktion: USA 2017

Laufzeit: 101 Minuten

FSK: freigegeben ab 6 Jahren

Regie: Marc Webb

Darsteller: Mckenna Grace, Chris Evans, Lindsay Duncan, Octavia Spencer.

 

Zur Filmseite: www.fox.de/begabt-die-gleichung-eines-lebens

Kinostart: 13. Juli 2017

Zum Film:

Frank (Chris Evans) möchte seiner Nichte Mary (Mckenna Grace) nach dem Tod der Mutter einfach ein normales Leben ermöglichen. Leider rechnet das Kind am ersten Schultag bereits komplizierte Quadratwurzeln aus und soll auf eine Begabtenschule.

Frank will das nicht, denn ein Leben unter Erwartungsdruck hat bereits seine begabte Schwester in den Selbstmord getrieben. Dann taucht die ehrgeizige Großmutter (Lindsay Duncan) auf, und die Geschichte scheint sich zu wiederholen.

Regisseur Marc Webb («(500) Days of Summer», «The Amazing Spider-Man») erzählt den erbitterten Kampf um das Kindeswohl als nuanciertes Familiendrama mit Witz. (dpa)

Begabt - Die Gleichung eines Lebens | Foto: Twentieth Century Fox

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) Im faszinierenden Blick- und Mittelpunkt: Die lebhafte, aufgeweckte siebenjährige Mary, gespielt von einem unglaublichen tollen kleinen Talent namens MCKENNA GRACE. Die mit ihrer liebenswerten Unschuldsart, ihrem lebendigen Wesen, ihrer unaufgeregten, nicht altklugen Intelligenz, ihrem fantastisch-körpersprachlichen Spiel alle überragt. Ihre Mary ist ein Mathematik-Genie. Die ihre Klassenlehrerin bereits am ersten Schultag mit der schnellen Kopf-Lösung für 57 mal 135 verblüfft. Offensichtlich ist dies das Erbe ihrer hochintelligenten verstorbenen Mutter, deren Bruder Frank Adler (CHRIS EVANS) jetzt die Kleine in Florida großzieht. In eher bescheidenen Verhältnissen und mit großzügiger Unterstützung von Nachbarin Roberta („Oscar“-Preisträgerin OCTAVIA SPENCER/“The Help“/2012; neulich überragend und „Oscar“-Nominierung für eine der „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“). Frank ist gegen eine „spezielle“ =  Begabten-Schule für Mary, will sie „normal“ aufwachsen sehen. Seine wohlhabende Mutter Evelyn dagegen (LINDSAY DUNCAN) will unbedingt diese außergewöhnliche Mathe-Begabung ihrer Enkelin ab sofort besonders gefördert wissen. Was Frank auf die Palme bringt; er lehnt es ab, dass aus seiner kleinen (geliebten) „Tochter“ schon früh ein vielbestaunter „Freak“ wird. „Sie soll in kein Hamsterrad“, wie er es nennt. Eine – dann auch juristische – Auseinandersetzung um das Kindes-Wohl startet. Mittendrin: Diese zauberhafte kleine Wesen mit ihrem unverwechselbaren Charme und diesem Einfach-Zum-Gerne-Haben-Auftritten.

MCKENNA GRACE, Jahrgang 2006, muss man sehen. Erleben. Aufnehmen. Genießen. Dermaßen unbeschwert vor einer Kamera in diesem Alter zu stehen und sich unbekümmert dermaßen ausdrucksstark, also gefühlvoll ohne Kitsch, zu bewähren, ist einfach brillant. Zudem stellt der wunderbare kleine Film auch interessante Gesellschaftsfragen: Lieber absondern, früh von der Familie trennen, um dafür ein Genie (und gewiss: Sonderling) „herauszubringen“? Oder lieber „trotzdem“ einen so riesigen Zahlen-Geist“normal“ aufwachsen und mit Gleichaltrigen sozialisieren lassen?

Der Dialogreichtum besticht und eben: diese „Kleine“ ist eine volle Empfindungs- und Denk-Wucht. „Begabt – Die Gleichung eines Lebens“ ist ein vorzüglicher Film, der mit Sicherheit in dieser Kino-Woche gegen das aktuelle  „Spider-Man: Homecoming“-Geschreie eigentlich keine Publikumschance hat: doch diese vermeintliche No-Chance könnte man auch nutzen  – und sich einen Independent-Film anschauen, der mit leisen Tönen rührend berstet.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

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