Kinotipp: Der junge Karl Marx

Kostümdrama mit August Diehl

Pönis
3 von 5 Sternen

Der junge Karl Marx

Genre: Action

Produktion: Deutschland/Frankreich 2016

Laufzeit: 118 Minuten

FSK: freigegeben ab 0 Jahren

Regie: Raoul Peck

Darsteller: August Diehl, Stefan Konarske, Vicky Krieps


Zur Filmseite: www.der-junge-karl-marx.de

Kinostart: 2. März 2017

Zum Film:

Paris 1844: Der im französischen Exil lebende Journalist Karl Marx (August Diehl) und seine Frau Jenny (Vicky Krieps) lernen den wohlhabenden Fabrikantensohn Friedrich Engels (Stefan Konarske) kennen.

Der Dandy Engels hat in England die Verelendung des Proletariats mit eigenen Augen gesehen und sich in die irische Arbeiterin Mary Burns (Hannah Steele) verliebt. Allmählich entdecken Marx und Engels ihre gemeinsamen Interessen, freunden sich an, gehen auch mal einen trinken, und verbünden sich im Kampf um die Befreiung der Arbeiter.

Am Ende des Films verfassen sie gemeinsam das «Kommunistische Manifest». Der 1953 auf Haiti geborene Regisseur Raoul Peck (« I Am Not Your Negro») erzählt in seinem Kostümdrama von den Anfängen der Arbeiterbewegung und zwei charismatischen jungen Männern. (dpa)

Der junge Karl Marx | Foto: dpa

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) Der Historien-Spielfilm des aus Haiti stammenden und seit 2004 als Präsident der Pariser Filmhochschule „La Femis“ tätige RAOUL PECK, der 1992 mit dem (vielfach preisgekrönten) Film-Essay „Lumumba – Tod des Propheten“ international bekannt wurde, hat ein solides Biopic über die zwei berühmten Visionäre geschaffen, denen starke Ehefrauen zur Seite standen. Das für fast 10 Millionen Euro hergestellte Polit-Drama ist sehr sorgfältig und aufwändig rekonstruiert, funktioniert gedanklich wie emotional aber viel zu brav. Ausgenommen der Anfang, wenn eine Gruppe von Menschen aller Altersklassen im Wald nach abgefallenen Ästen als Brennholz sucht und von knüppelnden Reitern der Obrigkeit brutal niedergeschlagen wird. Währenddessen ist aus dem Off die Stimme vom jungen Marx zu hören, der aus einem seiner Zeitungsartikel von 1843 liest, in dem er auf den Widerspruch zwischen der Rechtswahrnehmung des Volkes und dem geltenden Gesetzestext verweist: Was von Bäumen abgefallen ist, darf „vom Volk“ aufgehoben und verwertet werden und ist eben nicht Diebstahl vom Besitz der Herrschaft. Anstatt mit dieser Reflektion im Verhältnis von Abhängigkeiten weiterzumachen, entwickelt sich der Film danach mehr zu einer durchaus interessanten, aber nicht sonderlich spannenden Lichtspiel-Streitschrift: Zwei engagierte Heißsporne als Weltverbesserer im altbacken aussehenden und viel zu sehr theoretisierenden Duell-Bemühen um notwendige Veränderungen.

Statt subversive Energie, nur gut gemeinter, bissiger Vorkämpfer-Charme gegen Elend und Ausbeutung. Ein viel zu braver, theoretischer Film, dessen „Traute“ überschaubar bleibt. Die geschilderte Empörung bleibt optisch in einer Art Schockstarre stecken, inmitten des formidablen Kostümfundus und der enormen Ausstattungspracht. Während die beiden Hauptakteure ihre Statements ordentlich „vortragen“.

„Der junge Karl Marx“ ist ein wort-wuchtiger Film, mit zu vielen kraftlosen Ausrufungszeichen und zu wenig wirkungsvollem, nachhallendem Explosiv- und Wut-KINO im Zeitalter von Globalisierung und Neonationalismus. Für die schulische Geschichts- und Ökonomie-Diskussion derweil sicherlich geeignet.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

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