Kinotipp: Coco

Animationsfilm um einen jungen Mexikaner, der eine Reise ins Land der Toten macht

Pönis
4 von 5 Sternen

Coco - Lebendiger als das Leben!

Genre: Familie/Animation/Komödie

Produktion: USA 2017

Laufzeit: 105 Minuten

FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung

Regie: Lee Unkrich und Adrian Molina

u.a. mit der deutschen Stimme von Heino Ferch

 

Zur Filmseite: www.disney.de

Kinostart: 30. November 2017

Zum Film:

Am “Día de los Muertos“ gedenken Freunde und Verwandte ihrer geliebten Ahnen, bedenken sie mit Zucker-Totenköpfen und Blumen, um so deren spirituelle Reise im Land der Toten zu unterstützen.

Ausgerechnet an diesem so wichtigen, traditionellen Feiertag landet Miguel mit seinem schrägen Hund Dante durch einen unglaublichen Zufall in dieser anderen Welt. In dem lauten, bunten Kosmos voller skurriler Charaktere trifft er nicht nur auf seine Ur-Ahnen, sondern auch auf den liebenswerten Hector, der ihm helfen will, den Weg zurück nach Hause zu finden. Doch das ist leichter gesagt als getan! Je mehr Miguel versucht, in die Welt der Lebenden zurück zu kehren, umso tiefer wird er in ein altes Familiengeheimnis gezogen. Doch die äußerst toten und gleichzeitig lebendigen Typen, wie Hector einer ist, sind so gar keine Hilfe... (Pixar/Disney)

Coco - Lebendiger als das Leben! | Foto: Pixar/Disney

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...)  es ist der wichtigste mexikanische Feiertag, der "Día de Muertos" (auch = "Día de los Muertos"), der "Tag der Toten", der alljährlich in den Tagen vom 31. Oktober bis zum 2. November begangen wird. Dabei wird der Gedenktag je nach Region auf verschiedene Weise gefeiert. Dieses Brauchtum zum "Tag der Toten" übrigens wurde 2003 von der UNESCO zum "Meisterwerk der mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit" ernannt und 2008 in die "Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit" übernommen.

Unvergessen: Die erste Viertelstunde beim letzten, dem 25. James Bond-Abenteuer "Spectre", der in Mexiko am "Feier-Tag der Toten" einsetzt, bleibt unvergesslich. Es war d e r Augen-Wahnsinn inmitten des mexikanischen Volks-Spektakels. PIXAR, diese kreative, ideenreiche Animationsschmiede, die sich bekanntlich vor Jahren mit "Disney" verbündete (bzw., umgekehrt), geht in seinem 19. abendfüllenden Trick-Spielfilm diesem Erinnerungstag an die lieben Toten thematisch-spielerisch nach. Verraten wir so viel: Er ist 12, heißt Miguel und besitzt eine große Leidenschaft für  - Musik. Blöd nur, dass in seiner Familie jede Form von Musik und schon gar Musiker abgelehnt werden. Der Grund: Ururgroßmutter Imelda wurde einst von ihrem Ehemann, einem Gitarristen, verlassen, um Musiker zu werden. Also verfluchte ihn die Ur-Ur-Oma, und seitdem hat Musik / haben Musiker in der Familie den Status von "Aussätzigen". Doch Miguel will das nicht akzeptieren, ist sich ganz sicher, ein Nachfahre des berühmten Musikers Ernesto de la Cruz  zu sein und dessen Talent geerbt zu haben. Ab hier etwa beginnen die....Schwierigkeiten. Und der kesse Bengel landet - ganz magisch, versteht sich - im Reich der Toten. Zu seiner (und unserer) Verwunderung ist dort nicht "Asche" angesagt, sondern: Party! Das peppige, exzentrisch wie über-bunt gestaltete  Abenteuer kann beginnen. Für Miguel und seine treuen Begleiter, seinem ebenfalls ganz aufgedrehten einheimischen "Xolo"-Hund, sowie einem sich ziemlich ungeschickt anstellenden Tunichgut-Skelett namens Hector. Es gilt, den immer noch zornigen Ahnen diesen verdammten Fluch endlich "auszureden". Und sein Idol Ernesto de la Cruz aufzutreiben. Damit Miguel endlich seiner großen Leidenschaft frönen darf: der Musik. Wenn er sich "zurück" begibt. Die Zeit allerdings wird knapp, denn hält er sich im Totenreich zu lange auf, wird er selbst zu einem "Mitglied" dort. Sprich: zu einem Skelett.

Diese herrliche Unbekümmertheit. Wie PIXAR mit einer spielerischen wie wunderschön selbstverständlichen Art sich der Endlichkeit und "dem Danach" nähert. Wie der bunte Trubel und dieser fröhliche Jahrmarkt im Reich der Toten bebildert, mit viel Spaß-Sinn und bitter-süßem Ernst beschrieben wird: Du kannst als Toter "endgültig" verschwinden, wenn du von deinem Nachkommen vollends vergessen wirst. Das Totenreich als Event-Veranstaltung, als bitter-süße Vermittler-Party zwischen Drüben und Hier. Tod-Sein bedeutet nicht das finale Aus, sondern: Auch wenn derjenige nicht mehr da ist, bleibt er jedoch weiterhin "anwesend", "am Leben", in Gedanken und Emotionen.

Auffallend allerdings ist, dass diese Identifikationsfigur Miguel ein bisschen "zu lasch, also unpersönlich, daherkommt, während "daneben" sehr viel mehr interessante, reizvolle, spannende Herzens-Figuren lecker herumeiern - wie die grandios-faltige Oma, der ulkige Vierbeiner mit seinen niedlichen Gags und vor allem der pfiffig-ulkige Skelett-Weggefährte Hector. Dafür blinkt es visuell immens-prächtig; etwa bei der bunt schillernden, herrlich leuchtenden Ringelblumenblätter-Brücke, die das schwebende Jenseits mit dem Diesseits überwältigend als Augen-Pracht-Schmaus verbindet. Mit seinen Schau-Werten vermag "Coco" brillant zu punkten. Während die stimmungsvollen einheimischen Soundtrack-Klänge des "Oscar"-Preisträgers Michael Giacchino ("Oben") für einen Stil-feine Begleitung und Kommentierung sorgen. Während II: Für das Finale sind dann schon mal "lächelnde" Taschentücher bereit zu halten.....

Fazit: Der neue PIXAR berührt Gedanken-tief und ist einmal mehr emotional als menschelndes Animations-Neuland zu bestaunen und zu bewundern.

P.S. 1:  Die (unverständliche) FSK-Freigabe "ab 0 Jahren" ist "mit Vorsicht" zu genießen : kleine und Kleinst-Kinder sollten unbedingt von Erwachsenen in den Film begleitet werden, um so manche süß-ernste Motive ab- bzw. auffangen und beruhigend erklären zu können.

P.S. 2: Der 22minütige Vorfilm "Die Eiskönigin: Olaf taut auf" bei dem HAPE KERKELING Schneemann Olaf spricht, ist zu lang und auch nicht so witzig wie erhofft.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

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