Kinotipp: Das unerwartete Glück der Familie Payan

Komödie über die 49-Jährige Nicole, die wider Erwarten schwanger wird

Pönis
3 von 5 Sternen

Das unerwartete Glück der Familie Payan

Genre: Komödie

Produktion: Frankreich 2015

Laufzeit: 99 Minuten

FSK: freigegeben ab 6 Jahren

Regie: Nadège Loiseau

Darsteller: Karin Viard, Philippe Rebbot und Hélène Vincent

 

Zur Filmseite: www.wildbunch-germany.de

Kinostart: 20. Juli 2017

Zum Film:

Nicole (Karin Viard) ist 49 und sicher, dass jetzt die Wechseljahre zuschlagen. Ein Besuch beim Arzt bringt jedoch eine überraschende Diagnose: Nicole ist schwanger! Dabei dachte sie, eine ungeplante Schwangerschaft passiere ihr nur einmal – ihr erstes Kind bekam sie mit fünfzehn.

Bisher managte die berufstätige Mutter das permanente Familienchaos der Payans sehr souverän: Ihr plan- und arbeitsloser Ehemann, ihre etwas verwirrte Mutter, ihre erwachsene Tochter, die in ihrem alten Kinderzimmer noch immer ein Teenagerleben führt und ihre quirlige Enkelin halten sie dennoch genug auf Trab. Ist noch Platz für einen „kleinen Untermieter“? Nicole muss eine Entscheidung treffen. Gar nicht so einfach, wenn sich jedes Familienmitglied schon genau überlegt hat, was wohl das Beste wäre… (Wild Bunch Filme)

Das unerwartete Glück der Familie Payan | Foto: Wild Bunch Filme

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) SIE gehört in Frankreich mit in die Spitzengruppe der weiblichen Kino-Asse: Die 50jährige Charakter-Darstellerin KARIN VIARD, zuletzt auch bei uns in "Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste" zu sehen gewesen. 

Hier mimt sie Nicole Payan, das 49jährige Oberhaupt einer kleinbürgerlichen Pariser Familie. "Oberhaupt" trifft es, denn sie ist quasi - neben ihrem Job als als Kassiererin bei einer Mautstelle - für alle und alles (einschließlich des Familien-Einkommens) zuständig. Ihr Ehemann, Jean-Pierre, ist arbeitsscheu und faul, was das häusliche Engagement betrifft; ihre 34jährige Tochter Arielle gefällt es im Hotel Mama immer noch ganz bequem-ordentlich, während deren 6jährige Tochter Zoé mehr von Nicole als von ihrer Mutter versorgt wird. Und dann ist da noch die behinderte Mutter von Nicole, Oma Mamilette ("César"-Preisträgerin HÉLÈNE LAURENT/"Das Leben ist ein langer ruhiger Fluß"), die es auch täglich zu umsorgen und zu versorgen geht. Und deren zunehmende Aussetzer den Alltagsstress mehr und mehr vergrößern.

Als Nicole wegen mutmaßlicher Wechseljahre-Beschwerden zum Arzt geht, lautet die umwerfende Diagnose: Schwangerschaft. Mit 49! Natürlich wird die Abtreibung in Holland erwogen, doch dann beschließt Nicole, das Kind haben zu wollen. Der "kleine Untermieter" soll bleiben. Was bedeutet, dass sich "die Zuständigkeiten" innerhalb der Familie Payan künftig völlig ändern. Werden. Müssen-müssen. Denn Nicole wird umgehend krank-geschrieben. Soll, darf, muss sich pflegen. Und ausruhen. Stress ist bei ihr ab sofort verboten; ist für sie untersagt. Weil schädlich. Was natürlich bei einzelnen Familienmitgliedern plus Anhang chaotische Folgeerscheinungen auslöst. Zum ersten Mal müssen sie DIE FAMILIE "organisieren".

KARIN VIARD ist einmal mehr hinreißend; jugendlich wie in den Zwanzigern; eine dynamische Matriarchin, während das Ensemble um sie herum die präzisen Vorgaben für reichlich egoistisches, selbstsüchtiges Personal erfüllt. Der Debüt-Langfilm der ehemaligen Kurzfilmerin NADÉGE LOISAU, die hier ihren Kurzfilm "Le Loctaire" von 2012 zu einem abendfüllenden Spielfilm erweitert/ausbaut, vermeidet bravourös Klamotte und trifft genüsslich die Balance zwischen listiger Emotionalität und pointiertem Real-Wahnsinn.  Amüsanter Familien-Tief und -Einblick.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

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